Meine Wörter

wandeln

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
wandeln
Worttrennung
wan·deln
Präsens
wandelt; ich wandele oder wandle
Präteritum
wandelte
Partizip II
gewandelt
Hilfsverb
haben beim Verändern und beim biblischen Lebenswandel; sein beim langsamen Gehen
Trennbarkeit
nicht trennbar

gehoben; der gemessene Gang kann auch scherzhaft so bezeichnet werden.

Einen Kauf- oder Werkvertrag wandeln: rechtssprachliche Bedeutung.

Einen Lebenswandel führen: biblischer Gebrauch.

Reflexiver Gebrauch: auch reflexiv: sich wandeln, sich in etwas wandeln; die Veränderung betrifft dabei das Subjekt selbst

Ergänzungen: etwas wandeln; sich wandeln; sich in etwas wandeln; an einem Ort wandeln; einen Vertrag wandeln

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Wandeln kann gehoben eine Veränderung bezeichnen: Etwas wandelt sich oder wird gewandelt. Mit sein heißt es auch, langsam und gemessen zu gehen. In der Rechtssprache und in biblischer Sprache hat das Verb besondere Verwendungen.

Bedeutungen

Sich verändern

Sich wandeln beschreibt eine Veränderung der Gestalt, des Charakters oder der Verhältnisse. Häufig wird eine deutlich erkennbare Entwicklung hervorgehoben. Die Veränderung muss keine Verbesserung sein.

„Mit jedem neuen Pflanzbeet hat sich der graue Innenhof ein Stück weiter in einen gemeinschaftlichen Garten gewandelt.“

Der Satz beschreibt die Entwicklung des Ortes. Ein einzelner plötzlich abgeschlossener Umbau wird nicht behauptet; die Beete machen den Verlauf konkret.

Etwas verändern oder verwandeln

Mit einem Objekt bezeichnet wandeln das Verändern von etwas anderem. Der gehobene Ausdruck kann eine weitreichende Umgestaltung oder eine erzählte Verwandlung hervorheben.

„In der Fantasieerzählung wandelt die Melodie den stummen Stein in eine sprechende Figur.“

Die Verwandlung gehört zur erfundenen Welt. Das Beispiel behauptet keine tatsächliche physikalische Wirkung von Musik auf Stein.

Langsam und gemessen gehen

Wandeln kann gehoben ein ruhiges, gemessenes Gehen beschreiben. Der Ausdruck passt zu einer feierlichen oder bewusst gesetzten Erzählweise und kann bei einer alltäglichen Szene auch scherzhaft wirken. Das Perfekt hat sein.

„Nach dem Schließen der Ausstellung ist der Erzähler noch eine Weile zwischen den verhüllten Skulpturen gewandelt.“

Die Wortwahl lenkt den Blick auf die gemessene Bewegung. Sie nennt keinen eiligen Weg zu einem bestimmten Ziel und keine Veränderung der Skulpturen.

Rechtssprachlich: einen Vertrag rückgängig machen

In der Rechtssprache kann wandeln das Rückgängigmachen eines Kauf- oder Werkvertrags durch einseitige Erklärung bezeichnen. Welche Voraussetzungen und Folgen ein konkreter Fall hat, erklärt das Wort allein nicht.

„Im historischen Roman schreibt die Bestellerin, sie wolle den Werkvertrag wegen der unbrauchbaren Kulisse wandeln.“

Der Brief nennt ihre erklärte Absicht. Ob ihr dieses Recht zusteht und was anschließend geschieht, müsste die Handlung oder der rechtliche Zusammenhang eigens klären.

Biblisch: einen Lebenswandel führen

In biblischer Sprache kann wandeln die Art bezeichnen, wie jemand sein Leben führt. Eine Ergänzung nennt dabei die vorgestellte Haltung oder Ausrichtung. Ein tatsächlicher Spaziergang ist nicht erforderlich.

„Die erfundene Predigt fordert die Gemeinschaft auf, in Geduld und gegenseitiger Rücksicht zu wandeln.“

Gemeint ist eine entsprechende Lebensführung. Der Satz ist ein eigenes Sprachbeispiel und kein Zitat aus einem religiösen Text.

Synonyme: andere Wörter für wandeln

Wandeln oder ändern?

sich ändern · verändern · verwandeln

Ändern ist im Alltag unmittelbarer. Wandeln klingt häufig gehobener und kann eine Entwicklung der ganzen Gestalt oder Beschaffenheit betonen. Verwandeln stellt oft ein deutlich anderes Ergebnis heraus. Keines der Wörter legt allein fest, dass alles besser wird.

„Der Innenhof hat sich gewandelt.“ → „Der Innenhof hat sich verändert.“

Die zweite Fassung ist neutraler. Das konkrete Ergebnis muss in beiden Fällen aus dem weiteren Satz hervorgehen.

Beim Gang die Wortwahl beachten

gemessen gehen · langsam umhergehen

Gehen bezeichnet die Bewegung allgemein. Gemessen gehen erklärt den gehobenen Ganggebrauch von wandeln. Umhergehen passt nur, wenn die Bewegung tatsächlich ohne einzelnes Ziel im Bereich bleibt.

„Sie ist zwischen den Skulpturen gewandelt.“ → „Sie ist langsam und gemessen zwischen den Skulpturen gegangen.“

Die Umschreibung erläutert die Gangart. „Die Skulpturen haben sich gewandelt“ wäre eine Veränderung und damit eine andere Bedeutung.

Beispiele und Verwendung

Das Hilfsverb zeigt den Zusammenhang

„Der Ort hat sich gewandelt; die Besucherin ist durch den stillen Saal gewandelt.“

Haben gehört hier zur reflexiven Veränderung. Sein gehört zum Gehen. Die zwei Sätze werden nicht durch einen bloßen Austausch des Hilfsverbs bedeutungsgleich.

Eine Veränderung bewerten

„Der Ton der Debatte hat sich gewandelt, doch die Erzählerin empfindet ihn nun als kälter.“

Der Zusatz erklärt die Richtung ihrer Bewertung. Wandeln allein enthält kein Lob und verspricht keine Verbesserung.

Grammatik und Beugung

Die schwachen Formen lauten wandelt – wandelte – gewandelt. In der ersten Person sind ich wandele und ich wandle möglich. Die Haupttabellen wählen die vollständig ausgeschriebene Form wandele und zeigen die nichtreflexive haben-Reihe. Bei der Veränderung des Subjekts kommt das Reflexivpronomen hinzu: der Ort hat sich gewandelt. Beim gemessenen Gehen steht sein: sie ist dort gewandelt; die Zusatztafel ist auf diesen Gebrauch begrenzt. Das Verb ist nicht trennbar; der zu-Infinitiv heißt zu wandeln. Im Konjunktiv I sind du wandelst und ihr wandelt gültige Formen, auch wenn sie wie der Indikativ aussehen.

Die Worttrennung lautet wan·deln.

Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichich wandeleich wandelte
dudu wandelstdu wandeltest
er/sie/eser/sie/es wandelter/sie/es wandelte
wirwir wandelnwir wandelten
ihrihr wandeltihr wandeltet
siesie wandelnsie wandelten
Perfekt und Plusquamperfekt
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichich habe gewandeltich hatte gewandelt
dudu hast gewandeltdu hattest gewandelt
er/sie/eser/sie/es hat gewandelter/sie/es hatte gewandelt
wirwir haben gewandeltwir hatten gewandelt
ihrihr habt gewandeltihr hattet gewandelt
siesie haben gewandeltsie hatten gewandelt
Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichich werde wandelnich werde gewandelt haben
dudu wirst wandelndu wirst gewandelt haben
er/sie/eser/sie/es wird wandelner/sie/es wird gewandelt haben
wirwir werden wandelnwir werden gewandelt haben
ihrihr werdet wandelnihr werdet gewandelt haben
siesie werden wandelnsie werden gewandelt haben
Konjunktiv I und Konjunktiv II
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichich wandeleich wandelte
dudu wandelstdu wandeltest
er/sie/eser/sie/es wandeleer/sie/es wandelte
wirwir wandelnwir wandelten
ihrihr wandeltihr wandeltet
siesie wandelnsie wandelten
Imperativ
FormVollständige Wortform
duwandele!
ihrwandelt!
Siewandeln Sie!
Infinite Formen
FormVollständige Wortform
Infinitivwandeln
Infinitiv Perfektgewandelt haben
zu-Infinitivzu wandeln
zu-Infinitiv Perfektgewandelt zu haben
Partizip Iwandelnd
Partizip IIgewandelt
Gemessenes Gehen: zusätzliche Formen mit sein
PersonPerfektPlusquamperfektFutur II
ichbin gewandeltwar gewandeltwerde gewandelt sein
dubist gewandeltwarst gewandeltwirst gewandelt sein
er/sie/esist gewandeltwar gewandeltwird gewandelt sein
wirsind gewandeltwaren gewandeltwerden gewandelt sein
ihrseid gewandeltwart gewandeltwerdet gewandelt sein
siesind gewandeltwaren gewandeltwerden gewandelt sein

Was bedeutet „ein wandelndes …“?

Das Muster ein wandelnder, eine wandelnde, ein wandelndes … stellt scherzhaft eine Person als Verkörperung von etwas dar. Es ist eine bildliche Beschreibung und sagt nicht, dass die Person gerade geht.

„Die Kolleginnen nennen die Requisiteurin ein wandelndes Lexikon, weil sie zu jedem alten Bühnenstück sofort eine Erklärung kennt.“

Der Vergleich hebt ihr umfangreiches Wissen hervor. Er behauptet keine lückenlose Kenntnis jedes denkbaren Themas.