unterwürfig

Unterwürfig: Die eigene Unterordnung gegenüber einer anderen Person übermäßig deutlich zeigend.

Was bedeutet unterwürfig?

Unterwürfig ist ein abwertender Ausdruck für eine Haltung, in der jemand sich demonstrativ kleinmacht und den Willen einer anderen Person über den eigenen stellt. Sichtbar werden kann das durch übertriebene Entschuldigungen, ständige Zustimmung oder das Zurücknehmen berechtigter Anliegen.

Das Wort ist stärker als höflich oder respektvoll. Es darf jedoch nicht vorschnell jede vorsichtige Reaktion in einem Machtgefälle abwerten. Abhängigkeit, drohende Nachteile und mögliche Schutzstrategien gehören zur Deutung des Verhaltens.

Auf den PunktUnterwürfig bezeichnet eine auffällige Selbstunterordnung. Die Machtverhältnisse erklären mit, wie frei die Person dabei handeln kann.

Beispiele und Verwendung

Unterwürfig entschuldigte er sich für einen Fehler, den die Chefin selbst gemacht hatte.

So ist es gemeint: Er übernimmt fremde Verantwortung und stellt sich unter die andere Person.

Ihr unterwürfiger Ton passte nicht zu ihrem sachlich berechtigten Anliegen.

So ist es gemeint: Die Art des Vorbringens verkleinert die eigene Position.

Er blieb höflich, ohne unterwürfig zu werden.

So ist es gemeint: Respekt wird von übermäßiger Unterordnung getrennt.

Typische Verbindungen: unterwürfig auftreten, ein unterwürfiger Ton, unterwürfig zustimmen, sich unterwürfig zeigen.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

untertänig
Ist nahe verwandt und betont besonders das beflissene Anerkennen eines höheren Rangs.
devot
Bezeichnet ebenfalls starke Unterordnung; Bedeutung und Wertung hängen zusätzlich vom Zusammenhang ab.
bescheiden
Meint geringe Selbstdarstellung oder Ansprüche und verlangt keine Unterwerfung unter andere.

Selbstbewusst und aufrecht können einen Gegensatz bilden, sofern sie das Vertreten der eigenen berechtigten Position meinen.

Unterwürfig in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte bittet Joris den Veranstalter um die vereinbarte Vergütung. Noch bevor dieser antwortet, entschuldigt Joris sich mehrfach für die Frage und bietet an, auf einen Teil zu verzichten. Als der Veranstalter den Zahlungstermin bestreitet, stimmt Joris sofort zu, obwohl die schriftliche Abmachung vor ihm liegt.

  1. Beobachtung: Joris verkleinert sein berechtigtes Anliegen und gibt eine belegte Position ohne Gegenargument auf.
  2. Deutung: Sein Verhalten wirkt unterwürfig, weil er die Zustimmung des Veranstalters sichtbar über den eigenen Anspruch stellt.
  3. Grenze der Aussage: Der Text nennt seine finanzielle Abhängigkeit nicht näher. Angst vor künftigem Ausschluss ist denkbar, aber nicht als Tatsache zu behaupten.

Musterformulierung

Joris tritt gegenüber dem Veranstalter unterwürfig auf. Er entschuldigt sich für die berechtigte Nachfrage und nimmt seinen Anspruch zurück, obwohl die Abmachung vorliegt. Die Szene zeigt eine deutliche Selbstunterordnung. Welche Abhängigkeiten oder Befürchtungen sie auslösen, bleibt jedoch offen.

Der Absatz benennt das Verhältnis zwischen Anspruch und Auftreten und verzichtet auf eine erfundene innere Ursache.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
un·ter·wür·fig
Verwandtes Nomen
die Unterwürfigkeit

Es heißt eine unterwürfige Haltung und mit unterwürfigen Worten. Die Schreibung enthält ü in würfig.

Grundformunterwürfig
Komparativunterwürfiger
Superlativam unterwürfigsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativunterwürfigerunterwürfigeunterwürfigesunterwürfige
Genitivunterwürfigenunterwürfigerunterwürfigenunterwürfiger
Dativunterwürfigemunterwürfigerunterwürfigemunterwürfigen
Akkusativunterwürfigenunterwürfigeunterwürfigesunterwürfige
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder unterwürfigedie unterwürfigedas unterwürfigedie unterwürfigen
Genitivdes unterwürfigender unterwürfigendes unterwürfigender unterwürfigen
Dativdem unterwürfigender unterwürfigendem unterwürfigenden unterwürfigen
Akkusativden unterwürfigendie unterwürfigedas unterwürfigedie unterwürfigen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein unterwürfigereine unterwürfigeein unterwürfigeskeine unterwürfigen
Genitiveines unterwürfigeneiner unterwürfigeneines unterwürfigenkeiner unterwürfigen
Dativeinem unterwürfigeneiner unterwürfigeneinem unterwürfigenkeinen unterwürfigen
Akkusativeinen unterwürfigeneine unterwürfigeein unterwürfigeskeine unterwürfigen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Unterwürfig geht auf mittelhochdeutsch underwurf für Unterwerfung zurück. Die Wortfamilie verweist auf Unterordnung; der Anfang unter- darf nicht als verneinendes un- abgetrennt werden.

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