weltoffen
Weltoffen: Anderen Lebensweisen, Erfahrungen und Sichtweisen offen und interessiert begegnend. Weltoffenheit bedeutet nicht, jede Auffassung ungeprüft zu übernehmen oder eigene Überzeugungen aufzugeben.
Was bedeutet weltoffen?
Weltoffen beschreibt eine Haltung, die die eigene vertraute Umgebung nicht als einzige mögliche Lebensform betrachtet. Eine Person interessiert sich für Erfahrungen anderer, fragt nach und ist bereit, eigene Selbstverständlichkeiten zu überprüfen. Im Mittelpunkt steht die Begegnung mit dem Ungewohnten, nicht eine möglichst lange Liste bereister Orte.
Weltoffenheit schließt begründete Kritik nicht aus. Wer sich ernsthaft mit einer Sichtweise beschäftigt, kann ihr anschließend widersprechen. Umgekehrt kann eine freundliche Begeisterung für fremde Speisen oder Musik mit sehr pauschalen Urteilen über Menschen einhergehen. Die Haltung zeigt sich deutlicher daran, ob die Beteiligten als einzelne Personen mit unterschiedlichen Erfahrungen ernst genommen werden.
Für eine Charakterisierung eignen sich Szenen, in denen eine Figur Fragen stellt, zuhört oder eine eigene Erwartung korrigiert. Reisen, Sprachkenntnisse und internationale Kontakte können Anlässe dafür sein, sind aber allein kein Beweis. Auch eine ruhige oder zurückhaltende Figur kann ausgesprochen weltoffen handeln.
Beispiele und Verwendung
Sie begegnete dem neuen Nachbarn weltoffen und fragte nach seinen eigenen Erfahrungen, statt ihm feste Gewohnheiten zuzuschreiben.
So ist es gemeint: Interesse richtet sich auf eine Person und nicht auf ein fertiges Bild ihrer Herkunft.
Der Austausch machte die Gruppe weltoffener, weil bisher selbstverständliche Erwartungen besprochen werden mussten.
So ist es gemeint: Beschrieben wird eine Veränderung der Perspektive, nicht nur ein Ortswechsel.
Er hörte der unbekannten Sichtweise aufmerksam zu und widersprach anschließend einem einzelnen Argument.
So ist es gemeint: Begründeter Widerspruch kann mit Offenheit verbunden sein.
Typische Verbindungen: weltoffen sein, weltoffen denken, eine weltoffene Haltung, eine weltoffene Stadt. Bei Orten bezeichnet das Wort häufig ein wahrgenommenes gesellschaftliches Klima.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- aufgeschlossen
- Ist eng verwandt und kann allgemeiner die Bereitschaft zu neuen Ideen oder Erfahrungen beschreiben.
- tolerant
- Betont das Geltenlassen anderer Auffassungen oder Lebensweisen. Weltoffen hebt zusätzlich Interesse und Offenheit für die Begegnung hervor.
- neugierig
- Bezeichnet den Wunsch, etwas zu erfahren. Neugier allein garantiert noch keinen respektvollen Umgang mit den Befragten.
Engstirnig oder gegenüber Fremdem verschlossen kann die Gegenhaltung benennen. Heimatverbunden ist kein Gegenwort: Verbundenheit mit einem Ort und Interesse an anderen Lebensweisen können zusammenbestehen.
Weltoffen in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Schulgeschichte plant eine Klasse ein gemeinsames Essen. Elif fragt zunächst alle nach ihren eigenen Wünschen und Einschränkungen. Als ein Mitschüler meint, er wisse wegen eines Herkunftslandes bereits, was jemand essen werde, bittet sie die betreffende Person selbst um ihre Antwort. Danach sucht die Gruppe eine gemeinsame Lösung.
- Beobachtung: Elif lässt die Beteiligten selbst sprechen und ersetzt pauschale Erwartungen durch Nachfragen.
- Deutung: Ihr Vorgehen wirkt weltoffen, weil sie unterschiedliche Gewohnheiten ernst nimmt, ohne Menschen darauf festzulegen.
- Grenze der Aussage: Die Szene belegt diese Haltung im Umgang mit der Gruppe. Sie erlaubt keine Aussage darüber, wie Elif in jeder politischen oder kulturellen Frage urteilt.
Musterformulierung
Elif begegnet den unterschiedlichen Gewohnheiten der Klasse weltoffen. Sie fragt nach persönlichen Wünschen und korrigiert die vorschnelle Zuordnung eines Mitschülers. Damit richtet sich ihr Interesse auf die Beteiligten selbst und nicht auf ein pauschales Bild ihrer Herkunft.
Der Absatz erklärt die Offenheit durch das Gesprächsverfahren. Die Figur wird nicht allein aufgrund ihres Namens, ihrer Herkunft oder einer Reiseerfahrung bewertet.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- welt·of·fen
- Verwandtes Nomen
- die Weltoffenheit
Weltoffen wird zusammengeschrieben und behält das doppelte f von offen. Formen sind eine weltoffene Haltung und mit weltoffenem Interesse. Die Steigerung kann eine Veränderung der Haltung bezeichnen; sie ist keine feste Rangliste von Menschen oder Herkunftsgruppen.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | weltoffener | weltoffene | weltoffenes | weltoffene |
| Genitiv | weltoffenen | weltoffener | weltoffenen | weltoffener |
| Dativ | weltoffenem | weltoffener | weltoffenem | weltoffenen |
| Akkusativ | weltoffenen | weltoffene | weltoffenes | weltoffene |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der weltoffene | die weltoffene | das weltoffene | die weltoffenen |
| Genitiv | des weltoffenen | der weltoffenen | des weltoffenen | der weltoffenen |
| Dativ | dem weltoffenen | der weltoffenen | dem weltoffenen | den weltoffenen |
| Akkusativ | den weltoffenen | die weltoffene | das weltoffene | die weltoffenen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein weltoffener | eine weltoffene | ein weltoffenes | keine weltoffenen |
| Genitiv | eines weltoffenen | einer weltoffenen | eines weltoffenen | keiner weltoffenen |
| Dativ | einem weltoffenen | einer weltoffenen | einem weltoffenen | keinen weltoffenen |
| Akkusativ | einen weltoffenen | eine weltoffene | ein weltoffenes | keine weltoffenen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Die Bestandteile Welt und offen bilden das Bild einer Offenheit über die eigene vertraute Umgebung hinaus. Die heutige Bedeutung betrifft eine Haltung gegenüber Erfahrungen und Lebensweisen. Sie verlangt weder grenzenlose Zustimmung noch einen bestimmten Lebenslauf.
