gutmütig
Gutmütig: Von freundlicher, geduldiger und friedfertiger Art; anderen meist ohne Härte begegnend und wenig darauf bedacht, den eigenen Vorteil durchzusetzen.
Was bedeutet gutmütig?
Gutmütig beschreibt eine freundliche und wenig streitbare Art. Eine gutmütige Person nimmt kleinere Ärgernisse nicht sofort übel, hilft bereitwillig oder lässt sich nicht leicht zu einer scharfen Reaktion reizen. Das Wort betrifft oft den gewohnten Umgang mit anderen, kann aber ebenso einen Blick, ein Lächeln oder eine einzelne Reaktion beschreiben.
Meist ist die Bezeichnung positiv. In Wendungen wie zu gutmütig kann jedoch die Sorge mitschwingen, jemand lasse sich ausnutzen. Diese mögliche Nuance gehört zum Zusammenhang, nicht zu jeder Verwendung des Wortes. Geduld beweist weder mangelnde Klugheit noch die Unfähigkeit, Grenzen zu setzen.
Auch Tiere werden gutmütig genannt, wenn sie etwa wenig angriffslustig und geduldig wirken. Das ist eine zusammenfassende Beobachtung ihres Verhaltens, keine Garantie für jede Situation. In einer literarischen Charakterisierung sollte deshalb deutlich werden, gegenüber wem und unter welchen Bedingungen die Figur gutmütig erscheint.
Beispiele und Verwendung
Er nahm den harmlosen Scherz gutmütig auf und lachte mit, statt sofort beleidigt zu reagieren.
So ist es gemeint: Seine gelassene Reaktion steht im Vordergrund.
Die gutmütige Kollegin übernahm häufig kleine Hilfsdienste, lehnte die zusätzliche Wochenendarbeit aber ab.
So ist es gemeint: Hilfsbereitschaft und eine begründete Grenze sind miteinander vereinbar.
Alle rechneten damit, dass er aus Gutmütigkeit erneut einspringen würde; diesmal baten sie gar nicht erst ordentlich darum.
So ist es gemeint: Der Satz zeigt, wie andere eine freundliche Art als selbstverständlich behandeln können.
Typische Verbindungen: ein gutmütiges Wesen, gutmütig lächeln, gutmütig nachgeben, etwas gutmütig hinnehmen.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- gutherzig
- Betont Mitgefühl und Wohlwollen. Gutmütig hebt häufig zusätzlich Geduld und geringe Streitlust hervor.
- gutgläubig
- Beschreibt die Bereitschaft, anderen zu glauben. Eine gutmütige Person kann eine Täuschung durchaus erkennen.
- großmütig
- Bezeichnet oft eine großzügige Entscheidung trotz Kränkung oder möglicher Vergeltung. Gutmütig beschreibt eher die allgemeine Umgangsart.
Je nach Schwerpunkt passen reizbar, streitlustig oder bösartig. Wer einmal entschieden widerspricht, ist deshalb noch nicht das Gegenteil von gutmütig.
Gutmütig in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
Beim Bühnenaufbau stößt ein jüngerer Mitschüler versehentlich Toms Farbbecher um. Tom beruhigt ihn und wischt mit ihm gemeinsam auf. Als derselbe Mitschüler später absichtlich mit dem Material spielt, nimmt Tom ihm den Pinsel ab und erklärt ruhig, warum das nicht geht.
- Beobachtung: Tom reagiert auf ein Versehen geduldig und hilft bei der Beseitigung des Schadens.
- Deutung: Seine gutmütige Art zeigt sich daran, dass er den anderen nicht unnötig beschämt.
- Grenze der Aussage: Die spätere Grenze widerlegt diese Deutung nicht. Sie unterscheidet ein Missgeschick von absichtlichem Verhalten.
Musterformulierung
Tom erscheint gutmütig, weil er das Missgeschick des jüngeren Mitschülers ohne Vorwürfe aufnimmt und gemeinsam mit ihm aufräumt. Seine spätere klare Reaktion auf das absichtliche Spiel mit dem Material zeigt zugleich, dass seine Geduld nicht mit grenzenloser Nachgiebigkeit gleichzusetzen ist.
Die Deutung berücksichtigt beide Teile der Szene. Dadurch entsteht ein differenziertes Bild: Tom ist geduldig, aber nicht willenlos. Ein einziges freundliches Lächeln wäre als Beleg schwächer als der konkrete Umgang mit einem entstandenen Schaden.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- gut·mü·tig
- Verwandtes Nomen
- die Gutmütigkeit
Das Wort enthält ü und wird zusammengeschrieben. Beim Steigern verändert sich das ganze Adjektiv regelmäßig: gutmütiger, nicht bessermütig. In Er schaut gutmütig bleibt die Grundform ohne Endung; vor einem Nomen heißt es etwa sein gutmütiger Blick.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | gutmütiger | gutmütige | gutmütiges | gutmütige |
| Genitiv | gutmütigen | gutmütiger | gutmütigen | gutmütiger |
| Dativ | gutmütigem | gutmütiger | gutmütigem | gutmütigen |
| Akkusativ | gutmütigen | gutmütige | gutmütiges | gutmütige |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der gutmütige | die gutmütige | das gutmütige | die gutmütigen |
| Genitiv | des gutmütigen | der gutmütigen | des gutmütigen | der gutmütigen |
| Dativ | dem gutmütigen | der gutmütigen | dem gutmütigen | den gutmütigen |
| Akkusativ | den gutmütigen | die gutmütige | das gutmütige | die gutmütigen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein gutmütiger | eine gutmütige | ein gutmütiges | keine gutmütigen |
| Genitiv | eines gutmütigen | einer gutmütigen | eines gutmütigen | keiner gutmütigen |
| Dativ | einem gutmütigen | einer gutmütigen | einem gutmütigen | keinen gutmütigen |
| Akkusativ | einen gutmütigen | eine gutmütige | ein gutmütiges | keine gutmütigen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Gutmütig verbindet gut mit dem Bedeutungsbereich von Gemüt und innerer Haltung. Der Bestandteil -mütig begegnet auch in anderen Eigenschaftswörtern. Er ist hier nicht mit Tapferkeit gleichzusetzen: Gutmütigkeit beschreibt die freundliche Art eines Menschen, nicht seinen Mut angesichts einer Gefahr.
