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ausgeglichen

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
ausgeglichen
Worttrennung
aus·ge·gli·chen
Komparativ
ausgeglichener
Superlativ
am ausgeglichensten

Bei ruhiger persönlicher Verfassung sind Abstufungen möglich. Eine rechnerisch ausgeglichene Bilanz ist als sachliche Zuordnung davon zu unterscheiden.

Formen und Verwendung im Detail

Ausgeglichen beschreibt bei Menschen eine ruhige, in sich gefestigte Verfassung. Eine ausgeglichene Person reagiert nicht bei jeder kleinen Veränderung mit starken Stimmungsausschlägen. Daneben kann das Adjektiv einen sachlichen Ausgleich bezeichnen, etwa gleich starke Seiten oder eine ausgeglichene Bilanz.

Was bedeutet ausgeglichen?

Bei der Charakterbeschreibung geht es um das innere Gleichgewicht, soweit der Text es erkennen lässt. Die Figur kann Freude, Ärger oder Trauer erleben und trotzdem insgesamt ausgeglichen erscheinen. Gemeint ist keine völlige Abwesenheit von Gefühlen, sondern ein ruhiger Umgang mit ihnen.

Auch hier sollte eine momentane Verfassung nicht unbemerkt zur unveränderlichen Eigenschaft werden. Heute wirkt sie ausgeglichen beschreibt einen begrenzten Eindruck. Sie ist ein ausgeglichener Mensch beansprucht eine allgemeinere Aussage. Dafür braucht eine Charakterisierung mehrere passende Situationen oder einen eindeutigen, verlässlichen Erzählhinweis.

Drei Beispiele mit Erklärung

Eigene Sprachbeispiele; keine Zitate aus einem literarischen Werk.

„Auch nach der kleinen Panne blieb die Gastgeberin ausgeglichen und suchte ruhig nach einer Lösung.“

Der Umgang mit einem unerwarteten Hindernis macht den Eindruck nachvollziehbar. Ärger muss deshalb nicht völlig fehlen.

„Nach den ruhigen Ferien wirkte er wieder ausgeglichener.“

Der Vergleich beschreibt eine Veränderung der Verfassung. Er erlaubt keine Aussage über deren genaue Ursachen jenseits des Textes.

„Die Begegnung war ausgeglichen, weil beide Mannschaften ähnlich viele Chancen hatten.“

Hier geht es um das Verhältnis zweier Leistungen. Die Bedeutung ist keine psychologische Beschreibung der Beteiligten.

Synonyme für ausgeglichen: passend zum Zusammenhang

Ausgeglichen beschreibt entweder eine ruhige Verfassung oder ein Gleichgewicht zwischen Leistungen und Größen. Bei Menschen können gelassen und innerlich ruhig passen. Bei einem Spiel ist ebenbürtig oft hilfreicher; bei einer Rechnung bleibt der genaue sachliche Bezug entscheidend.

Welches Wort passt zu welcher Aussage?
AlternativePassend beiUnterschied
gelassenRuhigem Umgang mit SchwierigkeitenBetont die Reaktion auf Anforderungen.
innerlich ruhigEiner wenig aufgewühlten VerfassungUmschreibt den persönlichen Zustand.
ebenbürtigEinander entsprechenden LeistungenBezieht sich auf die verglichenen Seiten.
ausgewogenEinem angemessenen Verhältnis verschiedener AnteilePasst zum Aufbau oder zur Verteilung, nicht zu jeder Person.

Eigene Sprachbeispiele: Die Erläuterungen zeigen, was sich beim Ersetzen verändert.

Erstes Satzpaar

Ausgangssatz: „Auch bei der Panne blieb die Gastgeberin ausgeglichen.“

Alternative: „Auch bei der Panne blieb die Gastgeberin gelassen.“

Gelassen legt den Schwerpunkt auf ihren Umgang mit dem Problem. Die allgemeinere Vorstellung einer dauerhaft gleichmäßigen Stimmung tritt zurück.

Zweites Satzpaar

Ausgangssatz: „Das Spiel verlief ausgeglichen.“

Alternative: „Im Spiel waren beide Mannschaften ebenbürtig.“

Die Umformulierung macht die verglichenen Seiten ausdrücklich. Sie behauptet nicht, dass alle Beteiligten innerlich ruhig waren oder das Ergebnis zwingend unentschieden ausfiel.

Hier passt der Austausch nicht: Eine ausgeglichene Rechnung ist keine gelassene Rechnung. Hier geht es um den sachlichen Ausgleich. Ebenso ist gleichgültig bei einer ruhig reagierenden Person meist falsch: Sie kann stark beteiligt sein, ohne die Beherrschung zu verlieren.

Ausgleichend bezeichnet eine aktive Wirkung, ausgeglichen einen Zustand. „Sie wirkt ausgleichend auf die Gruppe“ lässt sich daher nicht ohne Bedeutungswechsel in „Sie ist ausgeglichen“ verwandeln. Die erste Aussage betrifft Vermittlung, die zweite ihre eigene Verfassung.

Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter und Unterschiede
ausgleichend
Wirkt vermittelnd auf Gegensätze oder Konflikte ein. Ausgeglichen beschreibt zunächst die eigene Verfassung.
beherrscht
Hält sichtbare Reaktionen unter Kontrolle. Dahinter kann starke innere Anspannung stehen.
gleichgültig
Misst etwas wenig Bedeutung bei. Eine ausgeglichene Person kann sich sehr engagieren und trotzdem ruhig bleiben.

Mögliche Gegenwörter sind unausgeglichen oder stark schwankend. Lebhaft ist kein notwendiger Gegensatz: Lebendiges Erzählen und innere Ruhe können zusammen auftreten.

In einer Charakterisierung

Für eine Charakterisierung ist entscheidend, wie die gewählte Bezeichnung am Text nachvollziehbar wird. Vergleiche Reaktionen unter verschiedenen Bedingungen. Besonders hilfreich sind Störungen, Enttäuschungen und Konflikte, weil sich daran der Umgang mit Spannungen zeigen kann. Begründe die Eigenschaft über Handlungen und Redeweise, ohne aus bloßem Schweigen auf innere Ruhe zu schließen.

Die Gastgeberin erscheint ausgeglichen: Auf die Panne reagiert sie ruhig, hört den Vorschlägen der anderen zu und setzt die Feier ohne erkennbare Gereiztheit fort.

Eigene Musterformulierung. Im Aufsatz gehört die genaue Textstelle mit Seiten- oder Zeilenangabe dazu.

Herkunft und Wortbildung

Ausgeglichen entspricht dem Partizip II von ausgleichen. Im Eigenschaftsgebrauch beschreibt es einen Zustand des Gleichgewichts. Das verwandte ausgleichend ist dagegen das Partizip I und kann eine aktive Wirkung auf Unterschiede bezeichnen.

Schreibung und Grammatik

Formen sind ein ausgeglichener Mensch, eine ausgeglichene Stimmung, ein ausgeglichenes Wesen. Steigerung: ausgeglichener, am ausgeglichensten. Das Verb lautet gleicht aus, glich aus, hat ausgeglichen. In sie wirkt ausgeglichen bleibt das Adjektiv unverändert.

Die Formen vor einem Nomen richten sich nach Artikel, Fall und Zahl. Mehr dazu erklärt die Übersicht zu Adjektiven und ihrer Verwendung.

Beugungsformen von ausgeglichen

Vor einem Nomen verändert sich die Endung: ein ausgeglichener Mensch, eine ausgeglichene Stimmung, ein ausgeglichenes Wesen. Die Tabellen zeigen die Formen für alle vier Fälle. Ihre Spalten bezeichnen das grammatische Geschlecht des Nomens; der Plural gilt für alle Geschlechter.

Unbestimmter Artikelein ausgeglichener Mensch
Hier trägt das Adjektiv die Endung -er.
Bestimmter Artikelder ausgeglichene Mensch
Mit „der“ lautet die Endung hier -e.
BeugungstabellenDie Formen nach Fall, Geschlecht und Artikel vergleichen.
ausgeglichen: Starke Deklination – ohne Artikel
FallMaskulinum
Singular
Femininum
Singular
Neutrum
Singular
Plural
Nominativausgeglichenerausgeglicheneausgeglichenesausgeglichene
Genitivausgeglichenenausgeglichenerausgeglichenenausgeglichener
Dativausgeglichenemausgeglichenerausgeglichenemausgeglichenen
Akkusativausgeglichenenausgeglicheneausgeglichenesausgeglichene
ausgeglichen: Schwache Deklination – nach der, die, das
FallMaskulinum
Singular
Femininum
Singular
Neutrum
Singular
Plural
Nominativausgeglicheneausgeglicheneausgeglicheneausgeglichenen
Genitivausgeglichenenausgeglichenenausgeglichenenausgeglichenen
Dativausgeglichenenausgeglichenenausgeglichenenausgeglichenen
Akkusativausgeglichenenausgeglicheneausgeglicheneausgeglichenen
ausgeglichen: Gemischte Deklination – nach ein, eine oder kein
FallMaskulinum
Singular
Femininum
Singular
Neutrum
Singular
Plural
Nominativausgeglichenerausgeglicheneausgeglichenesausgeglichenen
Genitivausgeglichenenausgeglichenenausgeglichenenausgeglichenen
Dativausgeglichenenausgeglichenenausgeglichenenausgeglichenen
Akkusativausgeglichenenausgeglicheneausgeglichenesausgeglichenen

Die Formen stehen hier ohne Nomen und ohne Artikel, damit die Endungen leichter vergleichbar sind. Für die gemischte Deklination zeigt der Plural das Muster nach keine oder Possessivwörtern wie meine. Einen Plural des unbestimmten Artikels ein gibt es nicht. Substantivierte Verwendungen werden großgeschrieben.

Kurze Übung: Welche Endung passt? Mit einer ausgeglichen___ Stimmung …

Lösung und Erklärung anzeigen

Lösung: mit einer ausgeglichenen Stimmung. Nach mit steht der Dativ. Im Femininum Dativ lautet die Adjektivendung nach einer -en.

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