unanständig

Unanständig: Gegen geltende Vorstellungen von Anstand oder Moral verstoßend; auch für obszöne Äußerungen und umgangssprachlich als Verstärkung gebraucht.

Was bedeutet unanständig?

Unanständig ist eine wertende Bezeichnung. Sie kann rücksichtsloses Verhalten, anstößige Sprache oder einen als moralisch falsch empfundenen Umgang mit anderen betreffen. Welche Grenze verletzt wird, muss aus dem Zusammenhang hervorgehen.

Die Vorstellungen von Anstand unterscheiden sich nach Zeit, Umgebung und Perspektive. Ein Text kann eine Handlung verurteilen, die eine andere Figur unproblematisch findet. In Verbindungen wie unanständig teuer dient das Wort dagegen häufig als starke Übertreibung und meint keine persönliche Charaktereigenschaft.

Auf den PunktBenutze unanständig mit einem benennbaren Maßstab. Der Ausdruck allein erklärt den Vorwurf nicht.

Beispiele und Verwendung

Er fand es unanständig, die vertrauliche Geschichte beim Fest weiterzuerzählen.

So ist es gemeint: Hier geht es um einen Vertrauensbruch.

Die Gastgeberin verbat sich die unanständigen Witze.

So ist es gemeint: Gemeint sind als anstößig empfundene Inhalte.

Für die kleine Reparatur verlangte sie einen unanständig hohen Preis.

So ist es gemeint: Das Wort verstärkt die Kritik am Ausmaß.

Typische Verbindungen: unanständig handeln, ein unanständiger Witz, unanständiges Benehmen, etwas unanständig finden.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

unhöflich
Betrifft vor allem Umgangsformen. Unanständig kann einen umfassenderen moralischen Vorwurf enthalten.
unmoralisch
Betont den Verstoß gegen sittliche Maßstäbe und ist weniger auf Benehmen begrenzt.
vulgär
Beschreibt eine als derb oder grob empfundene Ausdrucksweise; nicht jede Unanständigkeit besteht in solcher Sprache.

Anständig ist der direkte Gegenbegriff. Höfliche Worte allein machen eine ausnutzende Handlung allerdings noch nicht anständig.

Unanständig in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Erzählung vertraut Eva ihrem Bekannten eine missglückte Bewerbung an. Beim nächsten Treffen erzählt er die Geschichte vor der ganzen Gruppe und schmückt sie mit spöttischen Einzelheiten aus. Eva bittet ihn aufzuhören; er lacht weiter. Erst als ein anderer Gast eingreift, wechselt er das Thema.

  1. Beobachtung: Der Bekannte macht eine vertrauliche Information öffentlich und setzt den Spott trotz Evas Bitte fort.
  2. Deutung: Unanständig beschreibt hier den Umgang mit Vertrauen und persönlicher Bloßstellung, nicht bloß einen lockeren Sprachstil.
  3. Grenze der Aussage: Das Urteil benötigt die erkennbare Vertraulichkeit und Evas geäußerte Grenze. Ohne diese Informationen wäre die Situation weniger eindeutig.

Musterformulierung

Der Bekannte verhält sich gegenüber Eva unanständig, indem er eine vertrauliche Mitteilung zur öffentlichen Belustigung verwendet. Dass er trotz ihrer Bitte fortfährt, verschärft den Vertrauensbruch. Die Bewertung richtet sich damit auf sein konkretes Handeln und die missachtete Grenze.

Der Absatz nennt den Maßstab der Kritik: Vertraulichkeit und Rücksicht auf eine ausdrücklich gesetzte Grenze.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
un·an·stän·dig
Verwandtes Nomen
die Unanständigkeit

Unanständig wird mit ä geschrieben. Es heißt ein unanständiger Kommentar und unanständige Bemerkungen. In unanständig teuer bleibt die verstärkende Form ungebeugt.

Grundformunanständig
Komparativunanständiger
Superlativam unanständigsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativunanständigerunanständigeunanständigesunanständige
Genitivunanständigenunanständigerunanständigenunanständiger
Dativunanständigemunanständigerunanständigemunanständigen
Akkusativunanständigenunanständigeunanständigesunanständige
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder unanständigedie unanständigedas unanständigedie unanständigen
Genitivdes unanständigender unanständigendes unanständigender unanständigen
Dativdem unanständigender unanständigendem unanständigenden unanständigen
Akkusativden unanständigendie unanständigedas unanständigedie unanständigen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein unanständigereine unanständigeein unanständigeskeine unanständigen
Genitiveines unanständigeneiner unanständigeneines unanständigenkeiner unanständigen
Dativeinem unanständigeneiner unanständigeneinem unanständigenkeinen unanständigen
Akkusativeinen unanständigeneine unanständigeein unanständigeskeine unanständigen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Das Wort ist eine Verneinung von anständig und gehört zur Familie von Anstand. Es setzt einen Maßstab dafür voraus, welches Verhalten als angemessen gilt. Die Vorsilbe benennt also einen Verstoß gegen diesen Maßstab, nicht die fehlende Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe.

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