zäh

Zäh: Bei Widerständen ausdauernd und schwer zum Aufgeben zu bringen; außerdem: fest, schwer verformbar oder nur langsam vorankommend.

Was bedeutet zäh?

Zäh beschreibt Stoffe, Abläufe und Menschen. Bei einer Person stehen Widerstandskraft und beharrliches Durchhalten im Mittelpunkt. Sie setzt sich auch nach Rückschlägen weiter mit einer Aufgabe auseinander oder hält Belastungen lange stand.

Die Wertung hängt vom Gegenstand ab. Zähes Durchhalten kann anerkennenswert sein, zähes Festhalten an einer widerlegten Behauptung dagegen hinderlich. Ein zäher Verlauf bedeutet zudem nicht, dass die Beteiligten besonders ausdauernd sind, sondern kann bloß schleppendes Vorankommen bezeichnen.

Auf den PunktZäh verbindet die Vorstellung von Widerstand mit Ausdauer. Bei Abläufen kann das gleiche Wort mühsame Langsamkeit meinen.

Beispiele und Verwendung

Zäh arbeitete sie sich durch die beschädigten Aufzeichnungen.

So ist es gemeint: Die Person bleibt trotz Schwierigkeiten an der Aufgabe.

Die Verhandlungen verliefen zäh.

So ist es gemeint: Der Ablauf kommt nur langsam voran.

Das Material war biegsam, aber erstaunlich zäh.

So ist es gemeint: Hier geht es um eine stoffliche Eigenschaft.

Typische Verbindungen: zäh durchhalten, zäh um etwas ringen, ein zäher Verhandlungspartner, zäh vorankommen.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

ausdauernd
Betont die lange Fortsetzung einer Tätigkeit.
beharrlich
Richtet den Blick auf das beständige Verfolgen eines Ziels.
stur
Bewertet das Festhalten trotz guter Gegengründe meist negativ.

Schnell aufgebend und wenig widerstandsfähig passen zur Person; flüssig oder zügig zum Ablauf.

Zäh in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte versucht Amina, ein beschädigtes Familienalbum zu ordnen. Mehrere Namen lassen sich zunächst nicht zuordnen. Sie fragt Verwandte, vergleicht Rückseiten und legt unklare Bilder für eine spätere Runde beiseite. Nach mehreren erfolglosen Anrufen findet sie schließlich eine Person, die zwei Aufnahmen erklären kann.

  1. Beobachtung: Amina setzt ihre Suche nach wiederholten Misserfolgen fort und wechselt dabei sinnvoll die Informationswege.
  2. Deutung: Sie zeigt sich zäh, weil Hindernisse ihren Einsatz nicht sofort beenden.
  3. Grenze der Aussage: Die offenen Bilder zeigen zugleich Grenzen. Ausdauer garantiert keine vollständige Lösung.

Musterformulierung

Amina erweist sich bei der Rekonstruktion als zäh. Sie verfolgt offene Fragen trotz erfolgloser Anrufe weiter und sucht unterschiedliche Anhaltspunkte. Ihre Ausdauer führt zu Teilergebnissen, ohne jede Lücke zu schließen. Das Wort beschreibt damit ihr Durchhalten und keinen sicheren Erfolg.

Die Deutung verbindet Beharrlichkeit mit beobachteten Rückschlägen und vermeidet eine Erfolgsgarantie.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
zäh
Verwandtes Nomen
die Zähigkeit

Es heißt ein zäher Mensch und mit zähem Einsatz. Neben zäh begegnet die Grundform zähe. Der Superlativ kann am zähesten oder am zähsten lauten.

Grundformzäh
Komparativzäher
Superlativam zähesten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativzäherzähezäheszähe
Genitivzähenzäherzähenzäher
Dativzähemzäherzähemzähen
Akkusativzähenzähezäheszähe
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder zähedie zähedas zähedie zähen
Genitivdes zähender zähendes zähender zähen
Dativdem zähender zähendem zähenden zähen
Akkusativden zähendie zähedas zähedie zähen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein zähereine zäheein zäheskeine zähen
Genitiveines zäheneiner zäheneines zähenkeiner zähen
Dativeinem zäheneiner zäheneinem zähenkeinen zähen
Akkusativeinen zäheneine zäheein zäheskeine zähen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Das Wort ist als mittelhochdeutsch zæhe und althochdeutsch zāhi belegt. Seine weiter zurückliegende Herkunft ist ungeklärt. Stoffliche Widerstandsfähigkeit und menschliches Durchhalten bilden heute unterschiedliche Verwendungsbereiche.

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