tollpatschig
Tollpatschig bedeutet ungeschickt oder unbeholfen in Bewegungen und Handlungen, sodass leicht kleine Missgeschicke entstehen.
Was bedeutet tollpatschig?
Tollpatschigkeit zeigt sich etwa beim Anstoßen an Gegenstände, beim ungeschickten Greifen oder bei schlecht abgestimmten Bewegungen. Das Wort kann auch eine unbeholfene Art des Handelns beschreiben. Häufig ist es leicht spöttisch oder liebevoll gemeint, kann die betroffene Person aber ebenso beschämen.
Ein einzelnes Missgeschick beweist keine feste Eigenschaft. Enge Räume, ungewohnte Aufgaben, Hast oder ungünstig abgestellte Dinge können eine Rolle spielen. Ebenso wenig lässt sich aus tollpatschigem Verhalten auf Intelligenz oder moralischen Charakter schließen. Für eine treffende Beschreibung sollten Art, Häufigkeit und Situation der Missgeschicke genannt werden.
Beispiele und Verwendung
Mit einer tollpatschigen Bewegung stieß er beim Umdrehen den leeren Becher um.
So ist es gemeint: Das Wort beschreibt die mangelnde Abstimmung einer konkreten Bewegung.
Beim ersten Versuch mit den langen Requisiten stellte sich die Gruppe noch tollpatschig an.
So ist es gemeint: Eine ungewohnte Aufgabe erklärt hier einen vorübergehenden Eindruck; nach Übung kann er sich ändern.
Sie nannte ihre eigene Begrüßung tollpatschig, nachdem sie gleichzeitig die Hand und die Tasche angeboten hatte.
So ist es gemeint: Der Ausdruck kann eine selbstironische Beschreibung sozialer Unbeholfenheit sein.
Typische Verbindungen: tollpatschig wirken, sich tollpatschig anstellen, eine tollpatschige Bewegung, ein tollpatschiger Auftritt
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- ungeschickt
- Ist die breitere und oft sachlichere Bezeichnung für fehlende Geschicklichkeit bei einer Aufgabe.
- unbeholfen
- Betont, dass jemand sich in einer Situation nicht sicher zu helfen oder zu bewegen weiß; Missgeschicke müssen nicht eintreten.
- schusselig
- Bezieht sich stärker auf Unaufmerksamkeit und Flüchtigkeit. Tollpatschige Bewegungen können auch bei voller Aufmerksamkeit passieren.
Geschickt, sicher oder gewandt passen je nach Handlung als Gegenbegriffe. Klug und kluges Handeln sind mit körperlicher Tollpatschigkeit vereinbar.
Tollpatschig in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
Bei der ersten Probe mit einem großen Bühnenmantel tritt Oskar auf den Saum und stößt beim Wenden einen Hocker um. Nachdem die Kostümbildnerin den Mantel gekürzt hat, bewegt er sich deutlich sicherer.
- Beobachtung: Die Missgeschicke entstehen beim Umgang mit einem ungewohnten, zu langen Kostüm und nehmen nach dessen Änderung ab.
- Deutung: Oskars anfängliche Bewegungen wirken tollpatschig; die Ursache liegt zumindest teilweise in den Bedingungen.
- Grenze der Aussage: Eine dauerhafte Eigenschaft ist damit nicht belegt. Die Verbesserung spricht gegen eine pauschale Festlegung.
Musterformulierung
Oskar wirkt bei der ersten Mantelprobe tollpatschig, weil er auf den Saum tritt und beim Wenden einen Hocker umstößt. Der weitere Verlauf relativiert diesen Eindruck: Mit dem gekürzten Kostüm bewegt er sich sicher. Die Bezeichnung trifft deshalb vor allem die anfängliche Situation und nicht zwangsläufig seine allgemeine Geschicklichkeit.
Der Absatz nimmt die sichtbaren Missgeschicke ernst und berücksichtigt zugleich die veränderten Bedingungen. So wird ein vorübergehender Eindruck nicht zum unbegründeten Dauerurteil.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- toll·pat·schig
- Verwandtes Nomen
- der Tollpatsch; die Tollpatschigkeit
Tollpatschig wird heute mit Doppel-l geschrieben, ebenso Tollpatsch. Die Steigerung lautet tollpatschiger und am tollpatschigsten. Vor einem Nomen steht etwa eine tollpatschige Bewegung. Die ältere Schreibung mit nur einem l begegnet noch in historischen Texten.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | tollpatschiger | tollpatschige | tollpatschiges | tollpatschige |
| Genitiv | tollpatschigen | tollpatschiger | tollpatschigen | tollpatschiger |
| Dativ | tollpatschigem | tollpatschiger | tollpatschigem | tollpatschigen |
| Akkusativ | tollpatschigen | tollpatschige | tollpatschiges | tollpatschige |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der tollpatschige | die tollpatschige | das tollpatschige | die tollpatschigen |
| Genitiv | des tollpatschigen | der tollpatschigen | des tollpatschigen | der tollpatschigen |
| Dativ | dem tollpatschigen | der tollpatschigen | dem tollpatschigen | den tollpatschigen |
| Akkusativ | den tollpatschigen | die tollpatschige | das tollpatschige | die tollpatschigen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein tollpatschiger | eine tollpatschige | ein tollpatschiges | keine tollpatschigen |
| Genitiv | eines tollpatschigen | einer tollpatschigen | eines tollpatschigen | keiner tollpatschigen |
| Dativ | einem tollpatschigen | einer tollpatschigen | einem tollpatschigen | keinen tollpatschigen |
| Akkusativ | einen tollpatschigen | eine tollpatschige | ein tollpatschiges | keine tollpatschigen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Tollpatschig ist vom Nomen Tollpatsch abgeleitet. Dessen Wortgeschichte führt über ältere Formen zu ungarisch talpas, mit einem Bezug auf einen breiten Fuß beziehungsweise breitfüßiges Auftreten. Die heutige Form wurde wohl von toll und patschen beeinflusst; eine reine Zusammensetzung dieser beiden deutschen Wörter wäre als Herkunftserklärung zu kurz.
