leutselig
Form & Grammatik
Adjektiv- Stichwort
- leutselig
- Worttrennung
- leut·se·lig
- Komparativ
- leutseliger
- Superlativ
- am leutseligsten
Die Steigerung vergleicht freundliche Zugänglichkeit. Ein Unterschied in Rang oder Stellung kann den Ton mitprägen; leutselig bedeutet nicht automatisch gleichrangige Vertrautheit.
Im Umgang freundlich, zugewandt und wohlwollend; häufig mit einem spürbaren Unterschied in Rang oder sozialer Stellung.
Was bedeutet leutselig?
Leutselig beschreibt eine verbindliche, zugewandte Freundlichkeit im Umgang mit anderen. Eine Person nimmt Anteil, spricht ungezwungen mit ihrem Gegenüber oder begegnet ihm betont wohlwollend. Häufig fällt das Wort bei Menschen, die eine höhere Stellung haben und sich anderen zugänglich zeigen. Dieser Unterschied kann die Wirkung der Freundlichkeit mitbestimmen.
Die Bezeichnung muss nicht reine Bewunderung ausdrücken. Ein leutseliger Auftritt kann angenehm und herzlich erscheinen, aber auch etwas Gönnerhaftes haben: Jemand gewährt demonstrativ Nähe, während seine übergeordnete Stellung bestehen bleibt. Ob der Text diese Haltung freundlich, ironisch oder kritisch zeichnet, ergibt sich aus Wortwahl und Reaktionen. Eine feste Absicht zur Täuschung gehört nicht zur Bedeutung.
Auch die Empfängerperspektive ist wichtig. Was eine Leitungsperson für zwanglos hält, kann für Mitarbeitende unpassend vertraulich sein. Umgekehrt kann ein bewusst freundlicher Umgang eine tatsächliche Gesprächsbereitschaft zeigen. In einer Charakterisierung lohnt es sich deshalb, freundliche Gesten und den anschließenden Umgang mit Anliegen gemeinsam zu betrachten: Wird zugehört, oder bleibt es bei einer kurzen Inszenierung von Nähe?
Drei Beispiele für leutselig
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Die Vorsitzende begrüßte die Helfer leutselig, fragte nach ihren Familien und setzte sich eine Weile zu ihnen an den Tisch.“
Die Szene zeigt persönliche Freundlichkeit bei erkennbarem Rollenunterschied. Ob sie darüber hinaus Anliegen ernst nimmt, bleibt zunächst offen.
„Er klopfte dem neuen Mitarbeiter leutselig auf die Schulter, ging auf dessen sachliche Frage jedoch nicht ein.“
Die Verbindung macht eine mögliche gönnerhafte Wirkung sichtbar. Die freundliche Geste ersetzt hier kein Zuhören.
„Ihre leutselige Art wirkte auf die Besucher angenehm, weil sie sich Zeit nahm und auch unbequeme Fragen aufmerksam beantwortete.“
Der weitere Umgang stützt einen positiven Eindruck. Leutseligkeit wird nicht automatisch als bloßer Schein gedeutet.
Ähnliche Wörter unterscheiden
- Jovial
- Liegt bei betontem Wohlwollen gegenüber Menschen mit geringerer Stellung sehr nahe. Beide Wörter können einen gönnerhaften Unterton tragen; der konkrete Zusammenhang bestimmt die Wirkung.
- Kumpelhaft
- Betont vertraulich-lockeren Umgang wie unter Kameraden. Leutselig kann dagegen den bestehenden Rangunterschied gerade noch erkennen lassen.
- Entgegenkommend
- Beschreibt die Bereitschaft, Wünsche oder Anliegen anderer zu berücksichtigen. Ein leutseliger Gesprächston beweist dieses praktische Entgegenkommen noch nicht.
Schreibung und Grammatik
Leutselig wird mit einem e im Bestandteil selig geschrieben, nicht mit seelig. Formen sind ein leutseliger Gastgeber und eine leutselige Begrüßung. Die Steigerung lautet leutseliger, am leutseligsten. Das Nomen heißt Leutseligkeit. In jemandem leutselig zuwinken bleibt das Adjektiv ungebeugt und beschreibt die Art der Geste.
Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.
Beugung von leutselig
Eine leutselige Begrüßung wirkt freundlich und zugänglich. Ein möglicher Unterschied in Rang oder Stellung kann den Ton mitbestimmen.
Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.
Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | leutseliger | leutselige | leutseliges | leutselige |
| Genitiv | leutseligen | leutseliger | leutseligen | leutseliger |
| Dativ | leutseligem | leutseliger | leutseligem | leutseligen |
| Akkusativ | leutseligen | leutselige | leutseliges | leutselige |
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | leutselige | leutselige | leutselige | leutseligen |
| Genitiv | leutseligen | leutseligen | leutseligen | leutseligen |
| Dativ | leutseligen | leutseligen | leutseligen | leutseligen |
| Akkusativ | leutseligen | leutselige | leutselige | leutseligen |
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | leutseliger | leutselige | leutseliges | leutseligen |
| Genitiv | leutseligen | leutseligen | leutseligen | leutseligen |
| Dativ | leutseligen | leutseligen | leutseligen | leutseligen |
| Akkusativ | leutseligen | leutselige | leutseliges | leutseligen |
Herkunft und Wortbildung
Duden nennt mittelhochdeutsch liutsælec mit Bedeutungen wie anmutig und zierlich. Der Eintrag beschreibt außerdem die ältere Vorstellung, den Leuten zu gefallen, und den späteren Bezug auf Wohlgesinntheit gegenüber armen Menschen. Die heutige Bedeutung betrifft den freundlichen Umgang; sie enthält keine Aussage, dass soziale Unterschiede dadurch verschwinden.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur begrüßt ihre Mitarbeitenden mit persönlichen Fragen und vertraulichen Gesten, entscheidet über deren Anliegen aber weiterhin allein. Ihr Auftreten ist leutselig und wahrt zugleich den Rangunterschied. Die Analyse sollte beide Seiten zeigen. Ob die Nähe hilfreich, unangemessen oder nur äußerlich wirkt, lässt sich an den Reaktionen und am weiteren Verhalten prüfen.
Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.
