unausgeglichen

Unausgeglichen: Im seelischen Gleichgewicht wenig stabil, etwa zwischen Stimmungen schwankend oder leicht gereizt; in anderen Zusammenhängen auch einen fehlenden Ausgleich bezeichnend.

Was bedeutet unausgeglichen?

Unausgeglichen kann eine Person beschreiben, deren Reaktionen oder Stimmungen wenig gleichmäßig erscheinen. Sie reagiert auf einen kleinen Anlass heftig und kurz darauf wieder gelöst oder wirkt dauerhaft angespannt. Das Wort fasst einen Eindruck zusammen, erklärt aber keine medizinische Ursache.

Es kann ebenso einen vorübergehenden Zustand nach Belastung meinen. Daneben spricht man etwa von unausgeglichenen Konten oder Kräfteverhältnissen; dort geht es nicht um einen Charakter. In einer Analyse sollten Dauer, Anlass und konkrete Reaktionen benannt werden.

Auf den PunktUnausgeglichen ist eine Beschreibung von fehlendem innerem Gleichgewicht. Die Ursache und Dauer bleiben offen.

Beispiele und Verwendung

Nach mehreren schlafarmen Nächten wirkte er gereizt und unausgeglichen.

So ist es gemeint: Der Satz nennt eine mögliche situative Belastung.

Ihre unausgeglichenen Reaktionen machten Absprachen schwierig.

So ist es gemeint: Die Schwankung wirkt sich auf den Umgang aus.

Die Mannschaften waren in ihrer Stärke unausgeglichen.

So ist es gemeint: Hier werden Kräfteverhältnisse verglichen, keine Persönlichkeiten.

Typische Verbindungen: unausgeglichen wirken, ein unausgeglichener Mensch, unausgeglichene Reaktionen, seelisch unausgeglichen.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

launisch
Betont wechselnde Launen und deren Auswirkungen auf andere.
reizbar
Beschreibt das leichte Auslösen von Ärger, ohne zwingend weitere Stimmungsschwankungen einzuschließen.
unbeständig
Ist weiter und kann wechselnde Vorhaben oder Meinungen betreffen.

ausgeglichen ist der direkte Gegenbegriff. Ruhiges Auftreten allein beweist allerdings noch kein inneres Gleichgewicht.

Unausgeglichen in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Erzählung bereitet Ina unter Zeitdruck eine Aufführung vor. Zunächst lacht sie über einen kleinen Versprecher, kurz darauf reagiert sie auf einen ähnlichen Fehler mit einem scharfen Vorwurf. Nach einer Pause entschuldigt sie sich und erklärt, seit Tagen schlecht zu schlafen. Die nächste Probe leitet sie ruhiger.

  1. Beobachtung: Ina reagiert auf ähnliche Fehler auffallend unterschiedlich; später benennt sie eine Belastung und verändert ihr Verhalten.
  2. Deutung: Die wechselnden Reaktionen lassen sie während der Vorbereitung unausgeglichen erscheinen.
  3. Grenze der Aussage: Die Szene liefert keine Diagnose und keinen Beweis einer dauerhaften Wesensart. Ihre Erklärung ist ein Anhaltspunkt, keine vollständige Ursachenklärung.

Musterformulierung

Ina wirkt in der Vorbereitung unausgeglichen, da sie vergleichbare Fehler einmal gelassen und kurz darauf mit einem scharfen Vorwurf beantwortet. Ihre spätere Entschuldigung und die ruhigere nächste Probe begrenzen das Urteil auf die dargestellte Belastungssituation.

Der Absatz stützt die Wertung auf vergleichbare Anlässe und berücksichtigt den Verlauf, statt jede einzelne Gefühlsänderung zu problematisieren.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
un·aus·ge·gli·chen
Verwandtes Nomen
die Unausgeglichenheit

Unausgeglichen wird zusammengeschrieben; das Grundwort lautet ausgeglichen. Beispiele sind ein unausgeglichener Eindruck und unausgeglichene Reaktionen.

Grundformunausgeglichen
Komparativunausgeglichener
Superlativam unausgeglichensten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativunausgeglichenerunausgeglicheneunausgeglichenesunausgeglichene
Genitivunausgeglichenenunausgeglichenerunausgeglichenenunausgeglichener
Dativunausgeglichenemunausgeglichenerunausgeglichenemunausgeglichenen
Akkusativunausgeglichenenunausgeglicheneunausgeglichenesunausgeglichene
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder unausgeglichenedie unausgeglichenedas unausgeglichenedie unausgeglichenen
Genitivdes unausgeglichenender unausgeglichenendes unausgeglichenender unausgeglichenen
Dativdem unausgeglichenender unausgeglichenendem unausgeglichenenden unausgeglichenen
Akkusativden unausgeglichenendie unausgeglichenedas unausgeglichenedie unausgeglichenen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein unausgeglichenereine unausgeglicheneein unausgeglicheneskeine unausgeglichenen
Genitiveines unausgeglicheneneiner unausgeglicheneneines unausgeglichenenkeiner unausgeglichenen
Dativeinem unausgeglicheneneiner unausgeglicheneneinem unausgeglichenenkeinen unausgeglichenen
Akkusativeinen unausgeglicheneneine unausgeglicheneein unausgeglicheneskeine unausgeglichenen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Die Wortbildung verneint ausgeglichen, eine Form von ausgleichen. Im Personenbezug ist ein inneres Gleichgewicht gemeint. Unausgeglichenheit beschreibt das Fehlen dieser Beständigkeit; sie ist nicht schon mit jeder lebhaften Gefühlsäußerung gleichzusetzen.

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