Meine Wörter

tolerant

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
tolerant
Worttrennung
to·le·rant
Komparativ
toleranter
Superlativ
am tolerantesten

Formen und Verwendung im Detail

Tolerant ist, wer andere Überzeugungen, Lebensweisen oder Gewohnheiten gelten lässt, auch wenn sie von den eigenen abweichen.

Was bedeutet tolerant?

Toleranz zeigt sich besonders dort, wo jemand eine Auffassung nicht teilt und dennoch den anderen respektvoll behandelt oder ihm Raum für seine Lebensweise lässt. Sie setzt also keine Übereinstimmung voraus. Ein toleranter Mensch kann widersprechen, ohne die Person herabzusetzen oder allein wegen der Abweichung ausschließen zu wollen.

Tolerant bedeutet nicht, jede Handlung gutzuheißen oder jede Grenze aufzugeben. Eine Meinungsverschiedenheit und die Verletzung anderer Menschen sind unterschiedliche Dinge. Ebenso wenig ist Toleranz bloße Gleichgültigkeit: Man kann sich ernsthaft mit einer anderen Position auseinandersetzen und sie trotzdem gelten lassen. In einer Charakterisierung sollte die konkrete Differenz und der Umgang damit erkennbar sein.

Auf den PunktTolerant heißt, Verschiedenheit gelten zu lassen. Zustimmung, Gleichgültigkeit und grenzenloses Dulden sind damit nicht gleichzusetzen.

Beispiele und Verwendung

Obwohl sie die religiöse Überzeugung ihres Freundes nicht teilte, ging sie tolerant mit seinen Gewohnheiten um.

So ist es gemeint: Das Beispiel verbindet eine tatsächliche Differenz mit respektvoller Rücksicht.

Der Vorsitzende reagierte tolerant auf den abweichenden Vorschlag und ließ ihn ausführlich begründen.

So ist es gemeint: Die andere Position erhält Raum, bevor über sie entschieden wird.

Sie war gegenüber unterschiedlichen Lebensweisen tolerant, wies persönliche Beleidigungen aber zurück.

So ist es gemeint: Das Setzen einer Grenze gegen herabsetzendes Verhalten widerspricht der beschriebenen Offenheit nicht.

Typische Verbindungen: tolerant gegenüber anderen, eine tolerante Haltung, tolerant reagieren, tolerant mit Unterschieden umgehen

Synonyme für tolerant: passend zum Zusammenhang

Tolerant bedeutet, Unterschiede gelten zu lassen, auch wenn man die andere Auffassung nicht teilt. Die Alternativen betonen eher geduldiges Dulden, Offenheit gegenüber neuen Gedanken oder Achtung im Umgang. Keine dieser Haltungen verlangt, jede Handlung gutzuheißen oder die eigenen Überzeugungen aufzugeben.

Wortalternativen und ihre Unterschiede
ErsatzwortPasst beiUnterschied
duldsamgeduldigem GeltenlassenBetont das Ertragen oder Nachsehen stärker als eine aktive Auseinandersetzung.
aufgeschlossenBereitschaft zur Beschäftigung mit NeuemGeht über bloßes Dulden hinaus, setzt aber keine spätere Zustimmung voraus.
respektvollachtungsvollem UmgangKann auch bei entschiedenem Widerspruch zutreffen und betrifft nicht nur unterschiedliche Lebensweisen.

Wörter im Satz vergleichen

Die folgenden Satzpaare sind eigene Sprachbeispiele.

Ausgangssatz: „Sie begegnet der ungewohnten Lebensweise tolerant.“
Alternative: „Sie begegnet der ungewohnten Lebensweise aufgeschlossen.“

Aufgeschlossen legt zusätzlich Bereitschaft zum Kennenlernen nahe. Tolerant kann auch zutreffen, wenn sie die Lebensweise weiterhin ablehnt, der anderen Person aber ihren Raum lässt.

Ausgangssatz: „Er reagiert tolerant auf die abweichende Meinung und lässt sie ausführen.“
Alternative: „Er reagiert respektvoll auf die abweichende Meinung und lässt sie ausführen.“

Respektvoll hebt die Art des Umgangs hervor. Dass er die Meinung ausreden lässt, unterstützt beide Beschreibungen. Eine spätere sachliche Widerlegung widerspricht keinem der beiden Wörter.

Hier passt der Austausch nicht: Gleichgültig bedeutet geringe Anteilnahme. Eine tolerante Person kann sich ernsthaft mit einem Unterschied befassen und trotzdem auf Ausgrenzung verzichten. Schweigen allein beweist daher weder Toleranz noch Gleichgültigkeit.

Eine genaue Charakterisierung nennt zuerst den tatsächlichen Unterschied und dann den Umgang damit. Wenn alle ohnehin übereinstimmen, ist Toleranz in dieser Szene kaum sichtbar. Ebenso wenig widerlegt jede Grenze eine tolerante Haltung: Persönliche Herabsetzung zurückzuweisen ist etwas anderes, als eine abweichende Überzeugung allein wegen ihrer Andersartigkeit nicht gelten zu lassen. Die konkrete Handlung trägt das Urteil.

Weitere Abgrenzungen: Synonyme und Bedeutungsunterschiede
aufgeschlossen
Bezeichnet die Bereitschaft, sich auf Neues oder andere Sichtweisen einzulassen. Toleranz kann auch gegenüber etwas bestehen, das man weiterhin ablehnt.
duldsam
Betont das Ertragen oder Dulden und klingt häufig zurückhaltender als eine aktive respektvolle Auseinandersetzung.
respektvoll
Beschreibt die Achtung im Umgang. Tolerant richtet sich besonders auf das Geltenlassen von Unterschieden.

Intolerant ist der direkte Gegenbegriff. Engstirnig kann eine geringe Offenheit für andere Sichtweisen bezeichnen, trifft aber nicht jede Form von Intoleranz.

Tolerant in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer Wohngemeinschaft möchte eine Person bestimmte Feiertage anders verbringen als die übrigen. Ron teilt den Hintergrund nicht, hört die Erklärung aber an und unterstützt eine Absprache, bei der alle ihre Pläne verfolgen können. Über die Überzeugung selbst diskutiert er weiterhin kritisch.

  1. Beobachtung: Ron lässt die abweichende Praxis zu und hilft bei einer gemeinsamen Regelung, obwohl er die Überzeugung nicht teilt.
  2. Deutung: Gerade die Verbindung von Differenz und respektvollem Geltenlassen zeigt Toleranz.
  3. Grenze der Aussage: Die Szene bedeutet nicht, dass Ron jede denkbare Forderung erfüllen müsste oder seine eigene Meinung aufgibt.

Musterformulierung

Ron verhält sich in der Feiertagsfrage tolerant. Er teilt die Überzeugung seines Mitbewohners nicht, unterstützt aber eine Absprache, die dessen Praxis ermöglicht. Seine kritischen Nachfragen richten sich auf den Inhalt, ohne die Person abzuwerten. Toleranz zeigt sich hier somit im Umgang mit einer fortbestehenden Differenz.

Der Absatz benennt sowohl den Unterschied als auch den respektvollen Umgang. Er verwechselt Toleranz nicht mit vollständiger Zustimmung.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
to·le·rant
Verwandtes Nomen
die Toleranz

Tolerant wird mit einem l geschrieben. Die Steigerung lautet toleranter, am tolerantesten. Häufig folgt gegenüber mit Dativ: tolerant gegenüber anderen Menschen. Das Nomen endet auf z: Toleranz.

Grundformtolerant
Komparativtoleranter
Superlativam tolerantesten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativtolerantertolerantetolerantestolerante
Genitivtolerantentolerantertolerantentoleranter
Dativtolerantemtolerantertolerantemtoleranten
Akkusativtolerantentolerantetolerantestolerante
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder tolerantedie tolerantedas tolerantedie toleranten
Genitivdes tolerantender tolerantendes tolerantender toleranten
Dativdem tolerantender tolerantendem tolerantenden toleranten
Akkusativden tolerantendie tolerantedas tolerantedie toleranten
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein tolerantereine toleranteein toleranteskeine toleranten
Genitiveines toleranteneiner toleranteneines tolerantenkeiner toleranten
Dativeinem toleranteneiner toleranteneinem tolerantenkeinen toleranten
Akkusativeinen toleranteneine toleranteein toleranteskeine toleranten

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Tolerant ist über französisch tolérant beziehungsweise lateinisch tolerans mit tolerare verbunden. In der Wortgeschichte stehen Dulden und Ertragen. Der heutige Gebrauch kann darüber hinaus einen respektvollen Umgang mit Verschiedenheit betonen.

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