wahrnehmen

Wahrnehmen bedeutet, etwas mit den Sinnen oder bewusst zu erfassen. Daneben kann es heißen, eine Gelegenheit zu nutzen, einen Termin einzuhalten oder Interessen zu vertreten.

Bedeutung und Verwendung

Wer ein Geräusch wahrnimmt, hört es oder wird sich seiner bewusst. Wer eine Veränderung wahrnimmt, bemerkt sie. Das Wort betont zunächst das Erfassen, nicht bereits die Erklärung: Eine Person kann etwas wahrnehmen und die Ursache trotzdem falsch einschätzen.

Andere Ergänzungen führen zu anderen Bedeutungen. Eine Chance wahrnehmen heißt sie nutzen; einen Termin wahrnehmen heißt daran teilnehmen. Wer Interessen wahrnimmt, setzt sich für sie ein. „Wahr“ im Wort ist deshalb keine Garantie, dass eine Wahrnehmung objektiv richtig ist.

Grammatik: die wichtigen Formen

Präsens von wahrnehmen
PersonForm
ichnehme wahr
dunimmst wahr
er / sie / esnimmt wahr
wirnehmen wahr
ihrnehmt wahr
sie / Sienehmen wahr
Weitere Formen von wahrnehmen
FormBeispiel
Präteritumich nahm wahr
Perfektich habe wahrgenommen
Infinitiv mit zuwahrzunehmen
ImperativNimm wahr! / Nehmt wahr!

Das starke Verb ist trennbar: „Sie nimmt den Unterschied wahr.“ Im Nebensatz steht es zusammen: „weil sie den Unterschied wahrnimmt“. Beim Infinitiv mit zu wird zu eingeschoben: wahrzunehmen.

Was wahrgenommen wird, steht gewöhnlich im Akkusativ: einen Geruch, den Termin, eine Möglichkeit. In „Sie nimmt ihn als zuverlässig wahr“ ergänzt als zuverlässig, welchen Eindruck er auf sie macht.

Eigene Beispielsätze erklärt

Die folgenden Beispiele sind eigens für diese Erklärung formuliert.

Mira nimmt ein leises Klopfen an der Tür wahr.

Das Geräusch wird sinnlich erfasst. Der Satz erklärt noch nicht, wer klopft.

Leider kann ich den vereinbarten Termin nicht wahrnehmen.

Hier bedeutet das Verb teilnehmen, nicht hören oder sehen.

Der Erzähler nimmt die Stadt als bedrohlich wahr.

Die Aussage beschreibt seine Perspektive. Sie erklärt nicht die Bedrohlichkeit zu einer objektiven Eigenschaft der Stadt.

Wortwahl und typische Verwechslungen

Bemerken passt zur Wahrnehmung einer Veränderung, aber nicht zu jeder Lesart: Einen Termin „bemerken“ heißt nicht, ihn wahrzunehmen. Beobachten bezeichnet oft ein gezielteres oder längeres Hinsehen.

Bei einer Charakterisierung hilft die Unterscheidung zwischen Wahrnehmung und Deutung: Erst wird eine Handlung beschrieben, dann begründet, was sie über die Figur vermuten lässt.

Das hilft beim Schreiben

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