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stocken

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
stocken
Worttrennung
sto·cken
Präsens
er stockt
Präteritum
er stockte
Partizip II
gestockt
Hilfsverb
haben; regionale Gerinnungslesart auch sein

Gebrauch: Gerinnen besonders regional süddeutsch, österreichisch und schweizerisch; haben/sein nur dort. Persönliche Formen beim Innehalten.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Stocken bedeutet, dass ein Ablauf zeitweise aussetzt oder nicht flüssig weitergeht. Auch eine Person kann beim Sprechen oder Handeln innehalten. Regional kann stocken das Gerinnen einer Flüssigkeit bezeichnen; bei feuchten Gegenständen das Entstehen von Stockflecken.

Bedeutungen

Vorübergehend aussetzen

Eine Körperfunktion kann stocken, wenn sie vorübergehend aussetzt. In Erzählungen wird der Ausdruck auch bildlich für eine starke Schreckreaktion verwendet. Der genaue körperliche Zustand folgt nicht allein aus dieser Wortwahl.

„Beim Anblick der zerstörten Bühne stockte der Figur der Atem.“

Der Satz beschreibt ihre heftige Reaktion. Er ersetzt keine medizinische Feststellung.

Nicht flüssig weitergehen

Ein Verkehr, ein Gespräch oder eine Arbeit kann stocken, wenn der normale Fortgang unterbrochen wird oder nur zögernd weitergeht. Eine endgültige Einstellung wird nicht automatisch behauptet.

„Ohne die fehlenden Unterlagen stockte die Vorbereitung mehrere Tage.“

Die Arbeit kommt zeitweise nicht voran. Dass sie dauerhaft aufgegeben wird, steht damit nicht fest.

Beim Sprechen oder Handeln innehalten

Eine Person kann mitten in einer Tätigkeit stocken, etwa weil sie unsicher ist, sich erschrickt oder nachdenken muss. Der Grund sollte nur dann genannt werden, wenn der Zusammenhang ihn erkennen lässt.

„An der unleserlichen Stelle stockte die Vorleserin und sah ins Manuskript.“

Sie hält beim Lesen inne. Ihr Gefühl wird nicht allein durch das Verb festgelegt.

Regional: gerinnen oder dick werden

Besonders im süddeutschen, österreichischen und schweizerischen Gebrauch kann eine Flüssigkeit stocken, wenn sie gerinnt oder dick wird. Bei Milch kann auch das Sauerwerden gemeint sein. In dieser Lesart sind haben und sein möglich.

„In der regionalen Kochanweisung heißt es, die Eimasse sei bereits gestockt.“

Die Masse ist fest beziehungsweise dick geworden. Von einer Unterbrechung eines Gesprächs ist nicht die Rede.

Stockflecken bekommen

Papier, Wäsche oder andere Materialien können stocken, wenn sie durch Feuchtigkeit Stockflecken bekommen. Diese Bedeutung bezeichnet eine Materialveränderung.

„Die lange feucht gelagerten Blätter haben gestockt.“

Die Blätter haben Stockflecken bekommen. Sie sind nicht während einer Bewegung stehen geblieben.

stocken: Synonyme und andere Wörter

Bei einem unterbrochenen Ablauf

stagnieren · aussetzen · ins Stocken geraten

Aussetzen betont eine Unterbrechung. Stagnieren kann länger anhaltenden Stillstand bezeichnen. Zögern legt bei einer Person eher ein Verhalten nahe; ein Verkehrsstrom zögert nicht im gleichen Sinn.

„Die Arbeit stockt“ lässt eine spätere Fortsetzung offen; „Die Arbeit ist beendet“ sagt etwas anderes.

Bei einer Flüssigkeit

gerinnen · dick werden

Gerinnen passt zur betreffenden Veränderung einer Flüssigkeit. Sauerwerden kann bei Milch gemeint sein, ist aber nicht der genaue Ersatz für jede Form des Stockens, etwa einer erwärmten Eimasse.

„Das Ei stockt“ beschreibt eine Konsistenzänderung; „Der Redefluss stockt“ einen unterbrochenen Ablauf.

Beispiele und Verwendung

„Ich stockte kurz, weil ich das fremde Wort nicht entziffern konnte.“

Die persönliche Verbform gehört zum Innehalten beim Lesen.

„Das Gespräch hat gestockt; die Milch ist in regionaler Ausdrucksweise gestockt.“

Die Hilfsverben sind nach Bedeutung zuzuordnen. Sein ist kein frei austauschbarer Ersatz in jeder Lesart.

Grammatik und Beugung

Die schwachen Hauptformen sind stockt – stockte – hat gestockt. Persönliche Formen wie ich stockte gehören zum Innehalten einer Person. Bei einem Ablauf, einer Flüssigkeit oder einem Material steht meist eine dritte Person.

Haben wird beim Aussetzen, Innehalten und bei Stockflecken verwendet. Nur in der hier genannten regionalen Gerinnungslesart ist auch sein möglich. Die Zusatzreihe zeigt diese tatsächlich verwendeten dritten Personen.

Die Worttrennung ist sto·cken. In der festen Verbindung ins Stocken geraten wird das Verb substantiviert; darum beginnt Stocken dort mit einem Großbuchstaben. Beim gewöhnlichen Verb bleibt es klein: Die Arbeit stockt.

stocken: Indikativ: Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichstockestockte
dustockststocktest
er/sie/esstocktstockte
wirstockenstockten
ihrstocktstocktet
siestockenstockten
stocken: Indikativ: Perfekt und Plusquamperfekt
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichhabe gestockthatte gestockt
duhast gestockthattest gestockt
er/sie/eshat gestockthatte gestockt
wirhaben gestockthatten gestockt
ihrhabt gestockthattet gestockt
siehaben gestockthatten gestockt
stocken: Indikativ: Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichwerde stockenwerde gestockt haben
duwirst stockenwirst gestockt haben
er/sie/eswird stockenwird gestockt haben
wirwerden stockenwerden gestockt haben
ihrwerdet stockenwerdet gestockt haben
siewerden stockenwerden gestockt haben
stocken: Konjunktiv: einfache Formen
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichstockestockte
dustockeststocktest
er/sie/esstockestockte
wirstockenstockten
ihrstocketstocktet
siestockenstockten
stocken: Konjunktiv: Vergangenheit
PersonKonjunktiv I: PerfektKonjunktiv II: Vergangenheit
ichhabe gestockthätte gestockt
duhabest gestockthättest gestockt
er/sie/eshabe gestockthätte gestockt
wirhaben gestockthätten gestockt
ihrhabet gestockthättet gestockt
siehaben gestockthätten gestockt
stocken: Imperativ
AnredeImperativ
dustock! / stocke!
ihrstockt!
Siestocken Sie!
Regionale Gerinnungslesart: auch sein
Former/sie/essie (Plural)
Perfektist gestocktsind gestockt
Plusquamperfektwar gestocktwaren gestockt
Futur IIwird gestockt seinwerden gestockt sein
Konjunktiv I: Perfektsei gestocktseien gestockt
Konjunktiv II: Vergangenheitwäre gestocktwären gestockt

Redewendungen und feste Verbindungen

Ins Stocken geraten

Die Verbindung bedeutet, dass ein Ablauf nicht mehr flüssig weitergeht oder zeitweise unterbrochen wird.

„Ohne das fehlende Kapitel geriet die gemeinsame Arbeit ins Stocken.“

Die Arbeit kommt nicht wie vorgesehen voran. Stocken ist hier substantiviert und wird großgeschrieben.