prollig
Prollig ist eine umgangssprachliche, abwertende Bezeichnung für ein als grob, ordinär oder aufdringlich angeberisch empfundenes Auftreten.
Was bedeutet prollig?
Wer ein Verhalten prollig nennt, bewertet es als unfein und unangenehm auffällig. Gemeint sein können lautes Prahlen, grobe Sprüche oder demonstratives Auftreten, das wenig Rücksicht auf andere nimmt. Das Wort vermittelt dabei stärker eine ablehnende Haltung der sprechenden Person als eine präzise Beschreibung einzelner Handlungen.
Der Ausdruck gehört zur Wortfamilie von Proll und trägt soziale Abwertung mit sich. Deshalb darf die Bezeichnung nicht einfach aus Beruf, Einkommen, Kleidung oder Herkunft abgeleitet werden. In einer Textanalyse ist zu prüfen, ob eine Figur sich tatsächlich grob verhält oder ob eine andere Figur bloß ihre eigenen Standes- und Geschmacksvorstellungen zum Maßstab macht.
Beispiele und Verwendung
Sein prolliges Auftreten bestand darin, die Kellnerin anzubrüllen und laut mit seinem Geld zu prahlen.
So ist es gemeint: Der Satz macht die beanstandeten Handlungen sichtbar, statt die Wertung allein stehen zu lassen.
Die Erzählerin findet die auffällige Jacke prollig, obwohl der Träger sich freundlich und zurückhaltend verhält.
So ist es gemeint: Das Beispiel zeigt ein Geschmacksurteil der Erzählerin, keinen Beleg für grobes Verhalten des Trägers.
Mit einem prolligen Spruch versuchte er, die peinliche Stille zu überspielen.
So ist es gemeint: Die Bewertung betrifft eine bestimmte Äußerung. Ob dahinter Unsicherheit, Absicht oder Gewohnheit steht, bleibt offen.
Typische Verbindungen: prollig wirken, ein prolliger Spruch, prolliges Auftreten, sich prollig geben
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- ordinär
- Bezeichnet ebenfalls ein als unfein oder vulgär bewertetes Verhalten und ist weniger deutlich an die Figur des Prolls gebunden.
- derb
- Kann grobe Direktheit auch ohne scharfe soziale Herabsetzung meinen; derber Humor muss nicht prollig bewertet werden.
- angeberisch
- Benannt wird das demonstrative Herausstellen eigener Vorzüge. Prollig kann diesen Zug enthalten, umfasst aber zusätzlich das Urteil über den Stil des Auftretens.
Je nach beanstandetem Verhalten passen höflich, rücksichtsvoll oder unaufdringlich. Ein höheres Einkommen oder formelle Kleidung bilden keine sachlichen Gegenbegriffe.
Prollig in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
Im Zug stellt Ben seine Musik laut an und verspottet die Bitte einer Mitreisenden, leiser zu sein. Seine Begleiterin bezeichnet ihn daraufhin als prollig. Eine andere Person beschreibt dieselbe Situation als rücksichtslos.
- Beobachtung: Ben missachtet eine konkrete Bitte und reagiert mit Spott. Die Bezeichnung prollig stammt von seiner Begleiterin.
- Deutung: Das Verhalten erklärt ihre ablehnende Wertung; rücksichtslos benennt den beobachtbaren Kern genauer.
- Grenze der Aussage: Die Szene belegt keine soziale Herkunft und macht nicht jede Vorliebe Bens zum Zeichen eines bestimmten Menschentyps.
Musterformulierung
Bens Begleiterin bewertet sein Auftreten als prollig, nachdem er die Bitte um leisere Musik verspottet hat. Nachvollziehbar ist vor allem der Vorwurf mangelnder Rücksicht: Er setzt seine Unterhaltung über das Ruhebedürfnis der Mitreisenden. Die abwertende Wortwahl kennzeichnet zugleich die Haltung der Begleiterin und sollte nicht als neutrale soziale Einordnung übernommen werden.
Der Absatz trennt die Äußerung einer Figur von der eigenen Analyse. Er erklärt die Situation genauer und vermeidet es, den abwertenden Ausdruck auf Herkunft oder gesamten Charakter zu übertragen.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- prol·lig
- Verwandtes Nomen
- der Proll
Prollig wird mit Doppel-l und der Endung -ig geschrieben. Vor einem Nomen heißt es ein prolliger Auftritt, nach wirken Der Auftritt wirkt prollig. Steigerungen sind möglich, verstärken jedoch weiterhin ein subjektives und abwertendes Urteil.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | prolliger | prollige | prolliges | prollige |
| Genitiv | prolligen | prolliger | prolligen | prolliger |
| Dativ | prolligem | prolliger | prolligem | prolligen |
| Akkusativ | prolligen | prollige | prolliges | prollige |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der prollige | die prollige | das prollige | die prolligen |
| Genitiv | des prolligen | der prolligen | des prolligen | der prolligen |
| Dativ | dem prolligen | der prolligen | dem prolligen | den prolligen |
| Akkusativ | den prolligen | die prollige | das prollige | die prolligen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein prolliger | eine prollige | ein prolliges | keine prolligen |
| Genitiv | eines prolligen | einer prolligen | eines prolligen | keiner prolligen |
| Dativ | einem prolligen | einer prolligen | einem prolligen | keinen prolligen |
| Akkusativ | einen prolligen | eine prollige | ein prolliges | keine prolligen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Prollig gehört zum Nomen Proll und verwendet die Adjektivendung -ig. Proll wird seinerseits auf Prolo bezogen. Für die heutige Verwendung ist der abwertende soziale Beiklang entscheidend; daraus folgt keine sachliche Beschreibung einer Bevölkerungsgruppe.
