unsicher
Unsicher: Ohne ausreichende Gewissheit, Festigkeit oder Selbstvertrauen; außerdem: mit Risiken verbunden.
Was bedeutet unsicher?
Unsicher kann eine Person sein, die sich wenig zutraut oder nicht weiß, wie sie handeln soll. Ebenso können Wissen, eine Bewegung, ein Ergebnis oder eine Lage unsicher sein. Die Bedeutung reicht daher von innerem Zweifel bis zu äußerer Unbeständigkeit oder Gefahr.
In einer Charakterisierung muss klar werden, ob Unsicherheit nur sichtbar wirkt oder durch Gedanken und Äußerungen belegt ist. Leises Sprechen oder ein zögernder Blick allein verraten keine eindeutige Ursache. Fachliche Unkenntnis, fehlendes Selbstvertrauen und bewusste Vorsicht sind verschiedene Dinge.
Beispiele und Verwendung
Beim ersten Vortrag wirkte sie unsicher.
So ist es gemeint: Der Eindruck ist an eine neue Situation gebunden.
Er war unsicher, ob die Erinnerung stimmte.
So ist es gemeint: Die fehlende Gewissheit betrifft eine Information.
Mit unsicheren Schritten überquerte sie den Steg.
So ist es gemeint: Hier geht es um körperliche Stabilität, nicht notwendig um Persönlichkeit.
Typische Verbindungen: unsicher wirken, sich unsicher fühlen, unsicher sein, ob etwas stimmt, ein unsicherer Schritt.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- ängstlich
- Betont Furcht; Unsicherheit kann auch ohne Angst bestehen.
- unentschlossen
- Beschreibt die fehlende Entscheidung zwischen Möglichkeiten.
- vorsichtig
- Bezeichnet ein bewusstes Berücksichtigen von Risiken und kann auf großer Sicherheit im Urteil beruhen.
Sicher, selbstbewusst, gewiss und stabil bilden je nach Bedeutung den Gegensatz.
Unsicher in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Geschichte stellt Lene erstmals ihre Fotos öffentlich vor. Vor jedem Bild blickt sie zu ihrer Begleiterin und fragt, ob ihre Erklärung verständlich sei. Als eine Besucherin gezielt nach einer Aufnahmetechnik fragt, antwortet Lene ausführlich und klar. Danach kehrt sie zu ihrer leisen, fragenden Sprechweise zurück.
- Beobachtung: Lene sucht wiederholt Bestätigung, kann eine fachliche Frage jedoch sicher beantworten.
- Deutung: Sie wirkt in der öffentlichen Selbstdarstellung unsicher, ohne dass ihr deshalb Fachwissen fehlen muss.
- Grenze der Aussage: Die Szene trennt Auftreten und Kompetenz. Eine allgemeine Unsicherheit in allen Lebensbereichen lässt sich daraus nicht ableiten.
Musterformulierung
Lene erscheint bei der Präsentation unsicher, weil sie ihre Erklärungen wiederholt durch die Begleiterin bestätigen lässt. Ihre präzise Antwort auf die technische Frage zeigt jedoch vorhandenes Wissen. Die Unsicherheit betrifft daher vor allem das öffentliche Auftreten und darf nicht mit fachlicher Unfähigkeit gleichgesetzt werden.
Der Absatz nutzt unterschiedliche Reaktionen, um den Bereich der Unsicherheit genau einzugrenzen.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- un·si·cher
- Verwandtes Nomen
- die Unsicherheit
Es heißt ein unsicherer Blick und mit unsicheren Schritten. Die verbreitete Vergleichsform ist unsicherer.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | unsicherer | unsichere | unsicheres | unsichere |
| Genitiv | unsicheren | unsicherer | unsicheren | unsicherer |
| Dativ | unsicherem | unsicherer | unsicherem | unsicheren |
| Akkusativ | unsicheren | unsichere | unsicheres | unsichere |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der unsichere | die unsichere | das unsichere | die unsicheren |
| Genitiv | des unsicheren | der unsicheren | des unsicheren | der unsicheren |
| Dativ | dem unsicheren | der unsicheren | dem unsicheren | den unsicheren |
| Akkusativ | den unsicheren | die unsichere | das unsichere | die unsicheren |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein unsicherer | eine unsichere | ein unsicheres | keine unsicheren |
| Genitiv | eines unsicheren | einer unsicheren | eines unsicheren | keiner unsicheren |
| Dativ | einem unsicheren | einer unsicheren | einem unsicheren | keinen unsicheren |
| Akkusativ | einen unsicheren | eine unsichere | ein unsicheres | keine unsicheren |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Unsicher verneint sicher. Da sicher Gewissheit, Stabilität, Schutz oder Selbstvertrauen ausdrücken kann, besitzt auch die Verneinung mehrere unterschiedliche Bedeutungen.
