missmutig
Missmutig: Schlecht gelaunt, verdrießlich oder von Unzufriedenheit geprägt; eine Stimmung und deren Ausdruck beschreibend.
Was bedeutet missmutig?
Missmutig beschreibt eine gedrückte, unzufriedene Laune. Jemand antwortet knapp, blickt verdrießlich auf eine Aufgabe oder kommentiert eine Verzögerung mit hörbarem Unmut. Das Wort kann einen momentanen Zustand betreffen. Es muss keine dauerhafte Eigenschaft der Person behaupten.
Die schlechte Laune kann einen nachvollziehbaren Anlass haben, etwa Enttäuschung, Müdigkeit oder wiederholte Störungen. Der Anlass entscheidet jedoch nicht allein darüber, wie die Stimmung zum Ausdruck kommt. Ein missmutiger Mensch kann weiterhin hilfsbereit handeln, während ein freundlich wirkender Mensch eine Aufgabe verweigern kann. Stimmung und Entscheidung sind getrennt zu betrachten.
Missmutig bedeutet auch nicht mutlos. Wer missmutig ist, ist schlecht gestimmt; wer mutlos ist, hat wenig Zuversicht oder traut sich etwas nicht mehr zu. Beides kann zusammentreffen, muss es aber nicht. Eine Charakterisierung sollte deshalb prüfen, ob der Text eher Verdruss, Angst, fehlende Hoffnung oder bloße Erschöpfung zeigt.
Beispiele und Verwendung
Nach der dritten Verschiebung sah sie missmutig auf die Anzeigetafel.
So ist es gemeint: Die Stimmung wird mit einer konkreten Enttäuschung verbunden.
Er antwortete missmutig, half aber trotzdem beim Tragen der Kisten.
So ist es gemeint: Unzufriedene Stimmung und hilfsbereites Handeln können zusammengehen.
Sie war über die Panne missmutig, blieb jedoch sicher, das Ziel noch zu erreichen.
So ist es gemeint: Missmut wird von fehlender Zuversicht unterschieden.
Typische Verbindungen: missmutig blicken, missmutig antworten, eine missmutige Stimmung, missmutig werden.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- griesgrämig
- Kann eine ausgeprägt verdrießliche, häufig wiederkehrende Haltung nahelegen. Missmutig eignet sich besonders auch für eine vorübergehende Stimmung.
- bedrückt
- Betont innere Belastung oder Traurigkeit, während missmutig stärker nach Verdruss und Unzufriedenheit klingt.
- Mutlos
- Beschreibt fehlenden Mut oder verlorene Zuversicht. Der ähnliche Wortklang darf die unterschiedlichen Bedeutungen nicht verdecken.
Gut gelaunt, heiter oder zufrieden passt je nach Ursache des Missmuts. Tatkräftiges Handeln allein ist noch kein Gegenbeweis gegen schlechte Laune.
Missmutig in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Bahnhofsszene erfährt Helen, dass ihr Zug erneut später fährt. Sie seufzt, faltet den Fahrplan schroff zusammen und beklagt die verlorene Zeit. Als eine Reisende Schwierigkeiten mit einem schweren Koffer hat, hilft Helen ihr trotzdem und sucht anschließend einen neuen Anschluss.
- Beobachtung: Helens Gesten und Worte zeigen Verdruss über die Verzögerung.
- Deutung: Sie wirkt in dieser Situation missmutig, handelt jedoch weiterhin hilfsbereit und lösungsorientiert.
- Grenze der Aussage: Die Szene belegt keine grundsätzlich schlechte Laune und keinen Verlust ihres Mutes. Ihr Handeln setzt sich trotz der Stimmung fort.
Musterformulierung
Helen reagiert auf die erneute Verspätung missmutig. Ihr Seufzen und die Klage über die verlorene Zeit verdeutlichen den Verdruss. Dass sie einer Reisenden hilft und einen neuen Anschluss sucht, zeigt jedoch, dass ihre schlechte Laune weder Hilfsbereitschaft noch Handlungsfähigkeit aufhebt.
Die Analyse verbindet die Stimmung mit ihrem Anlass und berücksichtigt abweichende Verhaltensmerkmale. Dadurch wird eine momentane Laune nicht zum umfassenden Personenurteil.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- miss·mu·tig
- Verwandtes Nomen
- der Missmut
Missmutig wird mit ss geschrieben. Die hier behandelte Form enthält u, keinen Umlaut. Vor Nomen heißt es eine missmutige Antwort oder mit missmutigem Blick. Die Steigerung vergleicht das Ausmaß der schlechten Laune beziehungsweise ihres erkennbaren Ausdrucks.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | missmutiger | missmutige | missmutiges | missmutige |
| Genitiv | missmutigen | missmutiger | missmutigen | missmutiger |
| Dativ | missmutigem | missmutiger | missmutigem | missmutigen |
| Akkusativ | missmutigen | missmutige | missmutiges | missmutige |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der missmutige | die missmutige | das missmutige | die missmutigen |
| Genitiv | des missmutigen | der missmutigen | des missmutigen | der missmutigen |
| Dativ | dem missmutigen | der missmutigen | dem missmutigen | den missmutigen |
| Akkusativ | den missmutigen | die missmutige | das missmutige | die missmutigen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein missmutiger | eine missmutige | ein missmutiges | keine missmutigen |
| Genitiv | eines missmutigen | einer missmutigen | eines missmutigen | keiner missmutigen |
| Dativ | einem missmutigen | einer missmutigen | einem missmutigen | keinen missmutigen |
| Akkusativ | einen missmutigen | eine missmutige | ein missmutiges | keine missmutigen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Missmutig gehört zum Nomen Missmut und erhält die Adjektivendung -ig. Im heutigen Wortgebrauch bezeichnet Missmut eine verdrießliche Stimmung. Das Adjektiv ist daher nicht als einfache Verneinung von mutig zu verstehen.
