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anmaßend

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
anmaßend
Worttrennung
an·ma·ßend
Komparativ
anmaßender
Superlativ
am anmaßendsten

Formen und Verwendung im Detail

Anmaßend beschreibt ein überhebliches Auftreten, bei dem jemand mehr Einfluss, Wissen oder Befugnis für sich beansprucht, als ihm nach dem Urteil der Beurteilenden zusteht. Das Wort enthält eine deutliche Kritik und ist nicht gleichbedeutend mit selbstbewusst.

Bedeutung und wichtige Unterschiede

Einen unbegründeten Anspruch erheben

Anmaßend kann ein Ton, eine Forderung oder ein Verhalten wirken. Jemand entscheidet etwa ungefragt für andere oder beansprucht alleinige Deutungshoheit, ohne die nötige Grundlage zu besitzen. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Anspruch und Berechtigung. Lautstärke allein genügt nicht: Auch eine leise, höflich formulierte Äußerung kann einen überheblichen Anspruch enthalten.

Die Bewertung prüfen

Der Vorwurf kann berechtigt sein, aber auch dazu dienen, unerwünschte Kritik abzuwehren. Deshalb ist in einer Analyse zu fragen, wer wen anmaßend nennt und warum. Eine Person wird nicht automatisch anmaßend, weil sie einer Autorität widerspricht oder ihre eigenen Interessen deutlich vertritt. Die konkrete Handlung muss die Bewertung tragen.

Beispiele und Verwendung

Die folgenden Sätze sind eigene Sprachbeispiele.

„Ohne Rücksprache bestimmt er, welche Aufgaben alle anderen übernehmen müssen; das wirkt anmaßend.“

So ist es gemeint: Der Anspruch auf Entscheidung wird durch keine im Beispiel genannte Zuständigkeit gedeckt.

„Sie bezeichnet seine Frage als anmaßend, obwohl er nur um eine Begründung bittet.“

So ist es gemeint: Der Satz macht eine möglicherweise unangemessene Zuschreibung sichtbar.

„Ihr anmaßender Ton zeigt sich in der Behauptung, niemand sonst könne den Text verstehen.“

So ist es gemeint: Die Herabsetzung anderer begründet den Eindruck stärker als eine bloße Lautstärkeangabe.

Typische Wortverbindungen

Anmaßend auftreten, eine anmaßende Forderung, ein anmaßender Ton, etwas anmaßend finden. Eine präzise Formulierung benennt den beanspruchten Vorrang und erklärt, warum er als unberechtigt erscheint.

Ähnliche Wörter und Gegenbegriffe

Die passende Wortwahl hängt von der Bedeutung ab
Wort oder AusdruckUnterschied und Verwendung
arrogantLiegt sehr nahe und betont das Auftreten vermeintlicher Überlegenheit.
überheblichHebt das Sich-über-andere-Stellen hervor. Anmaßend kann besonders den Anspruch auf fremde Entscheidungen oder Urteile herausstellen.
ehrgeizigBeschreibt das Streben nach anspruchsvollen Zielen. Daraus folgt keine unberechtigte Überordnung über andere.
berechtigtIst beim Anspruch ein möglicher Gegensatz. Eine begründete Forderung kann entschieden vertreten werden, ohne anmaßend zu sein.

Grammatik und richtige Schreibung

Anmaßend ist ein Adjektiv und entspricht dem Partizip I von sich anmaßen. Es wird mit ß nach dem langen a und einem abschließenden d geschrieben. Vor Nomen stehen Formen wie ‚ein anmaßender Ton‘. Zum Verb heißt es: ‚Er maßt sich ein Urteil an.‘

Steigerung: Anmaßend – anmaßender – am anmaßendsten. Die Vergleichsformen steigern eine wertende Einschätzung. Für einen nachvollziehbaren Vergleich sollte gezeigt werden, worin der stärkere unberechtigte Anspruch besteht.

BeugungstabellenDie Formen nach Fall, Geschlecht und Artikel vergleichen.
anmaßend – Starke Beugung: ohne Artikel
FallMaskulinum
Singular
Femininum
Singular
Neutrum
Singular
Plural
alle Geschlechter
Nominativanmaßenderanmaßendeanmaßendesanmaßende
Genitivanmaßendenanmaßenderanmaßendenanmaßender
Dativanmaßendemanmaßenderanmaßendemanmaßenden
Akkusativanmaßendenanmaßendeanmaßendesanmaßende
anmaßend – Schwache Beugung: nach der, die, das
FallMaskulinum
Singular
Femininum
Singular
Neutrum
Singular
Plural
alle Geschlechter
Nominativanmaßendeanmaßendeanmaßendeanmaßenden
Genitivanmaßendenanmaßendenanmaßendenanmaßenden
Dativanmaßendenanmaßendenanmaßendenanmaßenden
Akkusativanmaßendenanmaßendeanmaßendeanmaßenden
anmaßend – Gemischte Beugung: nach ein, kein oder einem Possessivwort
FallMaskulinum
Singular
Femininum
Singular
Neutrum
Singular
Plural
alle Geschlechter
Nominativanmaßenderanmaßendeanmaßendesanmaßenden
Genitivanmaßendenanmaßendenanmaßendenanmaßenden
Dativanmaßendenanmaßendenanmaßendenanmaßenden
Akkusativanmaßendenanmaßendeanmaßendesanmaßenden

Die Tabellen zeigen die Adjektivformen vor einem Nomen. Ein unbestimmter Artikel wie ein hat keinen Plural; die Pluralspalte der gemischten Beugung gilt etwa nach keine oder meine. Ohne Artikel gelten dort die starken Formen. Das Nomen erhält gegebenenfalls zusätzlich seine eigene Fallendung.

Anmaßendes Verhalten statt bloßer Unbeliebtheit belegen

Eigene, erfundene Situation: In einer erfundenen Gruppenarbeit erklärt Tim ungefragt, nur er könne den Text beurteilen. Er streicht die Vorschläge der anderen, ohne sie zu lesen.

Beobachtung und Wortwahl: Seine Behauptung und sein Umgang mit den Beiträgen beanspruchen einen Vorrang, den die Szene nicht begründet.

Tim tritt in der Gruppenarbeit anmaßend auf. Mit der Behauptung, allein urteilsfähig zu sein, setzt er seine Einschätzung über die der anderen. Dass er ihre Vorschläge ungelesen streicht, zeigt außerdem, dass er seinen Vorrang nicht durch einen sachlichen Vergleich begründet. Die Szene lässt eine mangelnde Bereitschaft erkennen, andere als gleichberechtigte Beteiligte ernst zu nehmen.

Warum das funktioniert: Die Charakterisierung stützt das Urteil auf zwei Handlungen und erklärt deren Zusammenhang. Sie ersetzt keine Beobachtung durch ein bloß negatives Etikett.

Grenze der Aussage: Die erfundene Szene zeigt ein bestimmtes Verhalten. Ob Tim grundsätzlich so handelt oder hier unter besonderen Umständen steht, bleibt offen.

Kurz geprüft

Ist deutliche Kritik an einer Autorität immer anmaßend?

Antwort und Erklärung

Nein. Entscheidend sind Begründung und beanspruchte Stellung. Eine sachlich begründete Kritik wird nicht durch die Position des Gegenübers automatisch unberechtigt.

Weitere Wörter für deinen Text findest du in der Adjektivliste mit Wortauswahl und Vergleichen. Die Grundregeln erklärt der Beitrag Adjektive: Verwendung, Beugung und Steigerung.