schielen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- schielen
- Worttrennung
- schie·len
- Präsens
- er schielt
- Präteritum
- er schielte
- Partizip II
- geschielt
- Hilfsverb
- haben
Heimliches Blicken und übertragener Wunschgebrauch umgangssprachlich. Die wörtliche Augenstellung davon unterscheiden.
Definition · kurz erklärt
Schielen kann eine abweichende Blickrichtung der Augen bezeichnen. Umgangssprachlich heißt es auch, verstohlen irgendwohin zu schauen oder zu spähen. Übertragen bedeutet nach etwas schielen, etwas gern haben oder erreichen zu wollen.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Eine abweichende Blickrichtung der Augen haben
Im wörtlichen Sinn bezeichnet schielen eine Stellung, bei der die Blickrichtungen der Augen nicht wie gewöhnlich auf denselben betrachteten Punkt ausgerichtet sind. Das Wort beschreibt zunächst dieses Merkmal. Ursache und Behandlung ergeben sich nicht aus einer sprachlichen Bezeichnung.
Die sachliche Figurenbeschreibung erwähnt, dass der Mann leicht schielt.
Beschrieben ist ein Merkmal der Augenstellung. Daraus folgt kein Urteil über seine Fähigkeiten, Absichten oder seinen Charakter.
Bedeutung 2: Verstohlen schauen oder spähen
Umgangssprachlich kann schielen ein unauffälliges oder heimliches Schauen in eine Richtung bezeichnen. Eine Richtungsergänzung macht deutlich, was die Aufmerksamkeit anzieht. Dabei muss kein Schielen im wörtlichen Augensinn vorliegen.
Während des Gesprächs schielt sie immer wieder nach der geschlossenen Tür.
Die Blicke zur Tür werden beschrieben. Weshalb sie dorthin schaut, muss aus weiteren Angaben hervorgehen.
Bedeutung 3: Etwas haben oder erreichen wollen
Übertragen kann nach etwas schielen heißen, es zu begehren oder darauf aus zu sein. Eine sichtbare Augenbewegung ist dann nicht erforderlich. Der Ton kann kritisch wirken.
Der Erzähler behauptet, die Figur schiele nur nach der Auszeichnung.
Die Aussage schreibt ihr ein Motiv zu. Ob dieses ihr einziges Motiv ist, müsste die Analyse an der Handlung prüfen.
schielen: Synonyme und andere Wörter
Bei einer Blickbewegung
verstohlen blicken · spähen · heimlich schauen
Blicken allein nennt keine Heimlichkeit. Verstohlen ergänzt genau diese Art des Schauens. Spähen kann ein aufmerksam suchendes Sehen hervorheben und ist nicht gleichbedeutend mit einer besonderen Augenstellung.
„Sie blickt zur Tür“ lässt eine offene Bewegung zu. „Sie schielt verstohlen zur Tür“ betont ihr unauffälliges Vorgehen.
Beim bildlichen Wunsch
auf etwas aus sein · etwas begehren · nach etwas streben
Auf etwas aus sein erklärt den Zielbezug. Streben kann offen und anerkennend gemeint sein; nach etwas schielen kann stärker wie eine kritische Zuschreibung klingen. Die Bewertung darf beim Austausch nicht unbemerkt verschwinden.
„Er strebt nach der Auszeichnung“ kann ein offenes Ziel nennen. „Er schielt nach der Auszeichnung“ kann denselben Wunsch kritisch erscheinen lassen.
Beispiele und Verwendung
Körpermerkmal und Absicht trennen
Die erste Beschreibung nennt die Augenstellung, die zweite die Blicke auf die Tür.
Gleichlautende Verbformen haben hier unterschiedliche Bedeutungen. Ein körperliches Merkmal beweist keine Heimlichkeit.
Einen fremden Vorwurf zuordnen
Die Figur wirft ihrem Bruder vor, nach ihrem Anteil zu schielen.
Der Vorwurf gehört zu ihrer Perspektive. Eine tatsächliche Absicht des Bruders muss der Text zusätzlich erkennen lassen.
Grammatik und Beugung
Schielen wird schie·len getrennt. Die Stammformen lauten schielt, schielte, hat geschielt. Das ie bleibt in den gezeigten Formen erhalten.
Das Verb steht in diesen Verwendungen ohne direktes Akkusativobjekt. Nach der Tür schielen und nach einer Auszeichnung schielen enthalten nach plus Dativ. Auf eine Belohnung schielen hat in der entsprechenden Zielverbindung auf plus Akkusativ.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | schiele | schielte |
| du | schielst | schieltest |
| er/sie/es | schielt | schielte |
| wir | schielen | schielten |
| ihr | schielt | schieltet |
| sie | schielen | schielten |
| Person | Perfekt | Plusquamperfekt |
|---|---|---|
| ich | habe geschielt | hatte geschielt |
| du | hast geschielt | hattest geschielt |
| er/sie/es | hat geschielt | hatte geschielt |
| wir | haben geschielt | hatten geschielt |
| ihr | habt geschielt | hattet geschielt |
| sie | haben geschielt | hatten geschielt |
| Person | Futur I | Futur II |
|---|---|---|
| ich | werde schielen | werde geschielt haben |
| du | wirst schielen | wirst geschielt haben |
| er/sie/es | wird schielen | wird geschielt haben |
| wir | werden schielen | werden geschielt haben |
| ihr | werdet schielen | werdet geschielt haben |
| sie | werden schielen | werden geschielt haben |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | schiele | schielte |
| du | schielest | schieltest |
| er/sie/es | schiele | schielte |
| wir | schielen | schielten |
| ihr | schielet | schieltet |
| sie | schielen | schielten |
| Person | Konjunktiv I: Perfekt | Konjunktiv II: Vergangenheit |
|---|---|---|
| ich | habe geschielt | hätte geschielt |
| du | habest geschielt | hättest geschielt |
| er/sie/es | habe geschielt | hätte geschielt |
| wir | haben geschielt | hätten geschielt |
| ihr | habet geschielt | hättet geschielt |
| sie | haben geschielt | hätten geschielt |
| Anrede | Imperativ |
|---|---|
| du | schiel! / schiele! |
| ihr | schielt! |
| Sie | schielen Sie! |
