diachron
Diachron: Eine Entwicklung über die Zeit untersuchend; in der Sprachwissenschaft auf Sprachgeschichte und Sprachwandel bezogen.
Was bedeutet diachron?
Diachron beschreibt eine Betrachtung, die verschiedene Zeitstufen miteinander vergleicht. In der Sprachwissenschaft fragt sie etwa, wie sich die Bedeutung eines Wortes oder die Form einer grammatischen Konstruktion verändert hat.
Dazu genügt es nicht, nur einen alten Text zu lesen. Entscheidend ist die Frage nach Entwicklung und Veränderung. Auch Sprachgebrauch aus zwei jüngeren Zeiträumen kann diachron verglichen werden. Das Alter des Gegenstands allein bestimmt die Methode nicht.
In der Geologie hat das Wort einen besonderen Fachgebrauch: Vergleichbare Gesteinseinheiten oder Grenzen können an verschiedenen Orten unterschiedlichen Alters sein. Diese Bedeutung ist von der sprachgeschichtlichen Untersuchung zu unterscheiden.
Eigene Beispiele mit Erklärung
- „Die Studie untersucht den Wortgebrauch in drei Zeitabschnitten diachron.“ Im Mittelpunkt steht die Veränderung zwischen den Abschnitten.
- „Eine diachrone Analyse vergleicht ältere und jüngere Satzformen.“ Die Zeitachse ist das entscheidende Vergleichsmerkmal.
- „Die Beschreibung einer einzelnen historischen Sprachstufe ist nicht automatisch diachron.“ Auch eine vergangene Epoche kann als ein zeitlicher Querschnitt untersucht werden.
Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse
Synchron bedeutet in diesem Zusammenhang: auf einer Zeitebene untersucht. Diese Ebene kann die Gegenwart oder ein früherer Zeitraum sein. Diachron und synchron unterscheiden die Perspektive, nicht einfach alte und neue Sprache.
Diatopisch vergleicht räumliche Unterschiede, diastratisch Unterschiede zwischen sozialen Gruppen. Solche Gesichtspunkte können mit einer diachronen Frage kombiniert werden. Sie sind keine zwingenden Gegensätze.
Schreibweise und Grammatik
Diachron ist ein Adjektiv. Es heißt ein diachroner Vergleich, eine diachrone Untersuchung, mit diachronen Daten. Die entsprechende längere Form lautet diachronisch: eine diachronische Untersuchung. Beide Formen werden in der sprachwissenschaftlichen Grundbedeutung verwendet; die Tabellen zeigen diachron.
Steigerung
Als Bezeichnung einer Untersuchungsperspektive wird das Wort gewöhnlich nicht gesteigert. Statt diachroner ist meist genauer: stärker auf die historische Entwicklung ausgerichtet. Diachroner in ein diachroner Vergleich ist zunächst eine normale Beugungsform.
Beugung im Überblick
Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | diachroner | diachrone | diachrones | diachrone |
| Genitiv | diachronen | diachroner | diachronen | diachroner |
| Dativ | diachronem | diachroner | diachronem | diachronen |
| Akkusativ | diachronen | diachrone | diachrones | diachrone |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | diachrone | diachrone | diachrone | diachronen |
| Genitiv | diachronen | diachronen | diachronen | diachronen |
| Dativ | diachronen | diachronen | diachronen | diachronen |
| Akkusativ | diachronen | diachrone | diachrone | diachronen |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | diachroner | diachrone | diachrones | diachronen |
| Genitiv | diachronen | diachronen | diachronen | diachronen |
| Dativ | diachronen | diachronen | diachronen | diachronen |
| Akkusativ | diachronen | diachrone | diachrones | diachronen |
Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Die Verwendung an einem Beispiel verstehen
Erfundenes Beispiel: In einem erfundenen Seminar vergleicht eine Gruppe drei Zeitungsjahrgänge aus verschiedenen Jahrzehnten. Eine zweite Gruppe untersucht regionale Zeitungen desselben Jahres. Beide suchen Unterschiede im Wortschatz.
Die erste Gruppe arbeitet diachron, weil sie Zeitstufen vergleicht. Die zweite arbeitet zunächst diatopisch auf einer gemeinsamen Zeitebene. Ihre Fragen betreffen unterschiedliche Dimensionen sprachlicher Variation.
Ein guter Methodenabsatz nennt deshalb nicht nur das untersuchte Material, sondern auch den Vergleichsmaßstab. Werden Zeit und Region gleichzeitig verändert, muss die Untersuchung erklären, wie sie diese möglichen Einflüsse auseinanderhält.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.
