hochmütig
Form & Grammatik
- Stichwort
- hochmütig
- Worttrennung
- hoch·mü·tig
- Komparativ
- hochmütiger
- Superlativ
- am hochmütigsten
Hochmütig: Von der eigenen Überlegenheit überzeugt und andere entsprechend gering achtend. Hochmütig ist eine kritische Beschreibung einer überheblichen Haltung.
Was bedeutet hochmütig?
Eine hochmütige Person schätzt sich nicht nur positiv ein, sondern stellt sich über andere. Sie hält deren Leistungen, Herkunft oder Urteil für minderwertig und behandelt sie entsprechend. Das Wort zielt deshalb auf ein Gefälle im Selbst- und Fremdbild. Freude über einen Erfolg oder berechtigtes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sind für sich genommen kein Hochmut.
Hochmütig kann ein Auftreten, einen Blick oder eine Äußerung beschreiben. Bei äußeren Merkmalen ist Vorsicht nötig: Ein aufrechter Gang verrät keine Gesinnung. Aussagekräftiger sind abwertende Vergleiche, beanspruchte Sonderrechte oder die erklärte Überzeugung, für gewöhnliche Aufgaben zu gut zu sein.
In einer Erzählung kann das Wort außerdem zum Urteil einer bestimmten Figur gehören. Deren Kränkung oder Rivalität kann die Bewertung färben. Eine gute Analyse unterscheidet daher zwischen dem Vorwurf des Hochmuts und Handlungen, die diesen Vorwurf tatsächlich tragen.
Beispiele und Verwendung
Hochmütig erklärte sie, Arbeiten dieser Art seien nur für weniger begabte Menschen geeignet.
So ist es gemeint: Die eigene Aufwertung erfolgt durch eine pauschale Abwertung anderer.
Er nahm die Auszeichnung stolz entgegen, begegnete den übrigen Teilnehmern aber ohne hochmütige Gesten.
So ist es gemeint: Stolz auf eine Leistung muss kein Überlegenheitsanspruch sein.
Die Nachbarn hielten ihn für hochmütig, weil er selten mit ihnen sprach; seine Gründe kannten sie nicht.
So ist es gemeint: Die Bezeichnung wird als möglicherweise voreiliges Fremdurteil kenntlich.
Typische Verbindungen: hochmütig wirken, ein hochmütiger Blick, hochmütige Worte, sich hochmütig über andere erheben.
Synonyme für hochmütig: passend zum Zusammenhang
Hochmütig verbindet ein überhöhtes Selbstbild mit Geringschätzung anderer. Beim Ersetzen lohnt es sich, zwischen Haltung und sichtbarem Umgang zu unterscheiden. Ein Wort kann die Selbstüberschätzung betonen, ein anderes die abwertende Ansprache. Eine erfolgreiche, selbstbewusste oder auf ihre Arbeit stolze Person ist dadurch noch nicht hochmütig.
| Alternative | Passend bei | Unterschied |
|---|---|---|
| überheblich | Selbstaufwertung gegenüber anderen | Sehr nahe Alternative; die unangemessene eigene Überhöhung wird deutlich. |
| eingebildet | Überhöhte Meinung von der eigenen Person | Alltagsnäher; bezieht sich hier auf Selbstüberschätzung und nicht auf etwas bloß Vorgestelltes. |
| herablassend | Geringschätzige Behandlung eines Gegenübers | Beschreibt besonders, wie die Haltung im Kontakt sichtbar wird. |
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterung.
Erstes Satzpaar
Ausgangssatz: „Hochmütig erklärte sie, die anderen Arbeiten lägen unter ihrem Niveau.“
Alternative: „Überheblich erklärte sie, die anderen Arbeiten lägen unter ihrem Niveau.“
Die pauschale Abwertung begründet beide Wörter. Dass ihre eigene Arbeit tatsächlich besser sei, folgt daraus nicht und wird durch den Austausch auch nicht belegt.
Zweites Satzpaar
Ausgangssatz: „Seine hochmütigen Bemerkungen trafen besonders die neuen Mitglieder.“
Alternative: „Seine herablassenden Bemerkungen trafen besonders die neuen Mitglieder.“
Der zweite Satz stellt den Umgang mit den Angesprochenen stärker heraus. Der Blick verschiebt sich von der allgemeinen Haltung zur Wirkung konkreter Äußerungen.
Grenze des Austauschs: Stolz wäre ohne zusätzliche Erklärung zu neutral. Freude an einer gelungenen Arbeit kann ohne jede Abwertung anderer bestehen. Ebenso beschreibt ehrgeizig ein Streben nach Erfolg und enthält noch keinen Anspruch auf einen höheren menschlichen Wert.
Ein hochmütiger Blick ist eine Deutung des Ausdrucks. Beim Wechsel zu eingebildet sollte man nicht plötzlich unbelegte Gedanken behaupten. Präziser wird der Satz durch eine beobachtbare Äußerung, etwa einen abwertenden Vergleich. So bleibt das negative Urteil am geschilderten Verhalten überprüfbar.
Weitere Abgrenzungen: Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- arrogant
- Liegt sehr nahe; es beschreibt häufig besonders das anmaßende Auftreten, während hochmütig auch die dahinter erkennbare Haltung betont.
- herablassend
- Bezeichnet den Umgang von oben herab, etwa ein Lob, das zugleich geringe Erwartungen offenlegt.
- ehrgeizig
- Bedeutet, nach Leistung oder Erfolg zu streben. Dazu gehört nicht notwendig eine Abwertung anderer.
bescheiden ist ein passender Gegenbegriff, wenn jemand auf übertriebene Selbsterhöhung verzichtet. Unterwürfigkeit ist dafür nicht nötig.
Hochmütig in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Schulgeschichte lehnt Elin es ab, beim Aufbau der Ausstellung zu helfen. Sie erklärt, für das Tragen der Stellwände gebe es schließlich andere, während sie ihre besondere Begabung schonen müsse. Als ein Mitschüler seinen Entwurf zeigt, nennt sie ihn ohne nähere Begründung unter ihrem Niveau.
- Beobachtung: Elin beansprucht aufgrund ihrer Begabung eine Ausnahme und stuft den fremden Entwurf pauschal ab.
- Deutung: Die Verbindung von Selbstaufwertung und Geringschätzung stützt die Beschreibung hochmütig.
- Grenze der Aussage: Nicht ihre tatsächliche Begabung ist das Problem der Szene, sondern der daraus abgeleitete Anspruch auf Vorrang.
Musterformulierung
Elin zeigt sich hochmütig, indem sie ihre Begabung als Begründung für Sonderrechte verwendet und die Arbeit ihres Mitschülers pauschal abwertet. Die Szene stellt damit weniger ihre Fähigkeiten infrage als ihre Vorstellung, diese verliehen ihr einen höheren persönlichen Rang.
Der Absatz bewertet die soziale Haltung, ohne die Fähigkeiten der Figur aus Ärger kleinzureden. Er erklärt genau, wodurch aus einem positiven Selbstbild eine Geringschätzung anderer wird.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- hoch·mü·tig
- Verwandtes Nomen
- der Hochmut
Hochmütig wird zusammengeschrieben und enthält ein ü; das verwandte Nomen lautet dagegen Hochmut. Man schreibt eine hochmütige Bemerkung und er antwortet hochmütig. Mit der Steigerung lässt sich die Stärke einer Haltung oder ihres Ausdrucks vergleichen.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | hochmütiger | hochmütige | hochmütiges | hochmütige |
| Genitiv | hochmütigen | hochmütiger | hochmütigen | hochmütiger |
| Dativ | hochmütigem | hochmütiger | hochmütigem | hochmütigen |
| Akkusativ | hochmütigen | hochmütige | hochmütiges | hochmütige |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der hochmütige | die hochmütige | das hochmütige | die hochmütigen |
| Genitiv | des hochmütigen | der hochmütigen | des hochmütigen | der hochmütigen |
| Dativ | dem hochmütigen | der hochmütigen | dem hochmütigen | den hochmütigen |
| Akkusativ | den hochmütigen | die hochmütige | das hochmütige | die hochmütigen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein hochmütiger | eine hochmütige | ein hochmütiges | keine hochmütigen |
| Genitiv | eines hochmütigen | einer hochmütigen | eines hochmütigen | keiner hochmütigen |
| Dativ | einem hochmütigen | einer hochmütigen | einem hochmütigen | keinen hochmütigen |
| Akkusativ | einen hochmütigen | eine hochmütige | ein hochmütiges | keine hochmütigen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Hochmütig gehört zum Nomen Hochmut. Die heutige Bedeutung ist nicht mit besonders großem Mut gleichzusetzen: Gemeint ist eine überhebliche Einschätzung der eigenen Stellung. Die verwandten Wörter mutig und hochmütig sind deshalb keine austauschbaren Charakterbeschreibungen.
