langmütig
Über längere Zeit sehr geduldig und nachsichtig, auch wenn Schwierigkeiten oder Fehler anderer Anlass zu Ärger geben.
Was bedeutet langmütig?
Langmütig beschreibt eine ausgeprägte, anhaltende Geduld. Eine Person lässt sich durch Verzögerungen, Fehler oder Zumutungen nicht rasch zu Ärger hinreißen und begegnet anderen nachsichtig. Das Adjektiv gehört zum gehobenen Sprachgebrauch. Es kann anerkennend hervorheben, dass jemand auch dann noch ruhig bleibt, wenn eine Situation längst anstrengend geworden ist.
Die Nachsicht ist ein wichtiger Bestandteil. Wer bloß lange an einer eigenen Aufgabe arbeitet, ist zunächst ausdauernd; langmütig passt besonders zum geduldigen Umgang mit etwas, das man ertragen muss, oder mit anderen Menschen. Dabei bedeutet das Wort nicht, dass jede Forderung erfüllt oder jede Grenzüberschreitung dauerhaft hingenommen wird. Eine Person kann geduldig erklären und anschließend eine klare Grenze setzen.
Langmut kann im Text bewundert, aber auch auf die Probe gestellt werden. Der Satz schließlich verlor sie ihre Langmut zeigt eine Grenze des Aushaltens. Wird eine Figur dagegen nur still beschrieben, ist ihre Nachsicht noch nicht belegt: Sie könnte eingeschüchtert sein oder den Konflikt innerlich bereits aufgegeben haben. Die Darstellung ihrer Reaktionen und Gedanken hilft, Geduld von bloßer äußerer Ruhe zu unterscheiden.
Drei Beispiele für langmütig
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Der Werkstattleiter erklärte denselben Handgriff langmütig ein weiteres Mal, obwohl der Lehrling den Fehler erneut gemacht hatte.“
Die wiederholte, ruhige Hilfe zeigt Geduld und Nachsicht gegenüber einem anderen Menschen.
„Sie hörte die umständliche Beschwerde langmütig an, lehnte die unbegründete Forderung anschließend aber klar ab.“
Geduld verlangt keine Zustimmung. Die Person lässt dem Gegenüber Raum und behält dennoch ihren Standpunkt.
„Nach mehreren vergeblichen Absprachen war selbst die langmütige Nachbarin nicht mehr bereit, die nächtliche Störung hinzunehmen.“
Das Beispiel benennt die Grenze einer geduldigen Haltung. Eine spätere deutliche Reaktion widerlegt nicht jede vorausgehende Langmut.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Lammfromm
- Hebt sanftes, gehorsames und widerstandsloses Auftreten hervor. Langmütig betont Geduld und Nachsicht, die mit begründetem Widerspruch vereinbar bleiben.
- Besonnen
- Beschreibt ruhiges, überlegtes Handeln. Langmut betrifft enger das geduldige Ertragen oder nachsichtige Umgehen mit Schwierigkeiten.
- Konfliktmeidend
- Beschreibt das Ausweichen vor Auseinandersetzungen. Eine langmütige Person kann sich einem Konflikt stellen und ihn geduldig austragen.
Schreibung und Grammatik
Langmütig wird mit ü geschrieben. Die Steigerung lautet langmütiger, am langmütigsten. Formen sind ein langmütiger Zuhörer und eine langmütige Antwort. Das Nomen heißt Langmut und enthält u. In er hört langmütig zu wird das Adjektiv adverbial gebraucht. Langmütig ist kein Ersatz für langsam: Die Geduld einer Person legt nicht die Geschwindigkeit ihrer Bewegungen fest.
Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.
Herkunft und Wortbildung
Duden nennt mittelhochdeutsch lancmüetec und althochdeutsch langmuotig. Die ältere Bildung bedeutete geduldig und wird als Lehnübersetzung von spätlateinisch longanimis erklärt. Es handelt sich also um eine nachgebildete Bedeutung in deutschen Bestandteilen. Die heutige Verbindung mit Langmut bewahrt den Bezug auf ausdauernde Geduld und Nachsicht.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur erklärt den Fehler wiederholt, ohne den Lernenden herabzusetzen, und bleibt auch bei einer erneuten Nachfrage freundlich. Ihr Verhalten ist langmütig. Die Analyse sollte die wiederkehrende Belastung und den nachsichtigen Umgang gemeinsam zeigen. Eine einzelne Pause oder ein langsames Sprechtempo würde diese Deutung noch nicht tragen.
Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.
Quellen und weiterführende Seiten
Quellen geprüft am 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.
