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vieldeutig

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
vieldeutig
Worttrennung
viel·deu·tig
Komparativ
vieldeutiger
Superlativ
am vieldeutigsten

Vergleich bei unterschiedlich weitem Deutungsspielraum; konkrete Lesarten möglichst nennen. Attributiv und prädikativ.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Vieldeutig beschreibt einen Ausdruck oder ein Zeichen, das viele Auslegungen zulässt. Das Wort kann außerdem vielsagend heißen, etwa bei einem Blick voller möglicher Andeutungen. Eine Deutung ist dadurch nicht schon richtig; sie muss weiterhin am Zusammenhang begründet werden.

Bedeutungen

1 Viele Auslegungen zulassen

Vieldeutig kann ein Wort, einen Satz, ein Bild oder ein Zeichen beschreiben, das auf verschiedene Weisen verstanden werden kann. Die möglichen Auslegungen sollten durch konkrete Hinweise gestützt sein. Bloße Unkenntnis oder eine unleserliche Stelle sind nicht automatisch viele Bedeutungen.

„Das offene Ende der Erzählung bleibt vieldeutig: Die Nachricht kann einen Abschied oder einen neuen Anfang ankündigen.“

Das Beispiel nennt zwei tatsächlich begründete Möglichkeiten. Welche weiteren Lesarten tragfähig wären, müsste am Text gezeigt werden.

2 Vielsagend oder anspielungsreich wirken

Ein vieldeutiger Blick oder eine vieldeutige Geste kann viele mögliche Andeutungen enthalten. Die Beteiligten interpretieren dann etwas, das nicht ausdrücklich ausgesprochen wurde. Die vermutete Absicht ist von einer gesicherten Aussage zu trennen.

„Nach der überraschenden Frage wirft die Figur ihrer Schwester einen vieldeutigen Blick zu.“

Der Blick scheint etwas anzudeuten. Was genau gemeint ist, muss der weitere Zusammenhang tragen; Zustimmung oder Spott folgen nicht automatisch aus dem Adjektiv.

vieldeutig: Synonyme und andere Wörter

Vieldeutig, mehrdeutig oder doppeldeutig?

Mehrdeutig ist eine nahe Entsprechung für mehrere mögliche Lesarten. Vieldeutig kann deren Vielfalt stärker hervorheben. Doppeldeutig lenkt dagegen besonders auf zwei Deutungen. Eine starre Mindestzahl jenseits dieser Unterscheidung ist nicht aus dem Wort allein abzuleiten.

„Der Satz ist mehrdeutig.“ – „Der Satz ist vieldeutig.“

Beide verlangen eine Erklärung der Lesarten. Der zweite Satz kann eine größere Offenheit hervorheben; er beweist noch nicht, wie viele Deutungen sinnvoll sind.

Vieldeutig oder unklar?

Unklar ist weiter. Unklarheit kann auch daraus entstehen, dass Informationen fehlen oder eine Handschrift schwer lesbar ist. Vieldeutig betont dagegen unterschiedliche Auslegungen oder Andeutungen.

„Die unleserliche Notiz ist unklar.“ – „Die lesbare Notiz ist vieldeutig.“

Im ersten Satz fehlt der sichere Wortlaut. Im zweiten kann der Wortlaut feststehen und trotzdem verschieden verstanden werden.

Beispiele und Verwendung

„Die Überschrift ist vieldeutig; der folgende Absatz erklärt, welche Lesart hier gemeint ist.“

Der Zusammenhang kann eine zunächst offene Formulierung eingrenzen. Eine Mehrdeutigkeit am Anfang muss deshalb kein dauerhafter Verständigungsfehler sein.

„Die zweite Fassung lässt noch mehr begründbare Deutungen zu und wirkt dadurch vieldeutiger.“

Der Vergleich nennt den Maßstab ausdrücklich. Nicht jede beliebige Assoziation wird dadurch zu einer tragfähigen Textdeutung.

Grammatik und Beugung

Die Grundform lautet vieldeutig, die Worttrennung viel·deu·tig. Das Adjektiv wird zusammengeschrieben. Vor einem Nomen wird es gebeugt: ein vieldeutiger Blick, mit vieldeutigen Zeichen. Nach sein steht es ohne Kasusendung.

Die Steigerung vieldeutiger – am vieldeutigsten ist möglich, wenn ein unterschiedlicher Deutungsspielraum verglichen wird. Für eine Analyse ist die Erklärung der jeweils möglichen Lesarten genauer als eine bloße Rangfolge.

Die Form vieldeutiger kann auch eine gebeugte Grundstufe sein: vieldeutiger Inhalt. In Der zweite Text ist vieldeutiger steht sie dagegen als Vergleichsstufe. Wortform und Satzbau müssen gemeinsam betrachtet werden.

Die folgenden Tabellen zeigen die tatsächlich verwendeten Formen der Grundstufe in starker, schwacher und gemischter Beugung. Im Plural der gemischten Reihe steht hier kein; ein besitzt keine Pluralform. Die farbige Markierung ergänzt keine Buchstaben oder Trennpunkte.

Starke Beugung ohne Artikel
FallMaskulinum SingularFemininum SingularNeutrum SingularPlural
Nominativvieldeutigervieldeutigevieldeutigesvieldeutige
Genitivvieldeutigenvieldeutigervieldeutigenvieldeutiger
Dativvieldeutigemvieldeutigervieldeutigemvieldeutigen
Akkusativvieldeutigenvieldeutigevieldeutigesvieldeutige
Schwache Beugung mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinum SingularFemininum SingularNeutrum SingularPlural
Nominativder vieldeutigedie vieldeutigedas vieldeutigedie vieldeutigen
Genitivdes vieldeutigender vieldeutigendes vieldeutigender vieldeutigen
Dativdem vieldeutigender vieldeutigendem vieldeutigenden vieldeutigen
Akkusativden vieldeutigendie vieldeutigedas vieldeutigedie vieldeutigen
Gemischte Beugung mit ein, im Plural kein
FallMaskulinum SingularFemininum SingularNeutrum SingularPlural
Nominativein vieldeutigereine vieldeutigeein vieldeutigeskeine vieldeutigen
Genitiveines vieldeutigeneiner vieldeutigeneines vieldeutigenkeiner vieldeutigen
Dativeinem vieldeutigeneiner vieldeutigeneinem vieldeutigenkeinen vieldeutigen
Akkusativeinen vieldeutigeneine vieldeutigeein vieldeutigeskeine vieldeutigen