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mehrdeutig

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
mehrdeutig
Worttrennung
mehr·deu·tig

Üblich ist die Grundform. Wer Unterschiede vergleicht, schreibt genauer lässt mehr Lesarten zu oder der Bezug ist weniger eindeutig. So wird nicht eine vage Rangfolge an die Stelle der Erklärung gesetzt.

Formen und Verwendung im Detail

Mehrdeutig bedeutet, dass sich ein Ausdruck, Zeichen oder Verhalten auf mehrere nachvollziehbare Weisen verstehen lässt.

Was bedeutet mehrdeutig?

Die Mehrdeutigkeit kann in einem einzelnen Wort liegen, aber auch im Satzbau. Der Satz Ich sah die Frau mit dem Fernglas lässt beispielsweise offen, ob die Frau ein Fernglas hatte oder ob die sprechende Person es zum Sehen benutzte.

Nicht jedes Verständnisproblem ist Mehrdeutigkeit. Ein unbekanntes Fachwort kann zunächst rätselhaft sein, ohne mehrere Bedeutungen zu besitzen. Eine Erklärung der Mehrdeutigkeit sollte deshalb wenigstens zwei konkrete Lesarten nennen.

In einer Anleitung ist ein eindeutiger Bezug meist hilfreich. In einem Wortspiel oder einer Erzählung kann die Offenheit dagegen bewusst wirken. Welche Lesarten tragfähig sind, muss weiterhin am Wortlaut und Zusammenhang geprüft werden.

Eigene Beispiele mit Erklärung

  • „Das Wort „Schloss“ ist ohne Zusammenhang mehrdeutig.“ Es kann etwa ein Gebäude oder eine Verschlussvorrichtung bezeichnen.
  • „„Ich sah die Frau mit dem Fernglas“ ist mehrdeutig.“ Die Ergänzung kann unterschiedlich auf die Beteiligten bezogen werden.
  • „Ihr Lächeln bleibt in der Szene mehrdeutig.“ Es könnte je nach weiteren Hinweisen Zustimmung, Verlegenheit oder Spott ausdrücken; die Szene muss diese Möglichkeiten tragen.

Synonyme für mehrdeutig: passend zum Zusammenhang

Mehrdeutig bedeutet, dass mehrere begründbare Lesarten möglich sind. Die Alternativen unterscheiden zwischen fachsprachlicher Benennung, genau zwei Deutungen und allgemeiner fehlender Eindeutigkeit. Eine Erklärung sollte die Lesarten tatsächlich nennen. Ein Satz wird nicht allein dadurch mehrdeutig, dass jemand ein Wort nicht kennt oder wichtige Hintergrundinformationen fehlen.

Wortalternativen und ihre Unterschiede
ErsatzwortPasst beiUnterschied
ambigfachsprachlicher Beschreibung mehrerer LesartenIst eine nahe Entsprechung, aber für viele Leser weniger unmittelbar verständlich.
doppeldeutigzwei hervorzuhebenden BedeutungenLenkt auf zwei Deutungen. Mehrdeutig lässt die Zahl weiter offen.
uneindeutigAussagen oder Signalen ohne klar festgelegte DeutungIst weiter und kann auch allgemeine Unbestimmtheit betreffen, ohne mehrere Lesarten genau zu unterscheiden.

Wörter im Satz vergleichen

Die folgenden Satzpaare sind eigene Sprachbeispiele.

Ausgangssatz: „Die Formulierung ist ohne den Gesprächszusammenhang mehrdeutig.“
Alternative: „Die Formulierung ist ohne den Gesprächszusammenhang ambig.“

Ambig bewahrt die Aussage in einem fachsprachlichen Register. Verständlich wird sie erst durch die möglichen Bedeutungen; der Fremdwortaustausch ersetzt diese Erklärung nicht.

Ausgangssatz: „Die Bezeichnung ‚Bank‘ bleibt im kurzen Satz mehrdeutig.“
Alternative: „Die Bezeichnung ‚Bank‘ bleibt im kurzen Satz doppeldeutig.“

Doppeldeutig passt, wenn hier ausdrücklich Sitzgelegenheit und Geldinstitut als zwei mögliche Lesarten gemeint sind. Bei mehr als zwei relevanten Deutungen wäre das allgemeinere mehrdeutig genauer.

Hier passt der Austausch nicht: Ambivalent beschreibt besonders gegensätzliche Gefühle oder Bewertungen. Eine Person kann ihre widersprüchlichen Wünsche völlig eindeutig formulieren. Ihre Haltung ist dann ambivalent, der Satz aber nicht notwendig mehrdeutig.

In einer Anleitung ist es oft sinnvoll, einen unklaren Bezug ausdrücklich zu machen. In einer Erzählung oder einem Wortspiel kann Mehrdeutigkeit dagegen beabsichtigt sein. Eine Analyse sollte deshalb erläutern, welche Lesarten der Wortlaut trägt und welchen Effekt ihr Nebeneinander erzeugt, statt automatisch einen Sprachfehler zu unterstellen.

Weitere Abgrenzungen: Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse

Ambig ist eine fachsprachliche Entsprechung. Unklar ist weiter: Unklarheit kann auch aus fehlenden Informationen entstehen, ohne mehrere konkrete Bedeutungen hervorzubringen.

Ambivalent betrifft besonders gegensätzliche Gefühle oder Bewertungen. Man kann etwas zugleich wünschen und fürchten und diese Ambivalenz dennoch völlig eindeutig ausdrücken.

Schreibweise und Grammatik

Das Adjektiv wird zusammengeschrieben: mehrdeutig. Formen sind eine mehrdeutige Formulierung und mit mehrdeutigen Zeichen. Das Nomen heißt Mehrdeutigkeit.

Steigerung

Üblich ist die Grundform. Wer Unterschiede vergleicht, schreibt genauer lässt mehr Lesarten zu oder der Bezug ist weniger eindeutig. So wird nicht eine vage Rangfolge an die Stelle der Erklärung gesetzt.

Beugung im Überblick

Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.

BeugungstabellenDie Formen nach Fall, Geschlecht und Artikel vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativmehrdeutigermehrdeutigemehrdeutigesmehrdeutige
Genitivmehrdeutigenmehrdeutigermehrdeutigenmehrdeutiger
Dativmehrdeutigemmehrdeutigermehrdeutigemmehrdeutigen
Akkusativmehrdeutigenmehrdeutigemehrdeutigesmehrdeutige
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativmehrdeutigemehrdeutigemehrdeutigemehrdeutigen
Genitivmehrdeutigenmehrdeutigenmehrdeutigenmehrdeutigen
Dativmehrdeutigenmehrdeutigenmehrdeutigenmehrdeutigen
Akkusativmehrdeutigenmehrdeutigemehrdeutigemehrdeutigen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin, SingularFeminin, SingularNeutrum, SingularPlural, alle Genera
Nominativmehrdeutigermehrdeutigemehrdeutigesmehrdeutigen
Genitivmehrdeutigenmehrdeutigenmehrdeutigenmehrdeutigen
Dativmehrdeutigenmehrdeutigenmehrdeutigenmehrdeutigen
Akkusativmehrdeutigenmehrdeutigemehrdeutigesmehrdeutigen

Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.

Die Verwendung an einem Beispiel verstehen

Erfundenes Beispiel: In einer erfundenen Bildbeschreibung soll eine Frau beschrieben werden, die selbst ein Fernglas trägt. Der erste Entwurf enthält den mehrdeutigen Satz aus den Beispielen.

Ich sah eine Frau, die ein Fernglas um den Hals trug. Sie stand am Geländer und beobachtete das gegenüberliegende Ufer.

Der Relativsatz bindet das Fernglas ausdrücklich an die Frau. Damit wird genau die unerwünschte zweite Lesart ausgeschlossen, statt den ganzen Satz unnötig auszuschmücken.

Ist ein Satz schon mehrdeutig, wenn ich eines seiner Wörter nicht kenne?

Nein. Mehrdeutig ist er, wenn mehrere begründbare Deutungen möglich sind. Bloße Unkenntnis eines Wortes genügt dafür nicht.

Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.