untertänig

Untertänig: Den Willen einer höhergestellten oder mächtigeren Person beflissen als maßgeblich anerkennend.

Was bedeutet untertänig?

Untertänig beschreibt heute meist abwertend eine auffällige Bereitschaft, sich einer Autorität unterzuordnen. Die Person bemüht sich, Wünsche möglichst rasch zu erfüllen, vermeidet Widerspruch und stellt die Rangordnung deutlich heraus. Das geht über gewöhnliche Höflichkeit hinaus.

In älteren Texten und Anredeformeln kann das Wort an tatsächliche Herrschaftsverhältnisse anknüpfen. Eine Charakterisierung muss außerdem unterscheiden, ob die Unterordnung freiwillig erscheint oder durch Abhängigkeit und Angst erzwungen wird.

Auf den PunktUntertänig betont die beflissene Unterordnung unter einen höheren Rang. Respekt allein reicht für dieses abwertende Urteil nicht aus.

Beispiele und Verwendung

Mit untertänigem Eifer erfüllte er jeden beiläufigen Wunsch des Hausherrn.

So ist es gemeint: Die Überordnung einer Person bestimmt sein Verhalten.

Ihre untertänige Antwort vermied selbst einen sachlich nötigen Einwand.

So ist es gemeint: Die Unterordnung verdrängt die eigene Stellungnahme.

Die alte Grußformel klang heute auffallend untertänig.

So ist es gemeint: Sprachliche Formen können eine historische Rangordnung ausdrücken.

Typische Verbindungen: untertänig antworten, untertäniger Eifer, eine untertänige Haltung, sich untertänig zeigen.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

unterwürfig
Ist sehr nah und hebt besonders die demonstrative Selbstunterordnung hervor.
gehorsam
Beschreibt das Befolgen von Anweisungen, ohne notwendig beflissene Selbstherabsetzung einzuschließen.
respektvoll
Achtet andere, lässt aber Widerspruch und eigene Würde zu.

Selbstbewusst, eigenständig und widerspruchsbereit können die dargestellte Haltung kontrastieren.

Untertänig in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte prüft ein Gutsherr die Vorräte. Sein Verwalter merkt, dass eine Zahl falsch vorgelesen wird, widerspricht aber nicht. Stattdessen lobt er die Genauigkeit des Herrn und beeilt sich, die Aufstellung dessen Aussage anzupassen. Der Text zeigt anschließend, dass er die richtige Zahl sehr wohl kennt.

  1. Beobachtung: Der Verwalter ordnet eine bekannte Tatsache der Äußerung des Gutsherrn unter und verstärkt dies durch Lob.
  2. Deutung: Seine Haltung wirkt untertänig, weil die Anerkennung des höheren Rangs wichtiger wird als eine sachliche Korrektur.
  3. Grenze der Aussage: Die Abhängigkeit des Verwalters ist mitzudenken. Ob Angst oder persönliches Vorteilsstreben überwiegt, bleibt offen.

Musterformulierung

Der Verwalter verhält sich untertänig, indem er trotz besseren Wissens die Aussage des Gutsherrn bestätigt und lobt. Sein Verhalten stellt die Rangordnung über die sachliche Richtigkeit. Die Szene lässt jedoch offen, ob vor allem Angst vor Nachteilen oder das Streben nach Gunst hinter dieser Unterordnung steht.

Das Urteil bezieht sich auf die sichtbare Haltung; die mögliche Zwangslage wird nicht als gesichertes Motiv ausgegeben.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
un·ter·tä·nig
Verwandtes Nomen
die Untertänigkeit

Es heißt ein untertäniger Diener und mit untertänigem Gruß. In historischen oder ironischen Formeln begegnet auch untertänigst.

Grundformuntertänig
Komparativuntertäniger
Superlativam untertänigsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativuntertänigeruntertänigeuntertänigesuntertänige
Genitivuntertänigenuntertänigeruntertänigenuntertäniger
Dativuntertänigemuntertänigeruntertänigemuntertänigen
Akkusativuntertänigenuntertänigeuntertänigesuntertänige
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder untertänigedie untertänigedas untertänigedie untertänigen
Genitivdes untertänigender untertänigendes untertänigender untertänigen
Dativdem untertänigender untertänigendem untertänigenden untertänigen
Akkusativden untertänigendie untertänigedas untertänigedie untertänigen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein untertänigereine untertänigeein untertänigeskeine untertänigen
Genitiveines untertänigeneiner untertänigeneines untertänigenkeiner untertänigen
Dativeinem untertänigeneiner untertänigeneinem untertänigenkeinen untertänigen
Akkusativeinen untertänigeneine untertänigeein untertänigeskeine untertänigen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Das Wort ist bereits mittelhochdeutsch als undertænec belegt. Es gehört zur Wortfamilie von untertan und bezeichnet eine Haltung der Unterordnung; es besteht nicht aus einer Verneinung un- und einem selbstständigen Grundwort.

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