schwinden
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- schwinden
- Worttrennung
- schwin·den
- Präsens
- er schwindet
- Präteritum
- er schwand
- Partizip II
- geschwunden
- Hilfsverb
- sein
Allgemeiner Gebrauch gehoben; daneben technische und rundfunksprachliche Bedeutungen. Starkes Verb: schwand, ist geschwunden.
Definition · kurz erklärt
Schwinden bedeutet häufig, allmählich weniger zu werden oder zu verschwinden. Das Wort wirkt in der allgemeinen Sprache gehoben. Daneben bezeichnet es fachlich das Kleinerwerden von Werkstücken und im Rundfunk einen Verlust an Lautstärke durch Interferenz.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Allmählich weniger werden
Gehoben kann schwinden eine fortschreitende Abnahme ausdrücken. Das können Vorräte, Kräfte oder ein Interesse sein. Ein restloses Verschwinden ist möglich, aber nicht in jedem Satz schon erreicht.
Mit jedem zusätzlichen Auftrag schwinden die freien Stunden der Figur.
Die verfügbare Zeit wird geringer. Es wird noch nicht gesagt, dass gar keine freie Stunde übrig bleibt.
Bedeutung 2: Als Zeit vergehen
Gehoben kann schwinden das Vergehen von Zeit bezeichnen. Die Formulierung hebt oft deren Vergänglichkeit hervor.
Im Rückblick der Erzählerin schwinden die Jahre wie kurze Augenblicke.
Hier werden Jahre als vergehend beschrieben. Eine messbare Beschleunigung der Zeit ist nicht gemeint.
Bedeutung 3: Allmählich aus der Wahrnehmung verschwinden
Eine Gestalt oder ein sichtbarer Ausdruck kann nach und nach nicht mehr zu erkennen sein. Das ist von einem bloßen Mengenrückgang zu unterscheiden.
Die Gestalt schwand langsam im Nebel.
Sie war schließlich nicht mehr zu erkennen. Ihr tatsächlicher Aufenthaltsort wird dadurch nicht bestimmt.
Bedeutung 4: An Volumen verlieren
Fachsprachlich kann schwinden die Volumenabnahme eines Werkstücks beim Abkühlen, Erhärten oder Trocknen bezeichnen. Gemeint ist eine Materialveränderung.
Der technische Text beschreibt, wie das Werkstück während des Abkühlens schwindet.
Das Volumen nimmt ab. Eine Verringerung der Zahl der Werkstücke ist nicht gemeint.
Bedeutung 5: Bei der Funkübertragung leiser werden
Im Rundfunk bezeichnet schwinden einen Lautstärkeverlust durch Interferenz. Diese Fachverwendung unterscheidet sich von einer bloß heruntergeregelten Lautstärke.
Der Unterrichtstext erklärt das Schwinden des empfangenen Senders mit Interferenz.
Der Empfang wird schwächer. Das Sendeprogramm muss deshalb nicht beendet worden sein.
schwinden: Synonyme und andere Wörter
Bei Mengen und Stärke
abnehmen · weniger werden · nachlassen
Abnehmen ist meist neutraler als das gehobene schwinden. Nachlassen passt zu Stärke oder Intensität, nicht unverändert zu jeder räumlich verschwindenden Gestalt.
„Das Interesse schwindet“ hebt den allmählichen Rückgang hervor. „Die Zahl nimmt ab“ ist eine sachlichere Zahlenbeschreibung.
Bei Zeit und Wahrnehmung
vergehen · entschwinden · verschwinden
Vergehen passt zur Zeit. Verschwinden betrifft den Verlust an Sichtbarkeit oder Anwesenheit; es muss ohne Zusatz nicht denselben allmählichen Verlauf ausdrücken.
„Die Jahre schwinden“ meint vergehende Zeit. „Die Gestalt schwindet im Nebel“ beschreibt einen Wahrnehmungsverlust.
Beispiele und Verwendung
Nicht jede Abnahme ist schon ein Ende
Ihr Zutrauen schwindet, doch sie setzt die Arbeit fort.
Das Zutrauen wird geringer. Der zweite Satzteil macht deutlich, dass die Handlung trotzdem weitergeht.
Fachsprache erkennen
Beim Werkstück betrifft das Schwinden ein Volumen, beim Rundfunk die empfangene Lautstärke.
Der jeweilige Fachzusammenhang legt fest, welche Größe sich verändert.
Grammatik und Beugung
Schwinden wird schwin·den getrennt. Die Stammformen heißen schwindet, schwand, ist geschwunden. Der Konjunktiv II lautet schwände. Das Perfekt wird mit sein gebildet.
Das Verb steht ohne direktes Akkusativobjekt: der Vorrat schwindet. Der betroffene Vorrat ist das Subjekt. Bei sächlichen Vorgängen sind besonders die Formen der dritten Person gebräuchlich.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | schwinde | schwand |
| du | schwindest | schwandst |
| er/sie/es | schwindet | schwand |
| wir | schwinden | schwanden |
| ihr | schwindet | schwandet |
| sie | schwinden | schwanden |
| Person | Perfekt | Plusquamperfekt |
|---|---|---|
| ich | bin geschwunden | war geschwunden |
| du | bist geschwunden | warst geschwunden |
| er/sie/es | ist geschwunden | war geschwunden |
| wir | sind geschwunden | waren geschwunden |
| ihr | seid geschwunden | wart geschwunden |
| sie | sind geschwunden | waren geschwunden |
| Person | Futur I | Futur II |
|---|---|---|
| ich | werde schwinden | werde geschwunden sein |
| du | wirst schwinden | wirst geschwunden sein |
| er/sie/es | wird schwinden | wird geschwunden sein |
| wir | werden schwinden | werden geschwunden sein |
| ihr | werdet schwinden | werdet geschwunden sein |
| sie | werden schwinden | werden geschwunden sein |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | schwinde | schwände |
| du | schwindest | schwändest |
| er/sie/es | schwinde | schwände |
| wir | schwinden | schwänden |
| ihr | schwindet | schwändet |
| sie | schwinden | schwänden |
| Person | Konjunktiv I: Perfekt | Konjunktiv II: Vergangenheit |
|---|---|---|
| ich | sei geschwunden | wäre geschwunden |
| du | seiest geschwunden | wärest geschwunden |
| er/sie/es | sei geschwunden | wäre geschwunden |
| wir | seien geschwunden | wären geschwunden |
| ihr | seiet geschwunden | wäret geschwunden |
| sie | seien geschwunden | wären geschwunden |
| Anrede | Imperativ |
|---|---|
| du | schwind! / schwinde! |
| ihr | schwindet! |
| Sie | schwinden Sie! |
Redewendungen und feste Verbindungen
Im Schwinden begriffen sein
Die gehobene Verbindung beschreibt, dass etwas gerade weniger wird oder an Bedeutung verliert. Sie nennt einen laufenden Vorgang, nicht unbedingt dessen Abschluss.
Der Einfluss der alten Regel ist in der Erzählung bereits im Schwinden begriffen.
Der Einfluss lässt nach. Die Regel muss deshalb noch nicht vollständig wirkungslos geworden sein.
