unselbständig
Form & Grammatik
- Stichwort
- unselbständig
- Worttrennung
- un·selb·stän·dig
- Komparativ
- unselbständiger
- Superlativ
- am unselbständigsten
Unselbständig: Bei Entscheidungen oder Handlungen stark auf andere angewiesen; außerdem: in einem Abhängigkeitsverhältnis stehend.
Was bedeutet unselbständig?
Unselbständig und unselbstständig sind zulässige Schreibweisen desselben Adjektivs. Im Alltag beschreibt es Menschen, die Aufgaben oder Entscheidungen nicht im erwarteten Maß eigenständig bewältigen. Diese Erwartung muss zu Alter, Erfahrung und konkreten Möglichkeiten passen.
Das bloße Annehmen notwendiger Hilfe belegt keine unselbständige Haltung. Auch Behinderung, fehlender Zugang oder eine neue Aufgabe dürfen nicht als Charaktermangel behandelt werden. In Verbindungen wie unselbständige Arbeit bezeichnet das Wort außerdem ein Beschäftigungsverhältnis und keine persönliche Unfähigkeit.
Beispiele und Verwendung
Bei unbekannten Formularen war er zunächst unselbständig.
So ist es gemeint: Die Beschreibung ist auf eine neue Aufgabe begrenzt.
Sie traf selbst kleine Entscheidungen unselbständig und wartete stets auf Zustimmung.
So ist es gemeint: Das Beispiel betrifft eine wiederkehrende Art des Entscheidens.
Er bezog Einkommen aus unselbständiger Arbeit.
So ist es gemeint: Hier ist eine Beschäftigungsform gemeint, keine Charaktereigenschaft.
Typische Verbindungen: unselbständig handeln, unselbständige Entscheidungen, wirtschaftlich unselbständig, unselbständige Arbeit.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- abhängig
- Ist weiter und kann wirtschaftliche, organisatorische oder persönliche Verhältnisse bezeichnen.
- hilfsbedürftig
- Nennt einen Unterstützungsbedarf, ohne daraus eine fehlende Eigeninitiative abzuleiten.
- unsicher
- Betont fehlendes Zutrauen oder Gewissheit; jemand kann trotzdem eigenständig handeln.
Selbständig beziehungsweise selbstständig, eigenständig und selbstverantwortlich passen je nach Bereich.
Unselbständig in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Geschichte plant Elias mit seiner Schwester einen Flohmarktstand. Obwohl er Preisrahmen und Material kennt, fragt er bei jedem einzelnen Schild nach ihrer Zustimmung und lässt fertige Entscheidungen von ihr wiederholen. Als sie kurz fortgeht, stellt er die Arbeit ein, statt die bereits besprochenen Schritte fortzuführen.
- Beobachtung: Elias sucht auch bei geklärten Kleinigkeiten Bestätigung und setzt bekannte Arbeitsschritte ohne Begleitung nicht fort.
- Deutung: In dieser Aufgabe wirkt er unselbständig, weil sein Handeln eng an die Zustimmung der Schwester gebunden bleibt.
- Grenze der Aussage: Ob Unsicherheit, Gewohnheit oder frühere Erfahrungen dahinterstehen, ist nicht erzählt. Andere Tätigkeiten könnten ihm eigenständig gelingen.
Musterformulierung
Elias handelt beim Vorbereiten des Standes unselbständig. Er verlangt selbst bei bereits geklärten Schritten erneut die Zustimmung seiner Schwester und unterbricht die Arbeit während ihrer Abwesenheit. Die Szene zeigt eine starke Orientierung an ihrer Bestätigung, lässt aber die Ursache und seine Fähigkeiten in anderen Bereichen offen.
Die Bewertung stützt sich auf unnötig wiederholte Bestätigung in einer bekannten Aufgabe, nicht auf Hilfebedarf an sich.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- un·selb·stän·dig
- Verwandtes Nomen
- die Unselbständigkeit
Beide Schreibweisen sind korrekt: unselbständig und unselbstständig. Entsprechend heißen die Formen ein unselbständiger Mensch oder ein unselbstständiger Mensch; innerhalb eines Textes sollte die gewählte Variante einheitlich bleiben.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | unselbständiger | unselbständige | unselbständiges | unselbständige |
| Genitiv | unselbständigen | unselbständiger | unselbständigen | unselbständiger |
| Dativ | unselbständigem | unselbständiger | unselbständigem | unselbständigen |
| Akkusativ | unselbständigen | unselbständige | unselbständiges | unselbständige |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der unselbständige | die unselbständige | das unselbständige | die unselbständigen |
| Genitiv | des unselbständigen | der unselbständigen | des unselbständigen | der unselbständigen |
| Dativ | dem unselbständigen | der unselbständigen | dem unselbständigen | den unselbständigen |
| Akkusativ | den unselbständigen | die unselbständige | das unselbständige | die unselbständigen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein unselbständiger | eine unselbständige | ein unselbständiges | keine unselbständigen |
| Genitiv | eines unselbständigen | einer unselbständigen | eines unselbständigen | keiner unselbständigen |
| Dativ | einem unselbständigen | einer unselbständigen | einem unselbständigen | keinen unselbständigen |
| Akkusativ | einen unselbständigen | eine unselbständige | ein unselbständiges | keine unselbständigen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Die Bildung verneint selbständig beziehungsweise selbstständig. Gemeint ist je nach Zusammenhang fehlende eigenständige Handlungsfähigkeit oder eine organisatorische beziehungsweise wirtschaftliche Abhängigkeit.
