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geil

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
geil
Worttrennung
geil
Komparativ
geiler
Superlativ
am geilsten

Sexueller Gebrauch salopp, als Lob umgangssprachlich; landwirtschaftlich und regional bei Speisen andere Bedeutungen. Auf etwas geil sein verlangt Akkusativ.

Formen und Verwendung im Detail

Geil kann sexuell erregt oder stark begehrend bedeuten, salopp aber auch großartig oder begeisternd; in der Landwirtschaft bezeichnet es übermäßig üppiges Wachstum oder stark gedüngten Boden.

Was bedeutet geil?

Die Bedeutung von geil hängt besonders stark vom Zusammenhang ab. Auf sexuelles Verlangen bezogen kann das Wort Erregung beschreiben oder vorwurfsvoll jemanden als von seinem Begehren beherrscht darstellen. Wird eine Person so bezeichnet, sind Ton, Beziehung und Situation entscheidend. Eine abwertende Zuschreibung lässt sich nicht ohne Weiteres als sachliche Charakterbeschreibung übernehmen.

Als saloppes Lob drückt geil starke Begeisterung aus. Eine geile Veranstaltung, Idee oder Aussicht wird als besonders gelungen oder beeindruckend bewertet; sexuelles Begehren muss dabei keine Rolle spielen. Dieser Gebrauch passt vor allem in informelle Äußerungen und Dialoge. In einer sachlichen Analyse ist meist genauer zu benennen, worin die gelobte Qualität liegt.

Die Wendung auf etwas geil sein kann starkes, geradezu gieriges Verlangen meinen, beispielsweise nach Anerkennung oder einem bestimmten Erfolg. Eine eigene fachsprachliche Lesart findet sich in der Landwirtschaft: Geile Triebe wachsen üppig, sind dabei aber nicht entsprechend kräftig. Bei Boden kann das Wort eine sehr starke Düngung bezeichnen. Diese Lesarten sind keine Charaktereigenschaften.

Drei Beispiele für geil

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„‚Das war ein geiles Konzert!‘, rief sie, noch bevor der letzte Applaus verklungen war.“

Der Ausruf ist saloppes, begeistertes Lob. Der Konzertzusammenhang gibt keinen Anlass für eine sexuelle Lesart.

„Der Erzähler bezeichnet den Erwachsenen als geil und schildert anschließend ausdrücklich dessen sexuelles Begehren.“

Die ergänzende Beschreibung legt die gemeinte Bedeutung fest. Für die Analyse bleibt zu prüfen, ob das Wort wertend aus der Erzählerperspektive verwendet wird.

„Die Gärtnerin entfernte die geilen Triebe, die lang und weich gewachsen waren.“

Hier gilt die landwirtschaftliche Bedeutung. Die Form der Triebe erklärt den Fachgebrauch, ohne eine Bewertung menschlichen Verhaltens einzuführen.

Synonyme für geil: passend zum Zusammenhang

Geil besitzt stark unterschiedliche Bedeutungen und gehört in vielen Verwendungen zur saloppen Sprache. Ein Ersatz sollte zuerst zwischen begeistertem Lob, sexuellem Begehren und einem fachlichen Pflanzenbezug unterscheiden. Ein Konzertlob ist nicht automatisch eine sexuelle Aussage.

Welcher Ausdruck passt zu deiner Aussage?
AlternativePassender ZusammenhangBedeutungsunterschied
großartigEin Erlebnis oder Ergebnis wird nachdrücklich gelobt.Erhält die Begeisterung, klingt aber weniger salopp und vermeidet die weiteren Bedeutungen von geil.
sexuell erregtEine Person erlebt sexuelles Verlangen oder Erregung.Ist im passenden Zusammenhang genauer und kann weniger abwertend als eine pauschale Personenbezeichnung wirken.
gierigJemand verlangt sehr stark nach etwas.Passt zu „auf Erfolg geil“, enthält jedoch nicht die saloppe positive Bedeutung eines gelungenen Erlebnisses.

Eigene Satzbeispiele: Was ändert sich?

Ausgangssatz: „Das war ein geiles Konzert.“

Alternative: „Das war ein großartiges Konzert.“

Großartig bewahrt das starke Lob und macht den Satz für mehr Gesprächssituationen passend. Welche Qualität begeistert hat, erklärt auch diese Alternative noch nicht.

Ausgangssatz: „Er ist auf öffentliche Anerkennung geil.“

Alternative: „Er ist gierig nach öffentlicher Anerkennung.“

Die Alternative benennt das starke Verlangen ausdrücklich. Sie bleibt wertend und sollte in einer Analyse durch sein Verhalten statt allein durch eine fremde Zuschreibung begründet werden.

Nicht gleichbedeutend: Geile Triebe in der Pflanzenbeschreibung sind kein Lob. Gemeint sein kann übermäßig langes, weiches Wachstum; großartig wäre dort eine falsche Lesart.

Beim Formulieren: Die Verbindung wechselt von auf mit Akkusativ zu nach mit Dativ: auf schnellen Erfolg, gierig nach schnellem Erfolg. Der Satzbau muss mitgeändert werden.

In direkter Rede kann das saloppe Wort zur Figur gehören. Eine sachliche Erläuterung sollte die gemeinte Bedeutung benennen, ohne aus ihrem lockeren Sprachstil eine sexuelle Absicht abzuleiten.

Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
begeisternd
Kann den lobenden Gebrauch sachlicher wiedergeben. Es erklärt die Wirkung auf das Publikum, ohne die anderen Bedeutungen von geil aufzurufen.
sexuell erregt
Ist im entsprechenden Zusammenhang präziser und weniger wertend. Das einzelne Wort geil kann darüber hinaus einen Vorwurf ausdrücken.
gierig
Liegt in Wendungen mit starkem Verlangen nahe. Anders als geil besitzt es keine entsprechende saloppe Bedeutung als Lob für ein gelungenes Erlebnis.

Schreibung und Grammatik

Das Adjektiv wird regelmäßig gebeugt: ein geiler Auftritt, eine geile Idee, geile Triebe. Die Steigerung lautet geiler, am geilsten. In der Wendung auf etwas geil sein steht nach auf der Akkusativ: auf einen schnellen Erfolg. Der Gebrauch als umgangssprachlicher Ausruf bleibt in direkter Rede erkennbar, etwa Das ist ja geil!

Die Übersicht zu Adjektiven erklärt Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von geil

Eine geile Idee ist saloppes Lob; bei sexuellem Begehren und in landwirtschaftlichen Texten gelten andere Bedeutungen. Gleiche Endungen machen diese Verwendungen nicht beliebig austauschbar.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativgeilergeilegeilesgeile
Genitivgeilengeilergeilengeiler
Dativgeilemgeilergeilemgeilen
Akkusativgeilengeilegeilesgeile
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativgeilegeilegeilegeilen
Genitivgeilengeilengeilengeilen
Dativgeilengeilengeilengeilen
Akkusativgeilengeilegeilegeilen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativgeilergeilegeilesgeilen
Genitivgeilengeilengeilengeilen
Dativgeilengeilengeilengeilen
Akkusativgeilengeilegeilesgeilen

Herkunft und Wortbildung

Geil ist bereits im Alt- und Mittelhochdeutschen überliefert. Das ältere Bedeutungsfeld umfasste Kraft, Üppigkeit und Übermut und war mit dem Bild des Gärens oder Aufschäumens verbunden. Der heutige sexuelle Sinn und das saloppe Lob bilden daher nicht die ganze Wortgeschichte ab.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Beleg: Die Figur nennt jedes erfolgreiche Vorhaben spontan geil und begeistert damit ihre Freunde. Das zeigt zunächst ihren informellen, begeisterten Sprachgebrauch. Wer daraus sexuelles Begehren ableitete, würde die Lesarten verwechseln. Soll ein Text dagegen eine starke Begierde charakterisieren, braucht es eindeutige Angaben dazu, worauf sie sich richtet.

Wie sich Textbeleg und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.

Geil in der Übersicht der Charaktereigenschaften