Meine Wörter

verschlingen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
verschlingen
Worttrennung
ver·schlin·gen
Präsens
er verschlingt
Präteritum
er verschlang
Partizip II
verschlungen
Perfekt
er hat verschlungen
Hilfsverb
haben
Infinitiv
verschlingen
Trennbarkeit
nicht trennbar

Ergänzungen: jemanden oder etwas (Akkusativ) verschlingen; im Verknüpfungssinn mehrere Stränge miteinander verschlingen

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Verschlingen bedeutet, etwas hastig oder gierig zu essen. Übertragen kann man ein Buch voller Spannung lesen; ein Vorhaben kann große Mittel verschlingen. Davon ist das gleich geschriebene Verb für das Miteinanderverknüpfen von Strängen zu unterscheiden.

Bedeutungen

1 Hastig oder gierig essen

Beim Essen hebt verschlingen hervor, dass Nahrung schnell und in großen Bissen aufgenommen wird. Im Märchen oder bei Tieren kann das Wort auch das vollständige Fressen einer Beute bezeichnen. Die Wortwahl sagt mehr über die Art des Essens als nur über die Menge.

„Vor der Abfahrt verschlingt die Figur ihr Frühstück und schaut dabei auf die Uhr.“

Die Szene verbindet hastiges Essen mit Zeitdruck. Dass die Figur grundsätzlich immer so isst oder besonders großen Hunger hat, muss daraus nicht folgen.

2 Etwas mit großer Aufmerksamkeit aufnehmen

Ein Buch verschlingen heißt bildlich, es gespannt und oft rasch zu lesen. Mit Blicken verschlingen beschreibt ein intensives, begehrliches Betrachten. Es wird nichts tatsächlich gegessen.

„Mira verschlingt den Roman und möchte nach jedem Kapitel sofort weiterlesen.“

Das Beispiel verdeutlicht die gespannte Lektüre. Es beweist nicht, dass sie jedes Detail behalten oder den Text vollständig verstanden hat.

3 Große Mittel verbrauchen oder etwas verschwinden lassen

Wenn ein Vorhaben Geld oder Zeit verschlingt, beansprucht es davon sehr viel. Bei Dunkelheit oder Wasser kann verschlingen bildlich ein völliges Verschwinden aus dem Blick bezeichnen. Die Umgebung gibt vor, welcher Vorgang gemeint ist.

„Die aufwendige Reparatur verschlang einen großen Teil der Ersparnisse.“

Hier wird ein hoher Verbrauch beschrieben. Die genaue Summe und die Frage, ob sich die Reparatur gelohnt hat, sind durch das Verb nicht entschieden.

4 Stränge miteinander verknüpfen

Gleich geschrieben ist verschlingen im Sinn von mehrere Stränge ineinanderlegen oder miteinander verknüpfen. Hier bezeichnet schlingen eine Windung, nicht das Hinunterschlucken. Das Objekt und der Zusammenhang machen den Unterschied erkennbar.

„Die Bastlerin verschlingt die drei Bänder miteinander.“

Die Bänder werden miteinander verbunden. Der Satz behauptet nicht, dass sie gegessen werden; ein bestimmter fertiger Knoten ist ohne weitere Beschreibung ebenfalls nicht festgelegt.

verschlingen: Synonyme und andere Wörter

Verschlingen, essen oder hinunterschlingen?

Essen ist neutraler. Hastig essen erklärt die Art des Vorgangs; schlingen kann ähnlich gebraucht werden. Ein Buch lesen ist weiter als ein Buch verschlingen, weil die bildhafte Begeisterung fehlt.

„Die Figur verschlingt das Brot.“ – „Die Figur isst das Brot hastig.“

Die Umschreibung erhält die Hast und verzichtet auf die stärkere Bildhaftigkeit. „Die Figur isst viel Brot“ würde dagegen eine Menge hinzufügen, die das Verb allein nicht zwingend festlegt.

Beim Verbrauch und beim Verknüpfen

Viel Geld kosten oder verbrauchen passt zur finanziellen Verwendung. Verflechten passt zum Miteinanderverbinden von Strängen. Die Alternativen gehören zu verschiedenen Bedeutungen.

„Die Reparatur verschlang viel Geld.“ – „Die Reparatur kostete viel Geld.“

Der zweite Satz ist sachlicher. „Die Reparatur verflocht viel Geld“ wäre kein entsprechender Ersatz, obwohl verflechten bei Bändern passen kann.

Beispiele und Verwendung

„Sie verschlingt den Abenteuerroman, liest den Sachtext daneben aber langsam.“

Die unterschiedlichen Verben beschreiben zwei Arten der Lektüre. Die Aufmerksamkeit beim langsamen Lesen wird dadurch nicht automatisch als geringer bewertet.

„In der Bildbeschreibung wird der kleine Kahn von der Dunkelheit verschlungen.“

Die Formulierung schildert bildlich, dass der Kahn nicht mehr sichtbar ist. Ein tatsächlicher Untergang wird damit nicht sicher behauptet.

„Die farbigen Fäden sind kunstvoll miteinander verschlungen.“

Das ist die Verknüpfungsbedeutung. Die Form sind verschlungen beschreibt hier einen Zustand; hat verschlungen würde eine vorausgehende Handlung berichten.

Grammatik und Beugung

Verschlingen ist stark und nicht trennbar: verschlingt – verschlang – hat verschlungen. Das Hilfsverb ist haben, der Konjunktiv II lautet verschlänge. Die Worttrennung heißt ver·schlin·gen. Bei beiden hier unterschiedenen Verben stehen dieselben Stammformen. Das aufgenommene oder miteinander verknüpfte Objekt steht im Akkusativ. Die Tabelle zeigt die aktiven Verbformen; ergänzende Wörter wie miteinander und mit Blicken gehören zur jeweiligen Konstruktion.

verschlingen – Indikativ: Gegenwart und Vergangenheit
PersonPräsensPräteritumPerfekt
ichich verschlingeich verschlangich habe verschlungen
dudu verschlingstdu verschlangstdu hast verschlungen
er / sie / eser/sie/es verschlingter/sie/es verschlanger/sie/es hat verschlungen
wirwir verschlingenwir verschlangenwir haben verschlungen
ihrihr verschlingtihr verschlangtihr habt verschlungen
sie / Siesie verschlingensie verschlangensie haben verschlungen
verschlingen – Indikativ: weitere Zeiten
PersonPlusquamperfektFutur IFutur II
ichich hatte verschlungenich werde verschlingenich werde verschlungen haben
dudu hattest verschlungendu wirst verschlingendu wirst verschlungen haben
er / sie / eser/sie/es hatte verschlungener/sie/es wird verschlingener/sie/es wird verschlungen haben
wirwir hatten verschlungenwir werden verschlingenwir werden verschlungen haben
ihrihr hattet verschlungenihr werdet verschlingenihr werdet verschlungen haben
sie / Siesie hatten verschlungensie werden verschlingensie werden verschlungen haben
verschlingen – Konjunktiv I und II
PersonKonjunktiv IKonjunktiv I PerfektKonjunktiv IIKonjunktiv II Vergangenheit
ichich verschlingeich habe verschlungenich verschlängeich hätte verschlungen
dudu verschlingestdu habest verschlungendu verschlängest / du verschlängstdu hättest verschlungen
er / sie / eser/sie/es verschlingeer/sie/es habe verschlungener/sie/es verschlängeer/sie/es hätte verschlungen
wirwir verschlingenwir haben verschlungenwir verschlängenwir hätten verschlungen
ihrihr verschlingetihr habet verschlungenihr verschlänget / ihr verschlängtihr hättet verschlungen
sie / Siesie verschlingensie haben verschlungensie verschlängensie hätten verschlungen
verschlingen – Imperativ: Aufforderungsformen
AnredeForm
duverschlinge! / verschling!
ihrverschlingt!
Sieverschlingen Sie!

Gebräuchliche Verbindungen

Jemanden mit Blicken verschlingen

Die Verbindung beschreibt ein sehr intensives, oft begehrliches Anschauen. „Die Romanfigur verschlingt den Neuankömmling mit Blicken.“ Das Bild erzählt zunächst von ihrem Blick. Ob die betrachtete Person diese Aufmerksamkeit bemerkt oder erwidert, bleibt offen.