verzagt
Form & Grammatik
Adjektiv- Stichwort
- verzagt
- Worttrennung
- ver·zagt
- Komparativ
- verzagter
- Superlativ
- am verzagtesten
Eher gehobener Ausdruck für fehlenden Mut oder Zuversicht. Die Steigerung betrifft diese Haltung; an einer Aufgabe verzagen steht mit Dativ. Versagt gehört zu einem anderen Verb.
Ohne den nötigen Mut oder das Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten; angesichts von Schwierigkeiten entmutigt.
Was bedeutet verzagt?
Verzagt beschreibt eine Person, der Mut oder Selbstvertrauen fehlen, um einer Schwierigkeit zu begegnen. Die Aufgabe erscheint ihr zu groß, ein Rückschlag nimmt ihr die Zuversicht oder sie traut sich den nächsten Schritt nicht mehr zu. Das Wort gehört zu einem eher gehobenen Sprachgebrauch. Im Alltag lassen sich je nach Situation auch entmutigt oder mutlos verwenden.
Verzagt benennt nicht notwendig eine dauerhaft ängstliche Persönlichkeit. Der Zustand kann aus einer bestimmten Erfahrung entstehen und sich durch Ermutigung oder einen neuen Versuch wieder ändern. Wer einen Plan nach sorgfältiger Prüfung ablehnt, ist außerdem nicht schon verzagt. Für dieses Urteil müsste sichtbar sein, dass fehlender Mut oder fehlendes Zutrauen die Reaktion bestimmt.
Drei Beispiele für verzagt
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Nach der dritten Absage saß sie verzagt vor ihren Unterlagen und zweifelte daran, noch eine passende Stelle zu finden.“
Die wiederholte Enttäuschung erklärt den Verlust an Zuversicht. Das Beispiel legt keine feste Eigenschaft für alle Lebensbereiche fest.
„Er antwortete verzagt, dass er sich den Auftritt vor so vielen Menschen nicht zutraue.“
Die Äußerung nennt das fehlende Zutrauen ausdrücklich und stützt damit die Beschreibung des Tons.
„Zunächst wirkte die Gruppe verzagt; als sie die Aufgabe in kleinere Schritte teilte, begann sie wieder zu arbeiten.“
Der weitere Verlauf zeigt eine Veränderung. Eine genaue Darstellung nimmt diese Entwicklung auf.
Synonyme für verzagt: passend zum Zusammenhang
Verzagt stellt fehlenden Mut oder verlorenes Zutrauen heraus. Je nach Situation passt eine Alternative, die den gegenwärtigen Zustand benennt oder den vorausgegangenen Rückschlag betont. Nicht jede vorsichtige Entscheidung ist verzagt: Auch zuversichtliche Menschen können einen Plan nach sorgfältiger Prüfung ablehnen.
| Alternative | Passt bei | Unterschied |
|---|---|---|
| mutlos | fehlenden Mut angesichts einer Schwierigkeit | Ist eine direkte, allgemein verständliche Entsprechung. |
| entmutigt | nachlassende Zuversicht nach einer Erfahrung | Rückt stärker in den Blick, dass etwas den Mut genommen hat. |
| kleinmütig | geringes Zutrauen beim Blick auf eine Herausforderung | Kann wertender und vorwurfsvoller klingen. |
| zaghaft | zögerndes oder wenig entschlossenes Vorgehen | Beschreibt das sichtbare Handeln; verlorene Hoffnung muss nicht der Grund sein. |
Im Satz vergleichen: Die folgenden Beispiele sind eigens formuliert.
Ausgangssatz: Nach der dritten Absage legt sie verzagt die Unterlagen beiseite.
Alternative: Nach der dritten Absage legt sie entmutigt die Unterlagen beiseite.
Entmutigt verbindet ihre Reaktion besonders deutlich mit den vorherigen Absagen. Daraus folgt noch keine dauerhafte Eigenschaft.
Ausgangssatz: Er erklärt verzagt, dass er sich den nächsten Versuch nicht zutraue.
Alternative: Er erklärt mutlos, dass er sich den nächsten Versuch nicht zutraue.
Das ausdrücklich fehlende Zutrauen trägt beide Wörter. Mutlos klingt weniger gehoben und macht die Kernbedeutung unmittelbar zugänglich.
Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
- Zaghaft
- Betont vorsichtiges, zögerliches oder wenig entschlossenes Vorgehen. Verzagt legt stärker den fehlenden oder verlorenen Mut nahe.
- Verzweifelt
- Kann eine sehr weitgehende Hoffnungslosigkeit ausdrücken. Verzagt beschreibt eher den Mangel an Mut und Selbstvertrauen; eine starre Abstufung gilt nicht für jeden Satz.
- Ratlos
- Bedeutet, keinen passenden nächsten Schritt zu wissen. Ratlosigkeit kann auch bei jemandem bestehen, der seinen Mut noch nicht verloren hat.
Schreibung und Grammatik
Verzagt wird mit z und ohne Dehnungs-h geschrieben. Formen sind ein verzagter Blick, eine verzagte Antwort und ein verzagtes Kind. Das Nomen lautet Verzagtheit. Die Grundform des Verbs heißt verzagen; man kann an einer Aufgabe verzagen. Verzagt ist nicht mit versagt, einer Form von versagen, zu verwechseln.
Wie sich Eigenschaftswörter beugen lassen, zeigt die Übersicht der Adjektive.
Beugung von verzagt
Eine verzagte Antwort zeigt fehlenden Mut oder Zuversicht. Das eher gehobene Wort ist von versagt, einer Form des Verbs versagen, zu unterscheiden.
Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.
Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | verzagter | verzagte | verzagtes | verzagte |
| Genitiv | verzagten | verzagter | verzagten | verzagter |
| Dativ | verzagtem | verzagter | verzagtem | verzagten |
| Akkusativ | verzagten | verzagte | verzagtes | verzagte |
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | verzagte | verzagte | verzagte | verzagten |
| Genitiv | verzagten | verzagten | verzagten | verzagten |
| Dativ | verzagten | verzagten | verzagten | verzagten |
| Akkusativ | verzagten | verzagte | verzagte | verzagten |
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | verzagter | verzagte | verzagtes | verzagten |
| Genitiv | verzagten | verzagten | verzagten | verzagten |
| Dativ | verzagten | verzagten | verzagten | verzagten |
| Akkusativ | verzagten | verzagte | verzagtes | verzagten |
Herkunft und Wortbildung
Verzagen ist bereits im Mittelhochdeutschen belegt. Adjektiv und Verb betreffen fehlenden oder schwindenden Mut. Die Nähe zu zaghaft kann beim Verstehen helfen, macht beide Wörter aber nicht überall austauschbar: Ein Zögern kann beispielsweise auch aus begründeter Vorsicht entstehen.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Charakterisierungsbeleg: Nach mehreren misslungenen Versuchen legt die Figur das Werkzeug weg und erklärt, sie werde es ohnehin niemals schaffen. In diesem Moment zeigt sie sich verzagt. Eine Analyse belegt den Zusammenhang zwischen den Rückschlägen und ihrem verlorenen Zutrauen. Gelingt ihr später mit Unterstützung ein neuer Versuch, gehört auch dieser Wandel zur Charakterisierung.
Die Anleitung zur Charakterisierung erklärt, wie sich Beobachtung, Textbeleg und Deutung verbinden lassen.
