feige
Form & Grammatik
Adjektiv- Stichwort
- feige
- Worttrennung
- fei·ge
- Komparativ
- feiger
- Superlativ
- am feigsten
Auch feig. Steigerung ohne zusätzliche e-Silbe: feiger, am feigsten. Abwertendes Urteil über Mutlosigkeit oder Hinterhältigkeit; den konkreten Bezug nennen.
Feige bezeichnet abwertend ein als mutlos bewertetes Zurückschrecken vor Gefahr oder Verantwortung. Bei Handlungen kann es außerdem hinterhältig oder gemein bedeuten.
Was bedeutet feige?
Feige ist kein neutraler Ausdruck für Angst. Wer eine Person feige nennt, urteilt, dass sie einer Gefahr oder einer schwierigen Aufgabe auf nicht angemessene Weise ausweicht. Im Vorwurf steckt eine Erwartung: Die Person hätte nach Ansicht des Sprechers Mut zeigen, Verantwortung übernehmen oder zu einer anderen Person stehen sollen. Ob diese Erwartung berechtigt ist, muss gesondert geprüft werden.
Eine gefährliche Handlung abzulehnen, kann vernünftig sein. Ebenso beweist eine sichtbare Angst noch keine Feigheit; jemand kann Angst empfinden und dennoch handeln. In sachlichen Beschreibungen sollte deshalb zuerst benannt werden, wovor eine Figur zurückweicht und welche Möglichkeiten sie besitzt. Ein pauschales Etikett verdeckt diese Unterschiede leicht.
Bei einem feigen Angriff ist nicht unbedingt ein ängstlicher Zustand des Angreifers gemeint. Das Wort kann die Handlung als hinterhältig verurteilen, etwa weil sie die Wehrlosigkeit des Gegenübers ausnutzt. Diese zweite Bedeutung ist besonders in moralischen Urteilen über Taten wichtig. Feig und feige sind Formen desselben Adjektivs; ihre Verwendung begründet keinen Bedeutungsunterschied.
Drei Beispiele für feige
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Obwohl er den eigenen Fehler kannte, schwieg er und ließ seine Kollegin die Verantwortung tragen; sie empfand sein Verhalten als feige.“
Der Vorwurf bezieht sich auf das Ausweichen vor unangenehmen Folgen. Er wird als Wertung der betroffenen Kollegin kenntlich gemacht.
„Sie lehnte den Sprung von der hohen Mauer ab, obwohl die anderen sie deshalb feige nannten.“
Der Satz belegt zunächst Gruppendruck und eine riskante Forderung. Die Beschimpfung ist kein ausreichender Nachweis dafür, dass die Ablehnung unangemessen war.
„Die Gruppe griff den alleinstehenden Jungen von hinten an; der Erzähler bezeichnete den Angriff als feige.“
Hier wird die hinterhältige Art der Tat verurteilt. Über das Angstempfinden der Angreifer sagt die Bezeichnung wenig aus.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Ängstlich
- Beschreibt das Empfinden oder Zeigen von Angst. Feige fügt gewöhnlich eine negative Bewertung des Umgangs damit hinzu.
- Vorsichtig
- Bezeichnet das Beachten möglicher Gefahren. Ein vorsichtiger Verzicht kann gut begründet sein und ist nicht automatisch ein Mangel an Mut.
- Hinterhältig
- Passt zu einer feigen Tat, die eine Schwäche oder Unaufmerksamkeit ausnutzt. Es trifft dagegen nicht jeden Gebrauch von feige im Sinn von mutlos.
Schreibung und Grammatik
Die Grundformen feig und feige sind beide richtig. Vor einem Nomen heißen die Formen ein feiger Rückzug, eine feige Antwort und feiges Verhalten. Die Steigerung lautet feiger, am feigsten. Das Substantiv Feigheit wird großgeschrieben. In „Er war zu feige, den Irrtum zuzugeben“ erläutert die Infinitivgruppe, auf welche Handlung sich der Vorwurf bezieht.
Die Übersicht zu Adjektiven erklärt Beugung und Verwendung im Satz.
Beugung von feige
Die Grundformen feig und feige gehören zum selben Adjektiv. Vor einem Nomen heißt es ein feiger Rückzug und eine feige Antwort; an feige wird kein zweites e angehängt. Der Ausdruck bewertet den Umgang mit Angst oder eine Tat, nicht das bloße Vorhandensein von Angst.
Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.
Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | feiger | feige | feiges | feige |
| Genitiv | feigen | feiger | feigen | feiger |
| Dativ | feigem | feiger | feigem | feigen |
| Akkusativ | feigen | feige | feiges | feige |
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | feige | feige | feige | feigen |
| Genitiv | feigen | feigen | feigen | feigen |
| Dativ | feigen | feigen | feigen | feigen |
| Akkusativ | feigen | feige | feige | feigen |
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | feiger | feige | feiges | feigen |
| Genitiv | feigen | feigen | feigen | feigen |
| Dativ | feigen | feigen | feigen | feigen |
| Akkusativ | feigen | feige | feiges | feigen |
Herkunft und Wortbildung
Zu den älteren Formen gehören mittelhochdeutsch veige und althochdeutsch feigi. Früher war damit auch ein dem Tod verfallener oder verdammter Mensch gemeint. Das heutige Urteil über fehlenden Mut ist von diesem historischen Bedeutungsstand zu unterscheiden.
Verwendung in einer Charakterisierung
Ein eigener Beleg: „Lars fürchtet den Ärger des Vorgesetzten und verschweigt deshalb seine Verantwortung, obwohl dadurch eine Unbeteiligte beschuldigt wird; sein Ausweichen wirkt feige.“ Die Deutung berücksichtigt Motiv, Handlung und Folgen. Wird der Vorwurf nur von einem Gegner erhoben, sollte dessen Sicht nicht ungeprüft zur Aussage der Analyse werden.
Wie sich Textbeleg und Deutung verbinden lassen, erklärt die Anleitung zum Schreiben einer Charakterisierung.
