großmütig

Großmütig: Von einer großzügigen, nicht kleinlichen Gesinnung bestimmt; besonders bereit, auf Vergeltung zu verzichten, zu verzeihen oder einem Unterlegenen fair zu begegnen.

Was bedeutet großmütig?

Großmütig beschreibt eine Haltung, bei der jemand persönliche Kränkungen oder eigene Vorteile nicht zum alleinigen Maßstab macht. Die Person kann einen Fehler verzeihen, einem Gegner Anerkennung geben oder helfen, obwohl sie dazu nicht verpflichtet ist. Im Vordergrund steht die innere Weite dieser Entscheidung. Das Wort enthält normalerweise ein moralisches Lob und wirkt gehobener als freundlich oder nett.

Besonders deutlich wird Großmut in einer Situation, in der Härte oder Vergeltung möglich wäre. Eine Siegerin könnte ihre Gegnerin bloßstellen, entscheidet sich aber dagegen. Ein Verletzter könnte nachtragen, gibt dem anderen jedoch eine neue Chance. Großmut bedeutet dabei nicht, jeden Anspruch aufzugeben. Man kann auf einer Entschuldigung oder Wiedergutmachung bestehen und trotzdem auf zusätzliche Demütigung verzichten.

Die Bewertung hängt von der erkennbaren Haltung ab. Wer einen kleinen Gefallen gewährt und anschließend ständig Dankbarkeit einfordert, kann eher gönnerhaft wirken. Für eine genaue Beschreibung zählt deshalb nicht nur, was gegeben oder erlassen wird, sondern auch, wie die Person mit dem anderen umgeht.

Auf den PunktGroßmut zeigt sich häufig darin, eine mögliche Überlegenheit nicht zur Kränkung auszunutzen. Grenzen und Großmut schließen sich nicht aus.

Beispiele und Verwendung

Nach dem gewonnenen Streit erkannte sie großmütig an, dass ein Einwand ihres Gegners berechtigt gewesen war.

So ist es gemeint: Sie hält nicht um jeden Preis am vollständigen Triumph fest und kann dem anderen einen Teil seines Rechts lassen.

Der Bruder verzieh die verletzende Bemerkung großmütig, bat aber darum, sie nicht zu wiederholen.

So ist es gemeint: Verzeihen wird mit einer klaren Grenze verbunden. Der Satz verlangt keine dauerhafte Duldung von Verletzungen.

Großmütig bot die ehemalige Rivalin ihre Unterstützung an, ohne an die frühere Niederlage zu erinnern.

So ist es gemeint: Die Hilfe dient hier keiner nachträglichen Machtdemonstration. Gerade der Verzicht darauf trägt die positive Wertung.

Typische Verbindungen: großmütig verzeihen, sich großmütig zeigen, eine großmütige Geste, eine großmütige Entscheidung.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

edelmütig
Ist sehr nah verwandt und lobt allgemein eine moralisch vornehme Gesinnung. Großmütig hebt häufig das Nichtnachtragen und die Großzügigkeit im Umgang hervor.
großzügig
Kann Geben, Nachsicht oder räumliche Weite bezeichnen. Großmütig betrifft die Gesinnung und passt nicht als gewöhnliche Beschreibung einer großen Wohnung.
gutmütig
Beschreibt eher eine freundliche, geduldige und wenig streitbare Art. Großmut wird oft in einer bestimmten anspruchsvollen Entscheidung sichtbar.

Als Gegenbeschreibungen kommen rachsüchtig, nachtragend oder kleinlich infrage. Welches Wort passt, hängt davon ab, ob es um Vergeltung, Erinnerung oder das Festhalten an Kleinigkeiten geht.

Großmütig in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

Lina gewinnt die Wahl zur Sprecherin. Ihr Mitbewerber hatte sie zuvor vor der Klasse verspottet. Als nach der Wahl jemand über seine Niederlage lacht, widerspricht Lina. Später schlägt sie vor, eine gute Idee aus seinem Programm gemeinsam umzusetzen.

  1. Beobachtung: Lina verhindert die Bloßstellung des Mitbewerbers und erkennt eine seiner Ideen an.
  2. Deutung: Ihre großmütige Haltung zeigt sich darin, dass sie ihren Erfolg nicht zur Vergeltung nutzt.
  3. Grenze der Aussage: Dass sie die frühere Kränkung vollständig vergessen hat, ist nicht belegt. Ihr Verhalten zeigt den Umgang damit, nicht die Abwesenheit verletzter Gefühle.

Musterformulierung

Lina verhält sich nach ihrem Wahlsieg großmütig. Obwohl der Mitbewerber sie zuvor verspottet hat, schützt sie ihn vor einer erneuten Bloßstellung und greift sogar einen seiner Vorschläge auf. Sie trennt damit die persönliche Kränkung von der sachlichen Anerkennung seiner Idee und nutzt ihre neue Stellung nicht zur Vergeltung.

Das „obwohl“ macht den inneren Gegensatz der Situation sichtbar. Die anschließenden Handlungen erklären, warum das starke Lob gerechtfertigt erscheint. Die Musterformulierung vermeidet dagegen die unbelegte Behauptung, Lina empfinde überhaupt keinen Ärger mehr.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
groß·mü·tig
Verwandtes Nomen
die Großmut; die Großmütigkeit

Achte auf den Artikel des Nomens: Es heißt die Großmut, obwohl der Mut männlich ist. Das Adjektiv wird zusammengeschrieben und mit ü gebeugt: ein großmütiger Verzicht, eine großmütige Antwort. Großmütig und großmütterlich sind verschiedene Wörter.

Grundformgroßmütig
Komparativgroßmütiger
Superlativam großmütigsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativgroßmütigergroßmütigegroßmütigesgroßmütige
Genitivgroßmütigengroßmütigergroßmütigengroßmütiger
Dativgroßmütigemgroßmütigergroßmütigemgroßmütigen
Akkusativgroßmütigengroßmütigegroßmütigesgroßmütige
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder großmütigedie großmütigedas großmütigedie großmütigen
Genitivdes großmütigender großmütigendes großmütigender großmütigen
Dativdem großmütigender großmütigendem großmütigenden großmütigen
Akkusativden großmütigendie großmütigedas großmütigedie großmütigen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein großmütigereine großmütigeein großmütigeskeine großmütigen
Genitiveines großmütigeneiner großmütigeneines großmütigenkeiner großmütigen
Dativeinem großmütigeneiner großmütigeneinem großmütigenkeinen großmütigen
Akkusativeinen großmütigeneine großmütigeein großmütigeskeine großmütigen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Die Wortfamilie verbindet großmütig mit Großmut. Der Bestandteil Mut steht in dieser Verbindung für eine Gesinnung oder innere Haltung. Er bedeutet hier also nicht einfach Tapferkeit. Daher kann auch ein stilles Verzeihen großmütig sein, ohne dass jemand dafür eine körperliche Gefahr auf sich nimmt.

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