tiefgründig
Tiefgründig bedeutet, über das unmittelbar Sichtbare hinaus nach wesentlichen Zusammenhängen, Ursachen oder Bedeutungen zu fragen.
Was bedeutet tiefgründig?
Eine tiefgründige Betrachtung bleibt nicht bei der ersten Erklärung stehen. Sie untersucht etwa, welche Motive eine Handlung tragen, welche Voraussetzungen eine Überzeugung hat oder wie verschiedene Fragen zusammenhängen. Bei Menschen bezeichnet das Wort eine entsprechend gedankenreiche, auf wesentliche Zusammenhänge gerichtete Art.
Schwierige Wörter, ein ernster Ton oder lange Sätze beweisen noch keine Tiefgründigkeit. Entscheidend ist, ob eine Überlegung tatsächlich etwas erschließt. Auch Schweigen kann viele Gründe haben und ist allein kein Beleg. Daneben gibt es eine sachliche Bodenbedeutung: Tiefgründiger Boden ermöglicht ein tiefes Eindringen der Wurzeln. Diese Verwendung ist von der gedanklichen Tiefe zu unterscheiden.
Beispiele und Verwendung
Ihre tiefgründige Frage zielte darauf, warum die Figur Sicherheit höher bewertet als Freiheit.
So ist es gemeint: Die Frage untersucht den grundlegenden Wertkonflikt hinter einzelnen Entscheidungen.
Das Gespräch wurde tiefgründig, als beide ihre unterschiedlichen Vorstellungen von Verantwortung erklärten.
So ist es gemeint: Es geht nun um die Maßstäbe des Handelns und nicht nur um den äußeren Ablauf eines Streits.
Die Rede klang feierlich, blieb aber wenig tiefgründig, weil sie keine ihrer großen Behauptungen erklärte.
So ist es gemeint: Der Satz trennt eindrucksvollen Stil von gedanklicher Erschließung.
Typische Verbindungen: tiefgründige Gedanken, eine tiefgründige Frage, tiefgründig nachdenken, ein tiefgründiges Gespräch, ein tiefgründiger Mensch
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- reflektiert
- Betont das bewusste Prüfen eigener oder fremder Annahmen. Tiefgründig hebt die erreichte Gedankentiefe hervor.
- gründlich
- Bezeichnet sorgfältige und umfassende Bearbeitung. Eine gründliche Auflistung aller Einzelheiten muss noch keine wesentlichen Zusammenhänge erklären.
- philosophisch
- Bezieht sich auf philosophische Fragen oder Denkweisen; nicht jede tiefgründige Alltagsüberlegung ist bereits eine philosophische Untersuchung.
Oberflächlich ist der naheliegende Gegenbegriff. Einfach verständlich bildet keinen Gegensatz: Auch ein klarer kurzer Gedanke kann tiefgründig sein.
Tiefgründig in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
Nach einem Streit über einen verlorenen Schlüssel fragt Milan nicht nur, wer ihn zuletzt hatte. Er bemerkt, dass beide Geschwister vor allem fürchten, als unverantwortlich zu gelten. Im Gespräch verbindet er ihre gegenseitigen Vorwürfe mit dieser gemeinsamen Sorge.
- Beobachtung: Milan untersucht hinter der äußeren Streitfrage ein wiederkehrendes Motiv beider Beteiligten.
- Deutung: Die Verbindung zwischen Vorwürfen und Anerkennungsbedürfnis gibt seiner Betrachtung gedankliche Tiefe.
- Grenze der Aussage: Seine Erklärung bleibt eine Deutung und muss zu den übrigen Äußerungen der Geschwister passen; sie ist nicht allein wegen ihrer Tiefe sicher wahr.
Musterformulierung
Milan betrachtet den Streit tiefgründig. Er beschränkt sich nicht auf die Frage nach dem Schlüssel, sondern erkennt in den gegenseitigen Vorwürfen die gemeinsame Angst, als unverantwortlich zu gelten. Dadurch erschließt er einen möglichen Beweggrund des Konflikts. Die Deutung gewinnt ihre Stärke aus dem Zusammenhang der Äußerungen und bleibt auf weitere Bestätigung angewiesen.
Der Absatz zeigt, welche zusätzliche Ebene die Figur erschließt. Zugleich trennt er gedankliche Tiefe von der Gewissheit, eine fremde Innenwelt vollständig erkannt zu haben.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- tief·grün·dig
- Verwandtes Nomen
- die Tiefgründigkeit
Tiefgründig wird zusammengeschrieben und enthält ü in -gründig. Die regelmäßige Steigerung lautet tiefgründiger, am tiefgründigsten. Eine gebeugte Form ist mit tiefgründigen Fragen. Bei Vergleichen sollte erkennbar sein, welche Zusammenhänge eine Betrachtung zusätzlich erschließt.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | tiefgründiger | tiefgründige | tiefgründiges | tiefgründige |
| Genitiv | tiefgründigen | tiefgründiger | tiefgründigen | tiefgründiger |
| Dativ | tiefgründigem | tiefgründiger | tiefgründigem | tiefgründigen |
| Akkusativ | tiefgründigen | tiefgründige | tiefgründiges | tiefgründige |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der tiefgründige | die tiefgründige | das tiefgründige | die tiefgründigen |
| Genitiv | des tiefgründigen | der tiefgründigen | des tiefgründigen | der tiefgründigen |
| Dativ | dem tiefgründigen | der tiefgründigen | dem tiefgründigen | den tiefgründigen |
| Akkusativ | den tiefgründigen | die tiefgründige | das tiefgründige | die tiefgründigen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein tiefgründiger | eine tiefgründige | ein tiefgründiges | keine tiefgründigen |
| Genitiv | eines tiefgründigen | einer tiefgründigen | eines tiefgründigen | keiner tiefgründigen |
| Dativ | einem tiefgründigen | einer tiefgründigen | einem tiefgründigen | keinen tiefgründigen |
| Akkusativ | einen tiefgründigen | eine tiefgründige | ein tiefgründiges | keine tiefgründigen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Tiefgründig verbindet die Vorstellungen von Tiefe und Grund. Im gedanklichen Gebrauch ist dies ein räumliches Bild für das Vordringen zu wesentlichen Zusammenhängen. Eine konkrete historische Ableitungsfolge zwischen Boden- und Gedankenbedeutung wird hier nicht behauptet.
