misstrauisch

Misstrauisch: Die Verlässlichkeit einer Aussage, Sache oder Person bezweifelnd und zunächst keinen uneingeschränkten Glauben oder kein Vertrauen schenkend.

Was bedeutet misstrauisch?

Misstrauisch ist jemand, der daran zweifelt, ob eine Aussage stimmt oder eine Person verlässlich handelt. Die Person nimmt eine Zusicherung nicht ohne Weiteres an, sucht nach Widersprüchen oder hält einen verborgenen Nachteil für möglich. Das Wort beschreibt zunächst die Haltung, nicht die tatsächliche Berechtigung des Verdachts.

Misstrauen kann durch konkrete Erfahrungen oder Unstimmigkeiten begründet sein. Es kann aber auch ohne ausreichende Anhaltspunkte entstehen und durch entlastende Informationen kaum zu verändern sein. Eine genaue Beschreibung nennt deshalb den Auslöser und prüft, wie die Figur mit Gegenbelegen umgeht. Weder blindes Vertrauen noch pauschales Misstrauen ist automatisch ein Zeichen guter Urteilskraft.

Kritisches Prüfen ist mit Misstrauen verwandt, aber nicht gleichbedeutend. Wer eine Rechnung kontrolliert, kann das aus allgemeiner Sorgfalt tun, ohne dem anderen Täuschung zu unterstellen. In einer Charakterisierung sollte deutlich werden, ob die Figur nur Sicherheit gewinnen möchte oder tatsächlich an Ehrlichkeit und Verlässlichkeit zweifelt.

Auf den PunktMisstrauisch bezeichnet einen Zweifel an Verlässlichkeit. Ob dieser Zweifel begründet ist, muss durch die dargestellten Hinweise geprüft werden.

Beispiele und Verwendung

Die widersprüchlichen Angaben machten sie misstrauisch, und sie verlangte eine Erklärung.

So ist es gemeint: Ein konkreter Widerspruch löst den Zweifel aus.

Er blieb misstrauisch, obwohl die fehlende Angabe nachvollziehbar erklärt wurde.

So ist es gemeint: Der Umgang mit entlastenden Informationen wird für die Bewertung wichtig.

Sie kontrollierte die Summe sorgfältig, ohne dem Kassierer misstrauisch zu begegnen.

So ist es gemeint: Sachliche Prüfung und persönlicher Verdacht werden unterschieden.

Typische Verbindungen: misstrauisch werden, jemandem misstrauisch begegnen, ein misstrauischer Blick, misstrauisch nachfragen.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

skeptisch
Bezeichnet eine zweifelnde, zurückhaltende Einschätzung. Misstrauisch rückt häufig stärker die Vertrauenswürdigkeit in den Mittelpunkt.
kritisch
Betont prüfendes Unterscheiden und Bewerten; dabei muss keine Täuschung vermutet werden.
ängstlich
Beschreibt Furcht oder eine Neigung dazu. Angst kann Misstrauen begleiten, ist aber ein anderer Schwerpunkt.

Vertrauensvoll ist ein naheliegender Gegenbegriff. gutgläubig kann dagegen kritisieren, dass jemand ohne ausreichende Prüfung vertraut.

Misstrauisch in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Verkaufsszene nennt ein Händler für denselben Gegenstand kurz nacheinander zwei unterschiedliche Herstellungsgeschichten. Ramin wird misstrauisch und bittet um einen Beleg. Als sich herausstellt, dass zwei ähnlich aussehende Stücke verwechselt wurden und die Unterlagen dies nachvollziehbar zeigen, nimmt er seinen Verdacht zurück.

  1. Beobachtung: Ramin zweifelt nach widersprüchlichen Angaben an der Zuverlässigkeit der Darstellung.
  2. Deutung: Seine misstrauische Haltung hat einen konkreten Anlass und führt zu einer gezielten Nachfrage.
  3. Grenze der Aussage: Die Rücknahme des Verdachts zeigt, dass er seine Einschätzung an neue Informationen anpasst. Eine grundsätzlich verdächtigende Haltung ist damit nicht belegt.

Musterformulierung

Ramin reagiert zunächst misstrauisch auf die widersprüchlichen Herkunftsangaben. Er verlangt einen Beleg, statt die Behauptungen ungeprüft anzunehmen. Weil er den Verdacht nach der nachvollziehbaren Aufklärung zurücknimmt, erscheint sein Misstrauen an den konkreten Anlass gebunden und für neue Informationen offen.

Der Absatz beschreibt Auslöser, Prüfung und Revision. So wird zwischen begründetem Zweifel und einer unabhängig von Belegen festgehaltenen Verdächtigung unterschieden.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
miss·trau·isch
Verwandtes Nomen
das Misstrauen

Misstrauisch wird mit ss geschrieben. Vor Nomen heißt es eine misstrauische Nachfrage; nach dem Verb bleibt die Grundform: Er wird misstrauisch. Ergänzungen wie gegenüber der Zusicherung präzisieren den Bezug. Die Steigerung beschreibt stärkeren Zweifel, nicht automatisch bessere Prüfung.

Grundformmisstrauisch
Komparativmisstrauischer
Superlativam misstrauischsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativmisstrauischermisstrauischemisstrauischesmisstrauische
Genitivmisstrauischenmisstrauischermisstrauischenmisstrauischer
Dativmisstrauischemmisstrauischermisstrauischemmisstrauischen
Akkusativmisstrauischenmisstrauischemisstrauischesmisstrauische
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder misstrauischedie misstrauischedas misstrauischedie misstrauischen
Genitivdes misstrauischender misstrauischendes misstrauischender misstrauischen
Dativdem misstrauischender misstrauischendem misstrauischenden misstrauischen
Akkusativden misstrauischendie misstrauischedas misstrauischedie misstrauischen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein misstrauischereine misstrauischeein misstrauischeskeine misstrauischen
Genitiveines misstrauischeneiner misstrauischeneines misstrauischenkeiner misstrauischen
Dativeinem misstrauischeneiner misstrauischeneinem misstrauischenkeinen misstrauischen
Akkusativeinen misstrauischeneine misstrauischeein misstrauischeskeine misstrauischen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Das Adjektiv gehört zur Wortfamilie von misstrauen und Misstrauen. Die Endung -isch kennzeichnet die entsprechende Haltung. Gemeint ist das Zweifeln an Verlässlichkeit oder Vertrauenswürdigkeit, nicht jede beliebige Form des Nachdenkens.

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