nachtragend

Nachtragend: Eine erlebte Kränkung oder Verfehlung lange übel nehmend und die betreffende Person den fortdauernden Ärger spüren lassend.

Was bedeutet nachtragend?

Nachtragend beschreibt einen anhaltenden Umgang mit einer früheren Kränkung. Die betroffene Person bringt das Ereignis erneut vor, begegnet dem anderen weiterhin kühl oder lässt den alten Vorwurf in spätere Entscheidungen einfließen. Das Wort hebt hervor, dass der Ärger über den ursprünglichen Anlass hinaus bestehen bleibt.

Bloßes Erinnern ist noch kein Nachtragen. Wer aus einer Enttäuschung lernt, Vertrauen vorsichtig wieder aufbaut oder eine notwendige Grenze wahrt, muss deshalb nicht nachtragend sein. Ebenso wenig ist jemand verpflichtet, einen schweren Schaden schnell zu vergeben. Das Adjektiv enthält meist ein kritisches Urteil; dieses sollte nicht allein darauf beruhen, dass eine andere Person sich eine raschere Versöhnung wünscht.

Für eine Figurenanalyse ist deshalb die konkrete Fortwirkung wichtig. Wird ein längst geklärtes Versehen bei sachlich fremden Gelegenheiten wieder als Vorwurf eingesetzt, liegt die Deutung näher. Bleibt eine Gefahr dagegen bestehen oder fehlt jede Aufarbeitung, kann Zurückhaltung anders zu verstehen sein. Eine sorgfältige Beschreibung trennt den beobachteten Umgang von der Bewertung durch andere Figuren.

Auf den PunktNachtragend ist mehr als erinnernd oder vorsichtig. Entscheidend ist, wie ein früherer Ärger spätere Begegnungen und Urteile weiter bestimmt.

Beispiele und Verwendung

Er reagierte nachtragend und erinnerte seine Kollegin bei jeder neuen Absprache an das längst behobene Versehen.

So ist es gemeint: Der alte Vorwurf wird wiederholt in spätere Situationen getragen.

Sie blieb nach der Entschuldigung zunächst vorsichtig; allein das machte sie noch nicht nachtragend.

So ist es gemeint: Ein langsamer Wiederaufbau von Vertrauen wird von fortgesetztem Vorwerfen unterschieden.

Seine nachtragende Bemerkung hatte mit der aktuellen Frage nichts zu tun.

So ist es gemeint: Die frühere Kränkung beeinflusst eine sachlich unabhängige Begegnung.

Typische Verbindungen: nachtragend sein, nachtragend reagieren, eine nachtragende Haltung, jemandem etwas lange nachtragen.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

rachsüchtig
Geht weiter: Im Vordergrund steht das Verlangen nach Vergeltung. Nachtragen kann sich bereits in anhaltenden Vorwürfen oder Kühle zeigen.
dünnhäutig
Bezeichnet eine hohe Empfindlichkeit für mögliche Kränkungen. Nachtragend beschreibt dagegen deren lang anhaltende Wirkung im Umgang.
misstrauisch
Meint Zweifel an Zuverlässigkeit oder Absichten. Solche Zweifel können begründet sein und müssen kein fortgesetztes Übelnehmen ausdrücken.

vergebend oder versöhnlich kann einen Gegenpol bilden. Eine Versöhnung verlangt jedoch nicht, ein Ereignis zu vergessen oder notwendige Grenzen aufzugeben.

Nachtragend in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Chorprobe verwechselt Elin einmal einen Einsatz. Sie entschuldigt sich, übt die Stelle und singt sie in den folgenden Proben sicher. Monate später führt Bastian den damaligen Fehler dennoch bei sachlich unabhängigen Fragen an, etwa als Elin einen Ort für das Sommerfest vorschlägt. Er bezeichnet ihren Vorschlag schon deshalb als unzuverlässig.

  1. Beobachtung: Bastian greift auf ein früheres, inzwischen behobenes Versehen zurück und verbindet es mit einer anderen Frage.
  2. Deutung: Er wirkt nachtragend, weil der alte Ärger seine spätere Beurteilung fortgesetzt beeinflusst.
  3. Grenze der Aussage: Die Deutung beruht auf der wiederholten sachfremden Verwendung des Vorwurfs. Sie lässt sich nicht allgemein auf jede anhaltende Verletzung oder Vorsicht übertragen.

Musterformulierung

Bastian verhält sich Elin gegenüber nachtragend. Obwohl sie den Fehler aufgearbeitet hat, verwendet er ihn Monate später erneut, um einen davon unabhängigen Vorschlag abzuwerten. Der frühere Ärger bestimmt damit weiterhin sein Urteil; ausschlaggebend ist die wiederholte Übertragung auf neue Situationen.

Der Absatz benennt die zeitliche Dauer und die sachfremde Fortsetzung des Vorwurfs. Er behauptet keine allgemeine Pflicht zu schneller Vergebung.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
nach·tra·gend
Verwandtes Nomen
das Nachtragen

Nachtragend wird zusammengeschrieben. Es wird als Adjektiv gebeugt: ein nachtragender Mensch, eine nachtragende Reaktion, mit nachtragendem Unterton. Die üblichen Vergleichsformen sind nachtragender und am nachtragendsten. Die Verbverbindung lautet jemandem etwas nachtragen: Die Person steht im Dativ, der Anlass im Akkusativ.

Grundformnachtragend
Komparativnachtragender
Superlativam nachtragendsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativnachtragendernachtragendenachtragendesnachtragende
Genitivnachtragendennachtragendernachtragendennachtragender
Dativnachtragendemnachtragendernachtragendemnachtragenden
Akkusativnachtragendennachtragendenachtragendesnachtragende
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder nachtragendedie nachtragendedas nachtragendedie nachtragenden
Genitivdes nachtragendender nachtragendendes nachtragendender nachtragenden
Dativdem nachtragendender nachtragendendem nachtragendenden nachtragenden
Akkusativden nachtragendendie nachtragendedas nachtragendedie nachtragenden
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein nachtragendereine nachtragendeein nachtragendeskeine nachtragenden
Genitiveines nachtragendeneiner nachtragendeneines nachtragendenkeiner nachtragenden
Dativeinem nachtragendeneiner nachtragendeneinem nachtragendenkeinen nachtragenden
Akkusativeinen nachtragendeneine nachtragendeein nachtragendeskeine nachtragenden

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Nachtragend ist das als Adjektiv verwendete Partizip I von nachtragen. Gemeint ist hier dessen übertragene Bedeutung, jemandem etwas lange übel zu nehmen. Das wörtliche Hinterhertragen eines Gegenstands und das spätere Ergänzen einer Angabe sind andere Verwendungen desselben Verbs.

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