weinselig

Weinselig: Durch Weingenuss in eine beschwingte, glückliche oder ausgelassene Stimmung versetzt. Das meist scherzhafte Wort beschreibt eher einen vorübergehenden Zustand als eine feste Charaktereigenschaft.

Was bedeutet weinselig?

Weinselig nennt man eine Stimmung, in der jemand nach dem Genuss von Wein besonders glücklich, gelöst oder beschwingt erscheint. Das Wort verbindet den Anlass mit einer heiteren Bewertung. Es wird häufig scherzhaft gebraucht, etwa für eine gesprächige Runde oder eine plötzlich sehr herzliche Ansprache.

Die Bezeichnung ist weniger neutral als eine genaue Beschreibung des Verhaltens. Sie kann eine Szene freundlich einfärben, aber auch etwas verharmlosen. Ob die Person tatsächlich klar urteilt, Rücksicht nimmt oder sich an das Gespräch erinnert, beantwortet das Wort nicht. Die angenehme Erzählstimmung ist kein Nachweis dafür, dass Alkoholkonsum folgenlos bleibt.

Für eine Charakterisierung ist die Begrenzung auf die Situation wichtig. Eine sonst zurückhaltende Figur kann in einer einzelnen Runde weinselig auftreten. Daraus folgt weder, dass sie immer gesellig ist, noch dass man ihr Wesen jetzt unverstellt erkannt hätte. Interessant ist vielmehr, wie die Szene ihr bisheriges Verhalten verändert und wie andere Figuren darauf reagieren.

Auf den PunktEine Stimmung mit genanntem Anlass, kein vollständiges Persönlichkeitsbild. Prüfe, ob der scherzhafte Ton zur erzählten Situation gehört oder etwas beschönigt.

Beispiele und Verwendung

In weinseliger Stimmung erzählte der Onkel dieselbe Urlaubsgeschichte zum dritten Mal.

So ist es gemeint: Die Formulierung verbindet beschwingtes Auftreten mit einem leicht scherzhaften Blick auf die Wiederholung.

Ihre weinselige Rede klang herzlich, überging aber den Wunsch der Gastgeberin nach Ruhe.

So ist es gemeint: Eine gelöste Stimmung kann trotzdem mit mangelnder Rücksicht zusammenfallen.

Am nächsten Morgen erschien er wieder so wortkarg wie vor dem Fest.

So ist es gemeint: Der Wechsel begrenzt die Aussage über die vorübergehende Ausgelassenheit.

Typische Verbindungen: weinselige Stimmung, eine weinselige Runde, weinselige Reden, weinselig plaudern. Der Ausdruck hat meist einen scherzhaften Beiklang.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

heiter
Bezeichnet eine fröhliche, unbeschwerte Stimmung ohne den besonderen Bezug zum Weingenuss.
gesellig
Beschreibt die Freude am Zusammensein. Geselligkeit setzt keinen Alkoholkonsum voraus.
angetrunken
Benennt den Zustand nach Alkoholkonsum unmittelbarer, ohne zwingend Glück oder Ausgelassenheit hervorzuheben.

Nüchtern bezeichnet im passenden Zusammenhang das Fehlen eines Alkoholrauschs. Ernst, traurig oder schweigsam sind mögliche Kontraste der Stimmung, aber keine genauen Gegenwörter: Auch ein nüchterner Mensch kann sehr heiter sein.

Weinselig in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Familienerzählung spricht der sonst knappe Herr Berg beim Abendessen nach mehreren Gläsern Wein plötzlich lange über gemeinsame Reisen. Er lobt jeden Einfall und unterbricht andere mit weiteren Erinnerungen. Seine Schwester lächelt zunächst, bittet ihn später aber zweimal, die leise sprechende Großmutter ausreden zu lassen.

  1. Beobachtung: Herr Berg wird auffallend gesprächig und überschwänglich; seine Schwester muss an Gesprächsregeln erinnern.
  2. Deutung: Die Szene kann als weinselig beschrieben werden, weil die gelöste Stimmung ausdrücklich mit dem Weingenuss verbunden ist.
  3. Grenze der Aussage: Die vorübergehende Herzlichkeit beweist keine dauernde Offenheit. Der scherzhafte Ausdruck darf außerdem das wiederholte Unterbrechen nicht unsichtbar machen.

Musterformulierung

Herr Berg tritt während des Essens weinselig auf. Sein überschwängliches Lob und die vielen Reisegeschichten unterscheiden sich von seiner sonst knappen Art. Die wiederholten Bitten seiner Schwester zeigen jedoch, dass seine gelöste Stimmung nicht durchgehend als angenehm erlebt wird.

Der Absatz berücksichtigt sowohl den Ton als auch die Wirkung auf andere. Er vermeidet die Behauptung, der vorübergehende Zustand enthülle automatisch den eigentlichen Charakter.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
wein·se·lig
Verwandtes Nomen
die Weinseligkeit

Weinselig wird zusammengeschrieben. Der Bestandteil selig hat nur ein e; weinseelig ist falsch. Vor einem Nomen wird gebeugt: eine weinselige Runde, in weinseliger Stimmung. Die Steigerung beschreibt ein stärker ausgeprägtes Auftreten und keine bestimmte Trinkmenge.

Grundformweinselig
Komparativweinseliger
Superlativam weinseligsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativweinseligerweinseligeweinseligesweinselige
Genitivweinseligenweinseligerweinseligenweinseliger
Dativweinseligemweinseligerweinseligemweinseligen
Akkusativweinseligenweinseligeweinseligesweinselige
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder weinseligedie weinseligedas weinseligedie weinseligen
Genitivdes weinseligender weinseligendes weinseligender weinseligen
Dativdem weinseligender weinseligendem weinseligenden weinseligen
Akkusativden weinseligendie weinseligedas weinseligedie weinseligen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein weinseligereine weinseligeein weinseligeskeine weinseligen
Genitiveines weinseligeneiner weinseligeneines weinseligenkeiner weinseligen
Dativeinem weinseligeneiner weinseligeneinem weinseligenkeinen weinseligen
Akkusativeinen weinseligeneine weinseligeein weinseligeskeine weinseligen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Das Wort ist durchsichtig aus Wein und selig zusammengesetzt. Selig meint hier einen sehr glücklichen oder entrückten Zustand. Die Zusammensetzung benennt den Zusammenhang mit dem Weingenuss; eine religiöse Aussage ist damit in diesem Gebrauch nicht verbunden.

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