selbstdarstellerisch

Darauf ausgerichtet, die eigene Person und ihre Vorzüge vor anderen zur Geltung zu bringen; als Verhaltensurteil häufig kritisch für übertriebene Eigenwerbung gebraucht.

Was bedeutet selbstdarstellerisch?

Selbstdarstellerisch bezeichnet ein Auftreten, bei dem die Wirkung der eigenen Person auf andere im Mittelpunkt steht. Jemand präsentiert seine Leistungen, Kenntnisse oder besonderen Erfahrungen, um einen bestimmten Eindruck zu erzeugen. Als kritisches Urteil meint das Wort häufig, dass diese Eigenwerbung überhandnimmt: Das eigentliche Thema wird zur Bühne für die Person, die darüber spricht.

Nicht jede Vorstellung eigener Fähigkeiten ist deshalb unangemessen. In einer Bewerbung oder einer vereinbarten Präsentation ist sie ausdrücklich gefragt. Für den kritischen Gebrauch kommt es auf Anlass, Umfang und Verhältnis zur tatsächlichen Leistung an. Selbstdarstellerisches Auftreten kann mit Übertreibungen verbunden sein, muss aber nicht in jedem Fall eine falsche Behauptung enthalten. Auch wahre Angaben können so ausgewählt und wiederholt werden, dass sie vor allem Bewunderung für die eigene Person erzeugen sollen.

Drei Beispiele für selbstdarstellerisch

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Beim Gespräch über den gemeinsamen Ausflug trat er selbstdarstellerisch auf und lenkte jede Erinnerung zu seinen eigenen besonderen Erlebnissen um.“

Die gemeinsame Erzählung wird auf eine Person verengt. Entscheidend ist die wiederholte Verschiebung der Aufmerksamkeit, nicht die Tatsache, dass jemand überhaupt von sich berichtet.

„Ihr Bericht wirkte selbstdarstellerisch, weil sie einen kurzen eigenen Beitrag ausführlich ausmalte und die Arbeit der übrigen Gruppe kaum erwähnte.“

Das ungleiche Verhältnis der Darstellung begründet die Kritik. Dafür muss nicht jede Aussage falsch sein; bereits die Gewichtung erzeugt ein verzerrtes Bild.

„Er stellte seine Erfahrungen im vereinbarten Bewerbungsgespräch klar vor, ohne dass die Zuhörer den Auftritt als selbstdarstellerisch empfanden.“

Der Anlass erlaubt und verlangt eigene Angaben. Das Beispiel zeigt, warum der Vorwurf nicht allein am häufigen Gebrauch des Wortes ich festgemacht werden kann.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Selbstbewusst
Bezeichnet Vertrauen in den eigenen Wert und die eigenen Fähigkeiten. Diese Sicherheit kann ohne dauernde Inszenierung oder Suche nach Aufmerksamkeit auskommen.
Angeberisch
Enthält einen deutlichen Vorwurf des Prahlens. Selbstdarstellerisch richtet den Blick allgemeiner darauf, dass die eigene Wirkung den Auftritt bestimmt.
Kontaktfreudig
Beschreibt Freude am Umgang mit anderen. Kontaktfreude sagt noch nicht, ob jemand vor allem sich selbst präsentiert oder sich ebenso für sein Gegenüber interessiert.

Schreibung und Grammatik

Selbstdarstellerisch wird zusammengeschrieben: ein selbstdarstellerischer Auftritt, eine selbstdarstellerische Rede, selbstdarstellerisches Verhalten. In sie erzählt selbstdarstellerisch steht das Adjektiv adverbial. Die Personenbezeichnungen lauten Selbstdarsteller und Selbstdarstellerin; das zugehörige Substantiv ist Selbstdarstellung. Eine genaue Beschreibung kann stärker auf Selbstdarstellung ausgerichtet lauten, wenn der Grad verglichen werden soll.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Herkunft und Wortbildung

Die Bildung verbindet Selbstdarsteller mit der Adjektivendung -isch. Selbstdarstellung ist die Darstellung der eigenen Person oder Gruppe mit Blick auf ihre Wirkung. Der Wortaufbau erklärt somit den Bezug auf eine Art des Auftretens; die kritische Wertung entsteht besonders dort, wo die Eigenwerbung als übertrieben oder dem Anlass unangemessen erscheint.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Während die Gruppe ein gemeinsames Ergebnis vorstellt, lenkt Henrik jede Nachfrage auf seine eigene Rolle und lässt andere Beiträge verschwinden. Er verhält sich selbstdarstellerisch. Die Analyse kann zeigen, wie Auswahl und Umfang seiner Angaben die Aufmerksamkeit steuern. Ob er bewusst täuscht, wäre eine zusätzliche Behauptung, die einen eigenen Beleg benötigt.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Quellen und weiterführende Seiten

Quellenstand: 1. Oktober 2026. Beispiele und Anwendungshinweise sind eigene redaktionelle Erläuterungen.

Selbstdarstellerisch in der Übersicht der Charaktereigenschaften