unmoralisch
Form & Grammatik
- Stichwort
- unmoralisch
- Worttrennung
- un·mo·ra·lisch
- Komparativ
- unmoralischer
- Superlativ
- am unmoralischsten
Unmoralisch: Den als maßgeblich angesehenen moralischen Grundsätzen widersprechend.
Was bedeutet unmoralisch?
Unmoralisch bewertet ein Verhalten anhand von Vorstellungen darüber, was richtig, gerecht oder verantwortbar ist. Das können begründete Einwände gegen Täuschung, Ausbeutung oder Rücksichtslosigkeit sein. Das Wort bezeichnet jedoch bereits das Ergebnis einer Bewertung und nennt deren Maßstab noch nicht.
Moralische Überzeugungen können sich zwischen Personen, Milieus und Zeiten unterscheiden. Eine Charakterisierung sollte deshalb zeigen, welche Handlung beanstandet wird und wer sie mit welcher Begründung unmoralisch nennt. Die bloße Abweichung von einer Gewohnheit genügt nicht als Begründung.
Beispiele und Verwendung
Sie hielt es für unmoralisch, das Vertrauen des Freundes zum eigenen Vorteil auszunutzen.
So ist es gemeint: Der Satz nennt den missachteten Wert und die konkrete Handlung.
Der Erzähler nennt den Handel unmoralisch, weil die Verkäuferin die Notlage bewusst ausnutzt.
So ist es gemeint: Die Bewertung wird begründet und einer Stimme zugeordnet.
Ein ungewöhnlicher Lebensentwurf ist nicht allein deshalb unmoralisch.
So ist es gemeint: Ungewohntes Verhalten und moralisches Fehlverhalten werden unterschieden.
Typische Verbindungen: unmoralisch handeln, ein unmoralisches Angebot, etwas für unmoralisch halten, moralisch oder unmoralisch.
Synonyme für unmoralisch: passend zum Zusammenhang
Unmoralisch beurteilt Handlungen nach moralischen Maßstäben. Ersatzwörter können eine ethische Bewertung oder gesellschaftliche Missbilligung hervorheben. Welche Handlung kritisiert wird und wessen Maßstab gilt, muss erkennbar bleiben. Das Wort ist keine neutrale Beschreibung einer bloßen Abweichung von Gewohnheiten. Auch ungewöhnliches Verhalten kann gut begründet und moralisch vertretbar sein.
| Alternative | Passender Zusammenhang | Bedeutungsunterschied |
|---|---|---|
| unethisch | Verstoß gegen ethische Maßstäbe | Nahe Alternative, oft mit stärkerem Bezug auf begründete Grundsätze. |
| moralisch verwerflich | Deutlich verurteilte Handlung | Stärker zugespitzt; verlangt eine entsprechend nachvollziehbare Begründung. |
| unanständig | Moralisch oder gesellschaftlich missbilligtes Verhalten | Kann auch bloß Umgangsformen betreffen und ist deshalb nicht immer gleichbedeutend. |
Eigene Satzbeispiele: Was ändert sich?
Ausgangssatz: „Sie hielt es für unmoralisch, das Vertrauen des Freundes auszunutzen.“
Alternative: „Sie hielt es für unethisch, das Vertrauen des Freundes auszunutzen.“
Unethisch erhält die grundsätzliche Bewertung. Der Satz nennt bereits den missachteten Wert, statt lediglich eine persönliche Abneigung gegen den Handelnden auszudrücken.
Ausgangssatz: „Der Erzähler nennt die bewusste Ausnutzung der Notlage unmoralisch.“
Alternative: „Der Erzähler nennt die bewusste Ausnutzung der Notlage moralisch verwerflich.“
Moralisch verwerflich verstärkt die Verurteilung. Die Zuordnung zum Erzähler bleibt wichtig, damit seine Wertung nicht unbemerkt als unstrittiger Kommentar außerhalb der Erzählung erscheint.
Nicht gleichbedeutend: Illegal oder gesetzwidrig bezeichnet einen rechtlichen Maßstab. Moralische und rechtliche Bewertungen sind nicht deckungsgleich. Amoralisch kann dagegen eine fehlende Orientierung an moralischen Gesichtspunkten meinen und ist nicht in jedem Satz austauschbar.
Beim Formulieren: Bei unmoralisch handeln kann gegen den genannten moralischen Grundsatz handeln genauer sein. Die Umschreibung macht deutlich, welcher Grundsatz verletzt wird, anstatt eine umfassende Verurteilung ohne Erklärung stehen zu lassen.
In einer Charakterisierung sollten Wissen, Absicht und konkrete Folgen berücksichtigt werden. Ein bewusst ausgenutztes Vertrauen ist anders zu beurteilen als ein unerkannter Irrtum. Die Begründung trägt das Urteil; ein stärkeres Synonym kann sie nicht ersetzen.
Weitere Abgrenzungen: Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- unethisch
- Liegt nahe und betont oft die Verletzung ausdrücklich begründeter ethischer Maßstäbe.
- unanständig
- Kann moralische Missbilligung, aber auch bloß einen Verstoß gegen gesellschaftliche Umgangsformen ausdrücken.
- gesetzeswidrig
- Bezeichnet einen Verstoß gegen geltendes Recht; moralische und rechtliche Bewertung sind nicht deckungsgleich.
Moralisch vertretbar, verantwortbar und integer können je nach Begründung als Gegenbegriffe dienen.
Unmoralisch in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Geschichte vertraut Mara ihrem Kollegen einen eigenen Entwurf an. Er reicht ihn ohne Namensnennung als seine Arbeit ein und erhält dafür einen Preis. Später erklärt er Mara, sie hätte den Entwurf eben besser schützen müssen. Der Text zeigt ausdrücklich, dass er wusste, von wem die Arbeit stammt.
- Beobachtung: Der Kollege eignet sich eine fremde Leistung an und weist die Verantwortung anschließend der Betroffenen zu.
- Deutung: Sein Handeln kann als unmoralisch gelten, weil er Vertrauen und die berechtigte Anerkennung fremder Arbeit missachtet.
- Grenze der Aussage: Der Absatz sollte diesen Maßstab nennen. Ein pauschales Urteil über jede Seite seines Charakters würde über die Szene hinausgehen.
Musterformulierung
Das Verhalten des Kollegen ist als unmoralisch zu bewerten, weil er Maras Vertrauen ausnutzt und ihre Arbeit bewusst als eigene Leistung ausgibt. Seine spätere Antwort zeigt zudem keine Übernahme von Verantwortung. Die Bewertung stützt sich damit auf Täuschung und fehlende Anerkennung fremder Arbeit, nicht auf eine bloße persönliche Abneigung.
Die moralische Bewertung erhält einen überprüfbaren Bezug; die Analyse ersetzt Begründungen nicht durch Entrüstung.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- un·mo·ra·lisch
- Verwandtes Nomen
- die Unmoral
Es heißt ein unmoralisches Verhalten und wegen unmoralischer Entscheidungen. Die Steigerung vergleicht die Schwere des bewerteten Verstoßes und braucht einen erkennbaren Maßstab.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | unmoralischer | unmoralische | unmoralisches | unmoralische |
| Genitiv | unmoralischen | unmoralischer | unmoralischen | unmoralischer |
| Dativ | unmoralischem | unmoralischer | unmoralischem | unmoralischen |
| Akkusativ | unmoralischen | unmoralische | unmoralisches | unmoralische |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der unmoralische | die unmoralische | das unmoralische | die unmoralischen |
| Genitiv | des unmoralischen | der unmoralischen | des unmoralischen | der unmoralischen |
| Dativ | dem unmoralischen | der unmoralischen | dem unmoralischen | den unmoralischen |
| Akkusativ | den unmoralischen | die unmoralische | das unmoralische | die unmoralischen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein unmoralischer | eine unmoralische | ein unmoralisches | keine unmoralischen |
| Genitiv | eines unmoralischen | einer unmoralischen | eines unmoralischen | keiner unmoralischen |
| Dativ | einem unmoralischen | einer unmoralischen | einem unmoralischen | keinen unmoralischen |
| Akkusativ | einen unmoralischen | eine unmoralische | ein unmoralisches | keine unmoralischen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Unmoralisch verbindet un- mit moralisch. Verneint wird die Übereinstimmung mit moralischen Anforderungen; welche Anforderungen gelten, muss der Zusammenhang klären.
