hasenherzig
Hasenherzig: Leicht von Furcht bestimmt und vor einer als bedrohlich empfundenen Situation zurückschreckend; eine bildhafte, oft spöttische Bezeichnung für Ängstlichkeit oder Feigheit.
Was bedeutet hasenherzig?
Hasenherzig beschreibt jemanden als sehr furchtsam oder mutlos. Das Wort ruft das Bild des schnell flüchtenden Hasen auf und wirkt dadurch anschaulicher als ängstlich. Je nach Ton kann es neckend, spöttisch oder deutlich abwertend sein. Eine neutrale Beobachtung von Angst ist es deshalb nicht in jedem Zusammenhang.
Ob das Zurückschrecken unangemessen ist, muss gesondert beurteilt werden. Wer eine echte Gefahr meidet, handelt möglicherweise vernünftig. Auch ein Mensch, der sichtbar Angst hat, kann mutig handeln. In einer Charakterisierung sollte daher erkennbar sein, welche Situation vorliegt und ob die Figur nur Furcht zeigt oder eine mögliche Verantwortung nicht übernimmt.
Besonders bei einem Vorwurf im Dialog ist Vorsicht mit der Perspektive nötig. Nennt eine Figur die andere hasenherzig, kann das auch ein Druckmittel sein: Der andere soll etwas tun, das er eigentlich ablehnt. Die Analyse kann dann gerade untersuchen, wie die bildhafte Abwertung eingesetzt wird.
Beispiele und Verwendung
Vor dem Gespräch mit der Direktorin wurde er hasenherzig und schob seine sachlich begründete Bitte immer wieder auf.
So ist es gemeint: Die Furcht vor einer unangenehmen Begegnung verhindert die geplante Handlung.
„Sei nicht so hasenherzig!“, riefen die anderen, als sie den unsicheren Steg nicht betreten wollte.
So ist es gemeint: Der Satz zeigt zunächst den Druck der Gruppe. Ob ihre Vorsicht berechtigt ist, bleibt zu prüfen.
Die vermeintlich hasenherzige Figur widersprach schließlich als Einzige der ungerechten Forderung.
So ist es gemeint: Die Handlung widerlegt oder verändert ein zuvor gefälltes Urteil.
Typische Verbindungen: hasenherzig werden, ein hasenherziger Rückzug, jemanden für hasenherzig halten, sich hasenherzig zurückziehen.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- ängstlich
- Benennt das Empfinden oder Zeigen von Angst weniger bildhaft und meist neutraler.
- furchtsam
- Betont eine Neigung zu Furcht. Es enthält nicht zwingend denselben spöttischen Unterton.
- feige
- Bewertet das Zurückschrecken oft ausdrücklich als moralisch unangemessen. Diese Wertung muss im Einzelfall begründet sein.
beherzt oder furchtlos können Gegenbeschreibungen sein. Beherztes Handeln ist auch möglich, wenn jemand dabei Angst empfindet.
Hasenherzig in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
Nils möchte im Klassenrat sagen, dass ein Mitschüler ständig ausgeschlossen wird. Vor der Sitzung erklärt er, er habe Angst vor dem Spott der Gruppe. Als die Frage besprochen wird, schweigt er trotz einer direkten Nachfrage. Später nennt seine Freundin ihn hasenherzig.
- Beobachtung: Nils nennt seine Angst vor Spott und unterlässt die geplante Unterstützung.
- Deutung: Das Verhalten kann als hasenherzig bewertet werden; im Text wird diese Wertung zunächst von der Freundin ausgesprochen.
- Grenze der Aussage: Die Analyse sollte die erwartete Unterstützung und Nils erkennbaren sozialen Druck berücksichtigen, statt ihm pauschal jede Form von Mut abzusprechen.
Musterformulierung
Nils zieht sich aus Angst vor dem Spott der Gruppe von seinem angekündigten Vorhaben zurück. Die Freundin bewertet dieses Schweigen als hasenherzig. Ihr Vorwurf ist durch die unterlassene Unterstützung nachvollziehbar, bleibt jedoch ein Urteil über diese Situation und kein vollständiger Beweis für Nils gesamten Charakter.
Die Formulierung trennt Beobachtung und Figurenurteil. Sie verschweigt die Folgen des Schweigens nicht, macht aber deutlich, wer das wertende Wort verwendet. Gerade bei spöttischen Bezeichnungen ist diese Zuordnung hilfreich.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- ha·sen·her·zig
- Verwandtes Nomen
- das Hasenherz; die Hasenherzigkeit
Das Wort wird zusammengeschrieben. Hasenherz ist ein Nomen, hasenherzig das zugehörige Adjektiv. Gebeugte Formen sind ein hasenherziger Rückzug und eine hasenherzige Reaktion. Das e in Hasen- bleibt erhalten.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | hasenherziger | hasenherzige | hasenherziges | hasenherzige |
| Genitiv | hasenherzigen | hasenherziger | hasenherzigen | hasenherziger |
| Dativ | hasenherzigem | hasenherziger | hasenherzigem | hasenherzigen |
| Akkusativ | hasenherzigen | hasenherzige | hasenherziges | hasenherzige |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der hasenherzige | die hasenherzige | das hasenherzige | die hasenherzigen |
| Genitiv | des hasenherzigen | der hasenherzigen | des hasenherzigen | der hasenherzigen |
| Dativ | dem hasenherzigen | der hasenherzigen | dem hasenherzigen | den hasenherzigen |
| Akkusativ | den hasenherzigen | die hasenherzige | das hasenherzige | die hasenherzigen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein hasenherziger | eine hasenherzige | ein hasenherziges | keine hasenherzigen |
| Genitiv | eines hasenherzigen | einer hasenherzigen | eines hasenherzigen | keiner hasenherzigen |
| Dativ | einem hasenherzigen | einer hasenherzigen | einem hasenherzigen | keinen hasenherzigen |
| Akkusativ | einen hasenherzigen | eine hasenherzige | ein hasenherziges | keine hasenherzigen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Die Wortbildung verbindet Hase und Herz. Das Herz steht bildlich für die innere Haltung, der Hase für Furchtsamkeit und rasche Flucht. Dieses sprachliche Tierbild ist eine menschliche Zuschreibung und keine genaue Beschreibung jedes Verhaltens von Hasen.
