angetan
Angetan beschreibt in der Verbindung von jemandem oder etwas angetan sein einen positiven Eindruck: Etwas gefällt oder spricht an. Daneben kann dazu angetan geeignet bedeuten; in älterer, gehobener Sprache heißt mit etwas angetan auch damit bekleidet.
Bedeutung und wichtige Unterschiede
Von etwas einen guten Eindruck haben
Wer von einer Idee angetan ist, findet sie ansprechend oder überzeugend. Das Wort kann ein zurückhaltendes Lob ausdrücken, lässt aber auch eine deutlichere Zustimmung zu: sehr angetan. Es besagt nicht automatisch, dass alle Einzelheiten geprüft sind oder eine endgültige Entscheidung gefallen ist. Besonders bei Vorschlägen bleiben erster Eindruck und tatsächliche Annahme zwei verschiedene Dinge.
Dazu angetan: für eine Wirkung geeignet
Die Wendung ‚Das ist dazu angetan, Zweifel zu wecken‘ beschreibt eine Eignung oder wahrscheinliche Wirkung. Sie enthält kein Lob. Ein widersprüchlicher Bericht kann gerade dazu angetan sein, Vertrauen zu schwächen. Wichtig ist die Ergänzung: Wozu eignet sich etwas beziehungsweise welche Folge kann es haben? Ohne sie bleibt diese Verwendung meist unvollständig.
Bekleidet sein und jemandem etwas antun
In älteren oder bewusst gehobenen Texten kann eine mit einem Mantel angetane Figur schlicht einen Mantel tragen. Davon nochmals verschieden ist das Partizip in ‚Sie hat ihm Unrecht angetan‘. Hier gehört angetan zum Verb antun und bezeichnet eine zugefügte Handlung. Die positive Lesart lässt sich deshalb nicht auf jede Stelle übertragen, an der dieselben Buchstaben stehen.
Beispiele und Verwendung
Die folgenden Sätze sind eigene Sprachbeispiele.
„Mira ist von dem Entwurf angetan, möchte aber die Kosten noch prüfen.“
So ist es gemeint: Der positive Eindruck schließt offene Fragen nicht aus. Gefallen und endgültige Zustimmung werden getrennt.
„Der unklare Zeitplan ist dazu angetan, Missverständnisse auszulösen.“
So ist es gemeint: Die Wendung beschreibt eine mögliche unerwünschte Wirkung, keine Begeisterung für den Zeitplan.
„Mit einem langen Mantel angetan, betritt die Figur den Hof.“
So ist es gemeint: Die Formulierung beschreibt Kleidung und erzeugt einen gehobenen, leicht altertümlichen Ton.
Typische Wortverbindungen
Von einer Idee, einem Ergebnis oder einer Person angetan sein; sehr angetan wirken; dazu angetan sein, etwas zu fördern oder auszulösen. Die Wendung ‚Das Bild hat es ihr angetan‘ sagt ebenfalls, dass sie daran besonderen Gefallen findet. Bei der Wortwahl zählt daher der ganze Satz, nicht nur das Einzelwort.
Ähnliche Wörter und Gegenbegriffe
| Wort oder Ausdruck | Unterschied und Verwendung |
|---|---|
| begeistert | Drückt meist eine stärkere, lebhaftere positive Anteilnahme aus. Angetan kann ein bewusst zurückhaltendes Lob bleiben. |
| zufrieden | Betont erfüllte Erwartungen. Man kann mit einer brauchbaren Lösung zufrieden sein, ohne von ihr besonders angetan zu sein. |
| geeignet | Passt zur Verbindung dazu angetan. Der Ausdruck bewertet die Eignung für einen Zweck und nicht unbedingt das persönliche Gefallen. |
| bekleidet | Ersetzt die ältere Verwendung mit einem Mantel angetan. Diese Bedeutung hat nichts mit Zustimmung zu tun. |
Grammatik und richtige Schreibung
Angetan ist das Partizip II von antun und wird in den beschriebenen Verbindungen auch adjektivisch verwendet. Nach von steht der Dativ: ‚von dem Vorschlag angetan‘. Ebenso heißt es ‚mit einem Mantel angetan‘. Vor einem Nomen wird gebeugt: ‚eine von der Idee angetane Leserin‘. Die Tabellen gelten für solchen adjektivischen Gebrauch; im Perfekt ‚sie hat ihm etwas angetan‘ bleibt das Partizip unverändert.
Steigerung: Beim Gefallen sind Vergleiche mit mehr oder weniger besonders verständlich: ‚Vom zweiten Vorschlag ist sie noch mehr angetan.‘ Bei der Eignung ist ‚besser geeignet‘ klarer. Die bloße Kleidungsaussage mit einem Mantel angetan erhält keine sinnvolle Steigerung.
| Fall | Maskulinum Singular | Femininum Singular | Neutrum Singular | Plural alle Geschlechter |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | angetaner | angetane | angetanes | angetane |
| Genitiv | angetanen | angetaner | angetanen | angetaner |
| Dativ | angetanem | angetaner | angetanem | angetanen |
| Akkusativ | angetanen | angetane | angetanes | angetane |
| Fall | Maskulinum Singular | Femininum Singular | Neutrum Singular | Plural alle Geschlechter |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | angetane | angetane | angetane | angetanen |
| Genitiv | angetanen | angetanen | angetanen | angetanen |
| Dativ | angetanen | angetanen | angetanen | angetanen |
| Akkusativ | angetanen | angetane | angetane | angetanen |
| Fall | Maskulinum Singular | Femininum Singular | Neutrum Singular | Plural alle Geschlechter |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | angetaner | angetane | angetanes | angetanen |
| Genitiv | angetanen | angetanen | angetanen | angetanen |
| Dativ | angetanen | angetanen | angetanen | angetanen |
| Akkusativ | angetanen | angetane | angetanes | angetanen |
Die Tabellen zeigen die Adjektivformen vor einem Nomen. Ein unbestimmter Artikel wie ein hat keinen Plural; die Pluralspalte der gemischten Beugung gilt etwa nach keine oder meine. Ohne Artikel gelten dort die starken Formen. Das Nomen erhält gegebenenfalls zusätzlich seine eigene Fallendung.
Zustimmung zeigen, ohne Begeisterung zu erfinden
Eigene, erfundene Situation: In einer erfundenen Geschichte betrachtet Lene ein Modell für den neuen Vereinsraum. Sie lobt die hellen Arbeitsplätze, fragt aber nach dem Platz für größere Gruppen.
Beobachtung und Wortwahl: Das ausdrückliche Lob stützt einen positiven Eindruck. Ihre Nachfrage zeigt zugleich, dass sie den Entwurf nicht vorbehaltlos übernimmt und einzelne Anforderungen weiter prüft.
Lene ist von der Gestaltung des Modells angetan. Besonders die hellen Arbeitsplätze hebt sie lobend hervor. Dennoch lässt sie sich von diesem Eindruck nicht zu einer sofortigen Zustimmung bewegen: Mit ihrer Frage nach größeren Gruppen prüft sie einen bislang offenen Nutzungsfall. Ihr Verhalten verbindet Aufgeschlossenheit mit einer sachlichen Prüfung des Vorschlags.
Warum das funktioniert: Der Absatz nennt den konkreten Anlass des Gefallens und berücksichtigt den Vorbehalt. Damit entsteht eine nachvollziehbare Charakterisierung, die weder überschwängliche Begeisterung noch pauschale Ablehnung behauptet.
Grenze der Aussage: Aus dieser Szene folgt nicht, dass Lene in allen Lebensbereichen sorgfältig entscheidet. Auch die Zustimmung zum gesamten Projekt ist noch offen. Das Beispiel beschreibt erfundene Handlungen und ersetzt keine Belege aus einem wirklichen Text.
Kurz geprüft
Ist ‚Das ist dazu angetan, Streit auszulösen‘ ein Lob?
Antwort und Erklärung
Nein. Hier bedeutet angetan geeignet beziehungsweise von einer entsprechenden Wirkung. Die Verbindung sagt, dass etwas Streit begünstigen kann. Erst von etwas angetan sein drückt im üblichen Gebrauch persönliches Gefallen aus.
Weitere Wörter für deinen Text findest du in der Adjektivliste mit Wortauswahl und Vergleichen. Die Grundregeln erklärt der Beitrag Adjektive: Verwendung, Beugung und Steigerung.
