WORTWUCHS | Literaturlexikon

jovial

Bedeutung

Das Adjektiv jovial bedeutet heiter-wohlwollend gesinnt sowie (im Umgang mit Untergebenen oder mit niedriger Stehenden) betont wohlwollend. Das Fremdwort beschreibt somit die Art, sich gönnerhaft, jedoch unter Umständen auch herablassend, gegenüber anderen Menschen zu verhalten. Demzufolge wird ein betont freundliches, wohlwollendes Verhalten bezeichnet, das von oben herab ist und als anerkennend, und in seltenen Fällen als herabwürdigend, wahrgenommen werden kann.

Das Wort kennzeichnet somit einen Vorgesetzten oder einen in Machtfragen jeglicher Art herabschauenden Menschen, welcher seinen Untergebenen gegenüber wohlwollend, allerdings den Rangunterschied dadurch betonend, auftritt. Früher wurde das Wort meist zur Beschreibung männlichen Verhaltens genutzt, wird aber heute sehr wohl auch auf Frauen angewandt.

Beispiele sind etwa freundschaftliches Schulterklopfen sowie das Umarmen von Untergebenen oder auch das Bezahlen der Tischrechnung der Belegschaft. Aus taktischen Überlegungen – etwa in einigen Sekten, um Mitglieder zu gewinnen – wird ein joviales Verhalten mitunter strategisch eingesetzt. Es zielt aber nicht immer auf einen Zweck oder eine Gegenleistung ab.

Wird dieses Wort verwendet, so dient es in vielen Fällen dazu, eine Heiter- und Leichtigkeit von Höhergestellten zu beschreiben, die mit Großzügigkeit in einer Angelegenheit verbunden ist. Somit soll allgemein gesagt werden, dass der Status quo der Macht durch diesen Menschen genutzt wird, um Verbundenheit und Nähe gegenüber einem in der Rangordnung niedriger stehenden Menschen aufzubauen. Das Rollenverhältnis funktioniert nur, wenn sich die joviale Person der höheren Stellung bewusst ist, endet aber, wenn dies nicht der Fall oder die Zielperson durch die Jovialität gekränkt ist oder auf geiche Art reagiert.


Das Adjektiv jovial ist seit dem 18. Jahrhundert im Deutschen belegbar und geht auf die veraltete Form jovialisch zurück, die hierzulande noch im 16. Jahrhundert gebräuchlich war. Seine Bedeutung verweist auf das lateinische Wort Iovialis, das sich mit zu Jupiter gehörend übersetzen lässt. Die Verwendung mit heutiger Bedeutung hat seinen Ursprung in der Astronomie des Mittelalters. Diese schrieb dem Planeten Jupiter, der nach einem römischen Gott benannt ist, die Ursache für menschliche Fröhlichkeit und Heiterkeit zu.

In deutschsprachigen Schriften und im Deutschen taucht das Wort nachweislich ab 1800 auf. In der Folgezeit wurde es bis 1900 gleichmäßig bekannter. Im 20. Jahrhundert nimmt seine Verbreitung extrem zu, sodass es bis nach Ende des Zweiten Weltkrieges seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Die Verbreitung des Begriffs nimmt danach deutlich ab.

Gegenwärtig ist die Bekanntheit auf einem stabilen Niveau – auch wenn es sich um ein seltenes Wort handelt, das aufgrund des fachsprachlichen Charakters vielen nicht geläufig ist.

1. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. dtv, München 1997
2. Quelle: Ngram Viewer

Beispiele

Der Chef ging zu Johannes, grinste ihn an und sagte gänzlich jovial, dass er ihn endlich einmal auf einen Kneipenabend einladen wolle – er mache gute Arbeit, das müsse belohnt werden.
Er war auch jovial und freundlich. Er schlug den Berichterstattern auf die Schulter, und immer war klar: Seine Sprüche sollten eher provozieren, vielleicht schockieren, aber sie waren nicht ganz ernst gemeint.
Thomas Fischermann, "Ab wann ist Diktatur?"
Auch wenn die Tante steinreich war, wie man das so schön sagte, sparte sie nicht mir ihrem Vermögen. Ihre joviale Art zeigt sich darin, dass sie mehrmals im Jahr große und unfassbar teure Geschenke brachte.
Die arme Bevölkerung nahm den Herrscher als besonders jovial wahr: Er besuchte kleine Dörfer, verteilte Brot, feinsten Fisch und große Mengen an Gold. So steht es in der Geschichte.
Da ist zum einen dieser Herr Strohschein, der wie seine Mutter im Krankenhaus arbeitet und ihn immer ganz jovial „Kumpel“ nennt, weil er glaubt, das käme bei Matti ganz gut an.
Rolf Brockschmidt, "Rap gegen Gentrifizierung"

Grammatik

Starke Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativjovialerjovialesjovialejoviale
Genitivjovialenjovialenjovialerjovialer
Dativjovialemjovialemjovialerjovialen
Akkusativjovialenjovialesjovialejoviale
Schwache Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativder
joviale
das
joviale
die
joviale
die
jovialen
Genitivdes
jovialen
des
jovialen
der
jovialen
der
jovialen
Dativdem
jovialen
dem
jovialen
der
jovialen
den
jovialen
Akkusativden
jovialen
das
joviale
die
joviale
die
jovialen
Gemischte Deklination
MaskulinFemininNeutralPlural
Nominativein
jovialer
ein
joviales
eine
joviale
keine
jovialen
Genitiveines
jovialen
eines
jovialen
einer
jovialen
keiner
jovialen
Dativeinem
jovialen
einem
jovialen
einer
jovialen
keinen
jovialen
Akkusativeinen
jovialen
ein
joviales
eine
joviale
keine
jovialen

Synonyme

    • entgegenkommend
    • freundlich
    • gnädig
    • gönnerhaft
    • herablassend
    • leutselig
    • umgänglich
    • von oben herab
    • wohlwollend