trinken
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- trinken
- Worttrennung
- trin·ken
- Präsens
- er trinkt
- Präteritum
- er trank
- Partizip II
- getrunken
- Hilfsverb
- haben
Ohne genanntes Getränk kann Alkohol gemeint sein; der Zusammenhang entscheidet. Bildlich bei Aufnehmen: dichterisch.
Reflexiver Gebrauch: auch sich trinken in bestimmten Konstruktionen
Definition · kurz erklärt
Trinken bedeutet, Flüssigkeit durch den Mund aufzunehmen. Das Getränk kann genannt sein oder aus dem Zusammenhang hervorgehen. In bestimmten Verwendungen meint trinken Alkohol; dichterisch kann es auch ein starkes Aufnehmen von Wasser oder Eindrücken beschreiben.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Flüssigkeit zu sich nehmen
Das Verb kann ohne Objekt oder mit einem Getränk beziehungsweise einer Menge stehen. Ob Wasser, Saft oder etwas anderes gemeint ist, ergibt sich aus der Ergänzung oder dem Zusammenhang.
Nach dem Weg trinkt sie langsam eine Tasse Tee.
Tee benennt das Getränk, eine Tasse die Menge. Langsam beschreibt die Art des Trinkens.
Bedeutung 2: Sich in bestimmter Weise trinken lassen
Reflexiv kann ein Getränk als Subjekt stehen. Die Verbindung beschreibt dann, wie es sich trinken lässt, häufig als Geschmacksurteil.
Der Saft trinkt sich gut, meint die Besucherin.
Das ist ihr Urteil über das Getränk. Der Saft handelt nicht selbst.
Bedeutung 3: Durch Trinken einen Zustand erreichen
Ein ergänzender Ausdruck kann einen erreichten Zustand nennen. Dazu gehören etwa sich satt trinken oder ein Glas leer trinken. Der resultierende Zustand steht im Vordergrund.
Die Figur hat ihr Glas leer getrunken und stellt es zurück.
Leer bezeichnet den Zustand des Glases nach dem Vorgang, nicht seine frühere Beschaffenheit.
Bedeutung 4: Alkohol zu sich nehmen
Auch ohne ausdrücklich genanntes Getränk kann trinken Alkoholkonsum bedeuten. Diese Lesart muss der Zusammenhang tragen; nicht jedes bloße trinken meint Alkohol.
Im Gespräch über die Weinprobe sagt die Figur, sie habe an diesem Abend nichts getrunken.
In diesem Zusammenhang kann nichts getrunken nichts Alkoholisches bedeuten. Andere Getränke sind damit nicht notwendig ausgeschlossen.
Bedeutung 5: Gewohnheitsmäßig zu viel Alkohol konsumieren
Trinken kann in einem entsprechenden Zusammenhang auch einen anhaltenden problematischen Alkoholkonsum bezeichnen. Eine einzelne Äußerung über ein Getränk belegt diese weitergehende Aussage nicht.
Der Roman schildert über mehrere Kapitel, wie die Figur immer häufiger trinkt und ihren Alltag vernachlässigt.
Die wiederholte Darstellung trägt den problematischen Verlauf. Ein einzelner Trinkvorgang würde dafür nicht genügen.
Bedeutung 6: Auf jemanden oder etwas anstoßen
Auf jemanden oder etwas trinken verbindet den Trinkvorgang mit guten Wünschen. Die auf-Ergänzung bezeichnet den Anlass oder die gewürdigte Person.
Im historischen Festbericht trinkt die Runde auf die glückliche Heimkehr der Reisenden.
Die Heimkehr ist Gegenstand des guten Wunsches. Der Satz sagt nichts über eine notwendige Getränkesorte in anderen Zusammenhängen.
Bedeutung 7: Dichterisch: in sich aufnehmen
Dichterisch kann etwas trinken, obwohl es keinen menschlichen Trinkvorgang ausführt. Das Bild beschreibt ein Aufsaugen oder ein intensives Aufnehmen.
Nach der langen Trockenheit trank der Garten den ersten Regen.
Der Garten steht bildlich für den Boden und die Pflanzen. Er besitzt keinen Mund.
Synonyme: andere Wörter für trinken
Beim gewöhnlichen Vorgang
Flüssigkeit aufnehmen · einen Schluck nehmen
Einen Schluck nehmen bezeichnet eine kleine einzelne Menge. Austrinken behauptet, dass etwas vollständig geleert wird; trinken allein enthält diese Grenze nicht.
„Sie trinkt den Tee“ sagt noch nicht dasselbe wie „Sie trinkt den Tee aus“.
Beim Anlass und beim Bild
anstoßen · aufsaugen · in sich aufnehmen
Anstoßen passt zum guten Wunsch, aufsaugen zur dichterischen Flüssigkeitsaufnahme. Diese Alternativen lassen sich nicht auf jede Lesart übertragen.
„Auf die Rückkehr trinken“ kann ein Anstoßen bezeichnen; „Der Boden trinkt den Regen“ ein bildliches Aufsaugen.
Beispiele und Verwendung
Ein Getränk ausdrücklich nennen
Er trinkt heute ausschließlich Wasser.
Das genannte Getränk beseitigt die mögliche Mehrdeutigkeit des bloßen Verbs.
Die Substantivierung erkennen
Zum Essen steht Wasser bereit; das Trinken wird im Bericht nur beiläufig erwähnt.
Nach das ist Trinken ein substantivierter Infinitiv und wird großgeschrieben.
Grammatik und Beugung
Die starken Formen lauten trinkt – trank – hat getrunken. Die Worttrennung ist trin·ken.
Das Perfekt verwendet haben. Der Konjunktiv II lautet tränke, mit Umlaut: ich tränke, wir tränken.
Ein Getränk oder eine Menge kann im Akkusativ stehen: Wasser, einen Schluck trinken. Auf jemanden trinken verwendet auf mit Akkusativ. Die Tabellen zeigen die nichtreflexiven Aktivformen.
| Person | Präsens | Präteritum | Perfekt |
|---|---|---|---|
| ich | ich trinke | ich trank | ich habe getrunken |
| du | du trinkst | du trankst | du hast getrunken |
| er/sie/es | er/sie/es trinkt | er/sie/es trank | er/sie/es hat getrunken |
| wir | wir trinken | wir tranken | wir haben getrunken |
| ihr | ihr trinkt | ihr trankt | ihr habt getrunken |
| sie | sie trinken | sie tranken | sie haben getrunken |
| Person | Plusquamperfekt | Futur I | Futur II |
|---|---|---|---|
| ich | ich hatte getrunken | ich werde trinken | ich werde getrunken haben |
| du | du hattest getrunken | du wirst trinken | du wirst getrunken haben |
| er/sie/es | er/sie/es hatte getrunken | er/sie/es wird trinken | er/sie/es wird getrunken haben |
| wir | wir hatten getrunken | wir werden trinken | wir werden getrunken haben |
| ihr | ihr hattet getrunken | ihr werdet trinken | ihr werdet getrunken haben |
| sie | sie hatten getrunken | sie werden trinken | sie werden getrunken haben |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | ich trinke | ich tränke |
| du | du trinkest | du tränkest |
| er/sie/es | er/sie/es trinke | er/sie/es tränke |
| wir | wir trinken | wir tränken |
| ihr | ihr trinket | ihr tränket |
| sie | sie trinken | sie tränken |
| Anrede | Form |
|---|---|
| du | trink! |
| ihr | trinkt! |
| Sie | trinken Sie! |
Redewendungen und feste Verbindungen
Wasser predigen und Wein trinken
Die Redewendung kritisiert, dass jemand anderen Verzicht oder Bescheidenheit abverlangt, sich selbst aber anders verhält. Die Getränke stehen dabei bildlich für unterschiedliche Maßstäbe.
Der Kommentator wirft dem strengen Sparprediger vor, Wasser zu predigen und Wein zu trinken.
Der Satz formuliert einen Vorwurf der Doppelmoral. Ob er zutrifft, braucht konkrete Hinweise auf Forderung und eigenes Verhalten.
