ordinär

Ordinär: In Ausdruck, Benehmen oder Geschmack als grob, unfein oder unangemessen bewertet. Das Wort ist meist abwertend; ältere Texte können damit auch schlicht gewöhnlich meinen.

Was bedeutet ordinär?

Ordinär bewertet heute meist eine Ausdrucksweise oder ein Benehmen als grob und als Verstoß gegen die erwarteten Umgangsformen. Gemeint sein können etwa beleidigende Bemerkungen, derbe Anspielungen oder eine bewusst taktlose Art. Die genauen Erwartungen hängen vom Umfeld ab.

Das Wort enthält ein Urteil über Stil und Angemessenheit. Es darf nicht allein an einer sozialen Herkunft, einem Akzent oder preiswerter Kleidung festgemacht werden. Eine Charakterisierung sollte zeigen, welche Äußerung als ordinär wahrgenommen wird und wer dieses Urteil fällt.

In älteren Texten kann ordinär auch gewöhnlich oder alltäglich bedeuten. Ein als ordinär bezeichnetes Material muss dort nicht geschmacklos sein. Die heutige negative Personenbedeutung darf deshalb nicht automatisch in jede historische Verwendung hineingelesen werden.

Auf den PunktOrdinär ist gewöhnlich eine abwertende Stilbewertung. Der Textzusammenhang entscheidet, ob stattdessen die ältere Bedeutung gewöhnlich vorliegt.

Beispiele und Verwendung

Während der Begrüßung machte er eine ordinäre Anspielung auf das Privatleben der Gastgeberin.

So ist es gemeint: Die Äußerung verletzt den erwarteten Takt der Situation.

Sie empfand die Beschimpfungen als ordinär und brach das Gespräch ab.

So ist es gemeint: Das Urteil wird ausdrücklich einer Person zugeschrieben.

In dem älteren Warenverzeichnis bezeichnet ordinär eine gewöhnliche Ausführung.

So ist es gemeint: Hier ist die historische Lesart ohne den heutigen persönlichen Vorwurf gemeint.

Typische Verbindungen: eine ordinäre Ausdrucksweise, ordinäre Witze, ordinär fluchen, ein Benehmen als ordinär empfinden.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

derb
Kann eine kräftige, wenig feine Ausdrucksweise auch ohne scharfe Abwertung bezeichnen. Ordinär kritisiert sie meist deutlicher.
geschmacklos
Bewertet einen Verstoß gegen Geschmack oder Takt und kann auch Gestaltung betreffen.
ausfallend
Betont eine beleidigende, verletzende Reaktion. Ordinär kann dagegen eine grobe Ausdrucksweise ohne unmittelbaren Streit beschreiben.

Taktvoll und höflich benennen passende Gegenpole beim Umgang mit Menschen. Vornehm betrifft stärker den Stil und ist kein notwendiger Beleg für Rücksicht.

Ordinär in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Empfangsszene erzählt Ralf vor unbekannten Gästen einen Witz über die intime Beziehung der Gastgeberin. Als diese um einen Themenwechsel bittet, wiederholt er die Anspielung noch deutlicher. Eine Freundin bezeichnet sein Benehmen daraufhin als ordinär.

  1. Beobachtung: Ralf macht das Privatleben der Gastgeberin öffentlich zum Witz und setzt dies nach ihrer Bitte fort.
  2. Deutung: Die Bewertung als ordinär ist an der derben Anspielung und dem missachteten Takt der Situation nachvollziehbar.
  3. Grenze der Aussage: Die Aussage betrifft das gezeigte Benehmen. Sie begründet kein Urteil über eine soziale Gruppe oder über Ralfs gesamte Bildung.

Musterformulierung

Ralfs Benehmen wirkt in der Empfangsszene ordinär. Er macht eine derbe Anspielung auf das Privatleben der Gastgeberin und wiederholt sie trotz ihrer Bitte um einen Themenwechsel. Der Vorwurf lässt sich damit an seinem konkreten Umgangston und der missachteten Grenze begründen.

Die Formulierung erklärt das wertende Wort durch beobachtbares Verhalten. Sie verzichtet auf Rückschlüsse aus Herkunft oder gesellschaftlichem Status.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
or·di·när
Verwandtes Nomen
die Ordinärheit

Ordinär wird mit ä geschrieben. Die Endungen werden unmittelbar angefügt: ein ordinärer Witz, eine ordinäre Anspielung. In er spricht ordinär bleibt das Adjektiv ungebeugt.

Grundformordinär
Komparativordinärer
Superlativam ordinärsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativordinärerordinäreordinäresordinäre
Genitivordinärenordinärerordinärenordinärer
Dativordinäremordinärerordinäremordinären
Akkusativordinärenordinäreordinäresordinäre
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder ordinäredie ordinäredas ordinäredie ordinären
Genitivdes ordinärender ordinärendes ordinärender ordinären
Dativdem ordinärender ordinärendem ordinärenden ordinären
Akkusativden ordinärendie ordinäredas ordinäredie ordinären
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein ordinärereine ordinäreein ordinäreskeine ordinären
Genitiveines ordinäreneiner ordinäreneines ordinärenkeiner ordinären
Dativeinem ordinäreneiner ordinäreneinem ordinärenkeinen ordinären
Akkusativeinen ordinäreneine ordinäreein ordinäreskeine ordinären

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Ordinär wurde über französisch ordinaire übernommen, das gewöhnlich bedeutet und auf eine lateinische Wortfamilie zurückgeht. Der ältere neutrale Bedeutungsanteil erklärt, warum historische Texte das Wort anders verwenden können als heutige Personenbeschreibungen.

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