ausdrücklich

Ausdrücklich bedeutet, dass etwas eigens und klar zum Ausdruck gebracht wird. Man muss die Aussage also nicht erst aus einer Andeutung oder aus bloßem Schweigen erschließen.

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Bedeutung und Lesarten

Eine ausdrückliche Bitte benennt, was gewünscht wird. Wer ausdrücklich auf eine Ausnahme hinweist, lässt sie nicht nur zwischen den Zeilen erkennen. Das kann mündlich oder schriftlich geschehen. Lautstärke ist nicht entscheidend: Auch ein ruhig formulierter Satz kann ausdrücklich sein.

Mit dem Wort lässt sich unterscheiden, was tatsächlich gesagt wurde und was jemand nur vermutet. Diese Unterscheidung ist bei Berichten und Textanalysen hilfreich. Ob eine bestimmte Formulierung rechtliche Anforderungen erfüllt, ergibt sich jedoch nicht allein aus der umgangssprachlichen Wortbedeutung.

Beispiele und Verwendung

Die folgenden Beispiele sind eigens für diese Erklärung formuliert.

Die Lehrerin bat ausdrücklich darum, auch unfertige Lösungswege mitzubringen.

Der Wunsch wird gezielt benannt und nicht nur stillschweigend vorausgesetzt.

Auf seinen ausdrücklichen Wunsch blieb das Fenster geschlossen.

Die Entscheidung wird auf eine geäußerte Bitte zurückgeführt.

Der Erzähler nennt den Grund nicht ausdrücklich; er deutet ihn nur durch die Reaktion an.

Hier unterscheidet die Analyse unmittelbare Aussage und Deutung.

Ähnliche Wörter und Unterschiede

eindeutig
Lässt keine wesentliche Mehrdeutigkeit zu. Auch ein Zeichen kann eindeutig wirken, ohne eine Aussage ausdrücklich zu formulieren.
nachdrücklich
Hebt Beharrlichkeit oder Stärke hervor. Ausdrücklich betont das klare Benennen.
ausgesprochen
Verstärkt häufig ein Adjektiv: ausgesprochen freundlich. Das ist nicht dieselbe Funktion wie ausdrücklich um etwas bitten.

Vertiefung: eindeutig.

Schreibweise und Grammatik

Wortart und Schreibweise

Wortart: Adjektiv.

Ausdrücklich schreibt man mit ü und ck. Als Eigenschaft einer Bitte wird es gebeugt: eine ausdrückliche Bitte. Bei einem Verb bleibt es unverändert: ausdrücklich widersprechen. Das Nomen lautet Ausdrücklichkeit.

Steigerung

Ausdrücklich – ausdrücklicher – am ausdrücklichsten ist möglich, wenn die Deutlichkeit oder Betonung einer Formulierung verglichen wird. Oft genügt ausdrücklich, besonders wenn lediglich zwischen genannt und nicht genannt unterschieden werden soll.

Beugung vor einem Nomen

Die Tabellen zeigen die Adjektivform im Positiv. Die Endung ist hervorgehoben. Wähle die Spalte nach dem grammatischen Geschlecht des Nomens; im Plural gilt dieselbe Spalte für alle Genera. Bei der gemischten Beugung steht im Plural zum Beispiel keine, weil ein keinen Plural besitzt.

Starke Beugung – ohne Artikel
FallMaskulinum · SingularFemininum · SingularNeutrum · SingularPlural · alle Genera
Nominativausdrücklicherausdrücklicheausdrücklichesausdrückliche
Genitivausdrücklichenausdrücklicherausdrücklichenausdrücklicher
Dativausdrücklichemausdrücklicherausdrücklichemausdrücklichen
Akkusativausdrücklichenausdrücklicheausdrücklichesausdrückliche
Schwache Beugung – nach der, die, das
FallMaskulinum · SingularFemininum · SingularNeutrum · SingularPlural · alle Genera
Nominativausdrücklicheausdrücklicheausdrücklicheausdrücklichen
Genitivausdrücklichenausdrücklichenausdrücklichenausdrücklichen
Dativausdrücklichenausdrücklichenausdrücklichenausdrücklichen
Akkusativausdrücklichenausdrücklicheausdrücklicheausdrücklichen
Gemischte Beugung – nach ein/eine; Plural nach keine
FallMaskulinum · SingularFemininum · SingularNeutrum · SingularPlural · alle Genera
Nominativausdrücklicherausdrücklicheausdrücklichesausdrücklichen
Genitivausdrücklichenausdrücklichenausdrücklichenausdrücklichen
Dativausdrücklichenausdrücklichenausdrücklichenausdrücklichen
Akkusativausdrücklichenausdrücklicheausdrücklichesausdrücklichen

Die Grammatik der Adjektive erklärt, wie Artikel, Fall und Endung zusammenwirken.

Im eigenen Text verwenden

Erfundenes Anwendungsbeispiel – kein Zitat aus einem literarischen Werk.

Ausgangssituation: In einer erfundenen Geschichte legt die Erzählerin einen Brief zurück in die Schublade. Der Text berichtet diese Handlung, benennt aber keinen Grund. Eine Schülerin soll den Unterschied zwischen Beleg und Vermutung erklären.

Möglicher Absatz:

Der Text sagt nicht ausdrücklich, weshalb die Erzählerin den Brief weglegt. Ihr Zögern kann auf Unsicherheit hindeuten. Diese Deutung muss jedoch als Möglichkeit formuliert werden, weil kein Gedanke und keine Begründung direkt wiedergegeben werden.

Der Absatz nutzt das Wort, um die Reichweite des Textbelegs genau zu bestimmen. Er behauptet nicht, jede unausgesprochene Bedeutung sei beliebig; vielmehr benennt er den Übergang von Beobachtung zu Interpretation.

Kurzer Wortcheck

Kann eine leise Bitte ausdrücklich sein?

Ja. Entscheidend ist, dass der Wunsch klar und eigens formuliert wird. Lautstärke und Ausdrücklichkeit sind verschiedene Merkmale.

Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Auswahl und Wortvergleich.