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allwissend

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
allwissend
Worttrennung
all·wis·send

Im wörtlichen Sinn ist allwissend keine gewöhnlich steigerbare Eigenschaft: Über alles hinaus gibt es nicht noch mehr zu wissen. Für Abstufungen passt kenntnisreicher oder besser informiert. Ironische Steigerungen können in besonderen Texten auftreten, bilden aber keine sachliche Wissensskala.

Formen und Verwendung im Detail

Allwissend: Alles wissend; in Erzählungen auch: über das Wissen einzelner Figuren hinaus über Gedanken und Zusammenhänge informiert.

Wissen ohne Beschränkung

Allwissend bedeutet wörtlich, dass jemand alles weiß. Das Wort kann in religiösen Vorstellungen eine göttliche Eigenschaft beschreiben. Im Alltag tritt es auch scherzhaft, übertreibend oder abwehrend auf: „Ich bin nicht allwissend“ erklärt, dass das eigene Wissen Grenzen hat.

Daneben ist der allwissende Erzähler ein geläufiger Ausdruck bei der Untersuchung erzählender Texte. Er kann über Zusammenhänge berichten, die einzelnen Figuren verborgen bleiben, und Zugang zu verschiedenen Gedanken oder Zeiten besitzen. Dabei ist der Erzähler eine Instanz des Textes und nicht einfach mit der realen Autorin oder dem realen Autor gleichzusetzen.

Eine Deutung muss am konkreten Text zeigen, woran sich das überlegene Wissen erkennen lässt. Die Erzählung in der dritten Person allein beweist keine Allwissenheit. Auch muss ein Erzähler nicht alles mitteilen, was ihm innerhalb der erzählten Welt zugänglich ist.

Eigene Beispiele erklärt

  • „Die Kinder hielten ihre Großmutter für allwissend.“ Der Satz kennzeichnet eine Sichtweise der Kinder. Dass die Großmutter tatsächlich alles wisse, wird nicht als überprüfte Tatsache behauptet.
  • „Niemand im Team ist allwissend; deshalb prüfen wir die Angaben gemeinsam.“ Die Formulierung erkennt Wissensgrenzen an und begründet daraus einen Arbeitsablauf.
  • „Der allwissende Erzähler verrät bereits, woran die Figur morgen scheitern wird.“ Ein Wissensvorsprung wird an einer konkreten Erzählleistung festgemacht: dem Ausblick auf die Zukunft.

Allwissend, kenntnisreich und besserwisserisch

kenntnisreich
Beschreibt umfangreiches Wissen, oft auf einem bestimmten Gebiet. Das ist eine begrenztere und bei realen Personen meist passendere Aussage.
besserwisserisch
Bewertet ein Auftreten, bei dem jemand anderen überlegenes Wissen vorführt oder beansprucht. Ob dieses Wissen tatsächlich vorhanden ist, bleibt eine andere Frage.
allmächtig
Bezieht sich auf Macht und Handlungsmöglichkeiten. Wissen und Eingreifen sind nicht dasselbe; ein Erzähler kann ein Geschehen kennen, ohne als handelnde Figur einzugreifen.
auktorialer Erzähler
Der Grundlagenartikel erläutert das Erzählen mit Überblick, Kommentaren und Wissensvorsprüngen genauer. Beim Analysieren sollten solche Merkmale am Text benannt werden, statt nur ein Etikett zu vergeben.

Typische Verbindungen lauten ein allwissender Erzähler, eine allwissende Instanz, allwissend erscheinen und sich allwissend geben. Die letzten beiden Formulierungen markieren einen Eindruck oder eine Selbstdarstellung, keine feststehende unbegrenzte Kenntnis.

Grammatik und Schreibweise

Wortart: Adjektiv. Allwissend wird als ein Wort geschrieben, mit ll, ss und abschließendem d. Die Endung folgt dem Nomen: ein allwissender Erzähler, die Bemerkung eines allwissenden Erzählers. Ohne folgendes Nomen kann eine Substantivierung entstehen: der Allwissende.

Steigerung

Im wörtlichen Sinn ist allwissend keine gewöhnlich steigerbare Eigenschaft: Über alles hinaus gibt es nicht noch mehr zu wissen. Für Abstufungen passt kenntnisreicher oder besser informiert. Ironische Steigerungen können in besonderen Texten auftreten, bilden aber keine sachliche Wissensskala.

Beugung vor einem Nomen

Die Tabellen zeigen die Formen des hier erklärten Adjektivs. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl des Nomens. Die Pluralspalte gilt für alle grammatischen Geschlechter. Bei der gemischten Beugung steht im Plural etwa keine oder meine; ein hat keinen Plural.

BeugungstabellenDie Formen nach Fall, Geschlecht und Artikel vergleichen.
allwissend: Starke Beugung – ohne Artikel
FallMaskulinum · SingularFemininum · SingularNeutrum · SingularPlural · alle Genera
Nominativallwissenderallwissendeallwissendesallwissende
Genitivallwissendenallwissenderallwissendenallwissender
Dativallwissendemallwissenderallwissendemallwissenden
Akkusativallwissendenallwissendeallwissendesallwissende
allwissend: Schwache Beugung – nach der, die, das
FallMaskulinum · SingularFemininum · SingularNeutrum · SingularPlural · alle Genera
Nominativallwissendeallwissendeallwissendeallwissenden
Genitivallwissendenallwissendenallwissendenallwissenden
Dativallwissendenallwissendenallwissendenallwissenden
Akkusativallwissendenallwissendeallwissendeallwissenden
allwissend: Gemischte Beugung – nach ein/eine; Plural nach keine
FallMaskulinum · SingularFemininum · SingularNeutrum · SingularPlural · alle Genera
Nominativallwissenderallwissendeallwissendesallwissenden
Genitivallwissendenallwissendenallwissendenallwissenden
Dativallwissendenallwissendenallwissendenallwissenden
Akkusativallwissendenallwissendeallwissendesallwissenden

Erzählerwissen am Beispiel untersuchen

Eigener erfundener Text: Die folgende Passage wurde ausschließlich für diese Erklärung geschrieben.

Lea glaubte, der Brief sei verloren. Im Zimmer nebenan versteckte Tom ihn hinter einem Buch und hoffte, niemand werde danach fragen. Beide ahnten nicht, dass der Brief am nächsten Morgen beim Aufräumen gefunden werden würde.

Beobachtung: Erzählt werden Leas Annahme, Toms Absicht und ein zukünftiger Fund. Keine der beiden Figuren verfügt zu diesem Zeitpunkt über alle diese Informationen.

Mögliche Analyse: Die Erzählinstanz besitzt hier einen Wissensvorsprung gegenüber beiden Figuren. Sie kann unterschiedliche Innenperspektiven und einen Zukunftsausblick verbinden. Diese Beobachtungen stützen die Beschreibung als allwissendes Erzählen an dieser Stelle.

Grenze: Ein kurzer Ausschnitt erlaubt noch kein vollständiges Urteil über sämtliche Erzählverfahren eines ganzen Romans. Für eine umfassendere Einordnung sollte geprüft werden, ob der weitere Text diese Art des Wissens bestätigt oder gezielt verändert.

Weitere Wörter zum Beschreiben, Vergleichen und Auswählen findest du in der Adjektivliste.