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umfallen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
umfallen
Worttrennung
um·fal·len
Präsens
fällt um
Präteritum
fiel um
Partizip II
umgefallen
Hilfsverb
sein
Trennbarkeit
trennbar

Übertragener Meinungswechsel wird abwertend beschrieben. Österreichisch kann um etwas umfallen leer ausgehen bedeuten. Die bloße Lageänderung ist vom Verursachen eines Falls zu trennen.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Umfallen heißt, aus einer aufrechten Stellung zur Seite oder zu Boden zu fallen. Bei Menschen kann es auch ein Zusammenbrechen aus Schwäche beschreiben. Übertragen wird damit abwertend das Aufgeben einer bisherigen Haltung bezeichnet. Die starken Formen lauten fällt um, fiel um und ist umgefallen.

Bedeutungen

1 Die aufrechte Stellung verlieren

Ein Gegenstand oder eine Person kann aus einer aufrechten Lage heraus zur Seite fallen. Umfallen nennt den Vorgang, ohne von selbst eine Ursache oder eine handelnde Person anzugeben. Nicht jedes Neigen führt schon zum vollständigen Umfallen.

„Der hohe Stapel schwankt kurz und fällt dann um.“

Der Stapel verliert seine bisherige Lage. Warum er ins Schwanken gekommen ist und ob etwas beschädigt wurde, muss die weitere Beschreibung klären.

2 Aus Schwäche zu Boden gehen

Bei einem Menschen kann umfallen ein Zusammenbrechen bezeichnen. Der Satz kann eine Ohnmacht oder starke Schwäche beschreiben; die genaue Ursache ergibt sich nicht aus diesem einzelnen Verb. Eine bildliche Übertreibung muss von einem berichteten Ereignis unterschieden werden.

„Im Roman fällt die erschöpfte Figur vor der Tür um; erst später wird der Grund erklärt.“

Das Beispiel berichtet den Fall, hält die Ursache aber ausdrücklich offen. Es ist keine medizinische Diagnose. Die Erschöpfung gehört zur erfundenen Szene und nicht zu jedem Gebrauch des Verbs.

3 Eine bisherige Haltung aufgeben

Abwertend kann umfallen bedeuten, dass jemand einen bisher vertretenen Standpunkt aufgibt oder sich einer anderen Position anschließt. Die Wortwahl enthält eine Bewertung des Wechsels. Sie beweist weder Bestechung noch ein fehlendes Recht auf begründetes Umdenken.

„Die Erzählerin behauptet, zwei Mitglieder seien kurz vor der Abstimmung umgefallen.“

Die Bewertung wird ausdrücklich der Erzählerin zugeordnet. Ob die Mitglieder unter Druck nachgaben oder durch neue Gründe überzeugt wurden, bleibt zu prüfen.

4 Österreichisch: um etwas leer ausgehen

In österreichischem Gebrauch kann um etwas umfallen heißen, etwas Erwartetes nicht zu erhalten oder darum gebracht zu werden. Das Wort bezeichnet dann keinen körperlichen Fall. Die Ergänzung mit um nennt das Entgangene.

„Im österreichischen Dialog sagt die Figur, sie sei um die erwartete Belohnung umgefallen.“

Die Belohnung blieb aus. Woraus der Anspruch oder die Erwartung entstanden war, muss der Kontext erklären. Die regionale Verwendung sollte nicht ungekennzeichnet als überall geläufig vorausgesetzt werden.

umfallen: Synonyme und andere Wörter

Umfallen, kippen oder umkippen?

Umkippen kann den eigenen Lagewechsel bezeichnen, aber auch das Verursachen eines solchen Vorgangs. Umfallen bezeichnet dagegen den Fall selbst. Kippen kann außerdem eine bloße Schrägstellung meinen.

„Der Becher ist umgefallen.“ – „Sie hat den Becher umgekippt.“

Der zweite Satz nennt eine Verursacherin. Das ist eine zusätzliche Information und keine bloße Ersetzung desselben Vorgangs.

Bei einem Standpunktwechsel

Seine Haltung ändern ist sachlicher als umfallen. Nachgeben hebt eine Einwirkung hervor und braucht dafür einen entsprechenden Zusammenhang. Einen Irrtum berichtigen kann ein begründeter Wechsel sein, der nicht automatisch die Abwertung verdient.

„Er ist bei der Abstimmung umgefallen.“ – „Er hat seine bisherige Position geändert.“

Die zweite Fassung nimmt die kritische Wertung zurück. Sie erklärt aber noch nicht den Grund für die Änderung.

Beispiele und Verwendung

„Die Vase wäre bei dem Stoß beinahe umgefallen.“

Wäre umgefallen bezeichnet hier eine nicht eingetretene beziehungsweise nur als Möglichkeit betrachtete Folge. Beinahe verhindert die Behauptung, die Vase liege tatsächlich am Boden.

„Ich habe die Kiste bewegt; sie ist dabei umgefallen.“

Der erste Satz nennt eine Handlung, der zweite eine Lageänderung. Umfallen bildet sein Perfekt mit sein, auch wenn jemand durch eine andere Handlung den Anlass gegeben haben kann.

Grammatik und Beugung

Umfallen ist stark und trennbar. Im Präsens haben du fällst um und sie fällt um einen Umlaut; in wir fallen um steht der Grundvokal. Das Präteritum lautet fiel um, der Konjunktiv II fiele um. Das Perfekt wird mit sein gebildet: ist umgefallen. Die Worttrennung lautet um·fal·len; mit zu heißt es umzufallen. Im Nebensatz steht weil sie umfällt. Das Verb nennt den Fall des Subjekts und erhält nicht einfach ein verursachendes Akkusativobjekt wie sie fällt den Becher um. Die österreichische Verbindung um die Belohnung umfallen enthält dagegen um mit Akkusativ als eigene Ergänzung.

umfallen – Indikativ: Gegenwart und Vergangenheit
PersonPräsensPräteritumPerfekt
ichich falle umich fiel umich bin umgefallen
dudu fällst umdu fielst umdu bist umgefallen
er / sie / eser/sie/es fällt umer/sie/es fiel umer/sie/es ist umgefallen
wirwir fallen umwir fielen umwir sind umgefallen
ihrihr fallt umihr fielt umihr seid umgefallen
sie / Siesie fallen umsie fielen umsie sind umgefallen
umfallen – Indikativ: weitere Zeiten
PersonPlusquamperfektFutur IFutur II
ichich war umgefallenich werde umfallenich werde umgefallen sein
dudu warst umgefallendu wirst umfallendu wirst umgefallen sein
er / sie / eser/sie/es war umgefallener/sie/es wird umfallener/sie/es wird umgefallen sein
wirwir waren umgefallenwir werden umfallenwir werden umgefallen sein
ihrihr wart umgefallenihr werdet umfallenihr werdet umgefallen sein
sie / Siesie waren umgefallensie werden umfallensie werden umgefallen sein
umfallen – Konjunktiv I und II
PersonKonjunktiv IKonjunktiv I PerfektKonjunktiv IIKonjunktiv II Vergangenheit
ichich falle umich sei umgefallenich fiele umich wäre umgefallen
dudu fallest umdu seist umgefallen / du seiest umgefallendu fielest umdu wärst umgefallen / du wärest umgefallen
er / sie / eser/sie/es falle umer/sie/es sei umgefallener/sie/es fiele umer/sie/es wäre umgefallen
wirwir fallen umwir seien umgefallenwir fielen umwir wären umgefallen
ihrihr fallet umihr seiet umgefallenihr fielet umihr wärt umgefallen / ihr wäret umgefallen
sie / Siesie fallen umsie seien umgefallensie fielen umsie wären umgefallen
umfallen – Imperativ: Aufforderungsformen
AnredeForm
dufall um! / falle um!
ihrfallt um!
Siefallen Sie um!

Gebräuchliche Verbindungen

Zum Umfallen müde sein

Die umgangssprachliche Verbindung bedeutet, sehr müde zu sein. „Nach dem langen Probentag war Jo zum Umfallen müde.“ Das ist häufig eine Übertreibung und kein Bericht, dass Jo tatsächlich umgefallen ist. Umfallen wird hier als substantivierter Infinitiv großgeschrieben.