Henne in der Fabel: Eigenschaften und verständliche Beispiele
Fabeltiere verstehen · Henne
Die Henne in der Fabel kann fürsorglich sein, sich aber auch vorschnell über andere erheben. Bei Gellert beurteilt sie in Die Biene und die Henne fremde Arbeit nach dem äußeren Eindruck. In Die junge Ente sorgt sie sich dagegen um ein Tier, dessen Fähigkeiten sie nicht richtig einschätzt. Beide Geschichten zeigen, dass ein verständlicher Ausgangspunkt zu einem unzutreffenden Urteil führen kann.
Welche Eigenschaften hat die Henne als Tierfigur?
Die folgende Übersicht bezieht die Eigenschaftswörter auf die unten erklärten Texte. Verwende ein Wort erst dann, wenn du das zugehörige Verhalten im Text zeigen kannst.
| Eigenschaft / Rolle | Woran erkennbar? | Genau einordnen |
|---|---|---|
| selbstgefällig | Die Henne stellt ihre Eier als nützliche Leistung heraus. | Sie benutzt die eigene Arbeit als Maßstab für die Biene. |
| vorschnell urteilend | Sie hält das Fliegen zu den Blumen für Vergnügen. | Sie erkennt den Zweck des Sammelns nicht. |
| fürsorglich, aber fehlgehend | Die brütende Henne sorgt sich in Die junge Ente um das schwimmende Jungtier. | Ihre Sorge ist echt; ihre Einschätzung des Wassers passt nicht zur Ente. |
Name, Bezeichnung und Herkunft
Goethes Reineke Fuchs nennt die Henne Kratzefuß. Sie ist Hennings Tochter und wird als von Reineke getötete Figur zum Hof gebracht. Das ist eine andere Geschichte als Gellerts Streit zwischen Henne und Biene. Henne bezeichnet ein weibliches Huhn; Glucke hebt die Rolle beim Brüten oder Führen der Küken hervor. Diese Wörter sind deshalb nicht in jeder Situation austauschbar.
Gellert: Die Biene und die Henne
Handlung in eigenen Worten wiedergegeben; keine wörtliche Textwiedergabe.
Die Henne wirft der Biene vor, sich nur zu vergnügen. Sie sieht sie auf Blumen sitzen und von Blüte zu Blüte fliegen. Dieses Verhalten deutet sie als Müßiggang. Dagegen präsentiert sie das eigene Eierlegen als nützliche Tätigkeit. Die Biene widerspricht: Das Sammeln dient der Herstellung von Honig. Ihre Arbeit ist nicht deshalb wertlos, weil sie weniger Aufsehen darum macht. Als Beleg verweist sie auf den Bienenstock und das Ergebnis der gemeinsamen Tätigkeit.
Gellert belässt es nicht bei einem Vergleich zweier Tierberufe. Im Schluss wird die Biene auf die Dichtkunst bezogen. Die Fabel verteidigt damit auch eine Leistung, deren Nutzen ein selbstsicherer Spötter nicht versteht. Die Henne steht in diesem Text für ein beschränktes Urteil über fremde Arbeit, nicht für eine zuverlässige Prüfung ihrer Qualität.
Was zeigt das Beispiel?
Der Fehler liegt im Übergang von der Wahrnehmung zur Bewertung: Aus „Die Biene besucht Blumen“ macht die Henne „Die Biene tut nichts Nützliches“. Den Zweck des Tuns überprüft sie nicht. Die Antwort der Biene stellt diesem Urteil ein Ergebnis gegenüber. Gerade dadurch lässt sich die Lehre allgemein übertragen: Wer Arbeit nur daran erkennt, dass sie den eigenen Tätigkeiten ähnelt oder laut angekündigt wird, übersieht andere Leistungen. Die Eigenschaft „fleißig“ muss daher an der jeweiligen Figur und nicht an einer Tierliste festgemacht werden.
Fürsorge kann mit einem Irrtum zusammengehen
In Gellerts Die junge Ente führt eine Henne ein ausgebrütetes Entenkind mit ihren Küken. Als die Ente ins Wasser geht, sorgt sie sich, während das Jungtier sicher schwimmt. Der Irrtum hebt die Fürsorge nicht auf: Die Henne möchte schützen, kennt aber die besondere Fähigkeit des anderen Tieres nicht. Lies dazu die Gegenüberstellung der beiden Entenfabeln. Anders als in der Auseinandersetzung mit der Biene ist hier die Angst um ein Jungtier der Anlass ihres Verhaltens.
Henne charakterisieren: Beispiel mit Erklärung
Eine Charakterisierung verbindet eine Aussage über die Figur mit einer passenden Beobachtung und ihrer Bedeutung. Der folgende Absatz ist eine eigene Musterformulierung zur besprochenen Literatur, kein Zitat aus dem Werk.
Die Henne urteilt in Gellerts Die Biene und die Henne vorschnell und selbstgefällig über fremde Arbeit. Sie deutet den Aufenthalt der Biene auf Blumen als bloßes Vergnügen, ohne den Zweck des Sammelns zu berücksichtigen. Gleichzeitig hebt sie den Nutzen ihrer eigenen Eier hervor. Die Biene widerlegt diese eingeschränkte Sicht durch den Hinweis auf den Honig und den Bienenstock. Die Figur der Henne veranschaulicht somit einen Maßstab, der nur die eigene Art von Leistung anerkennt.
Die Erklärung bezieht sich auf das Streitgespräch. Sie sollte nicht zu „Hennen sind immer faul“ verkürzt werden. Auch die Bezeichnung der Figur als träge rechtfertigt keine allgemeine Aussage über die Tierart oder andere literarische Hennen.
Ergänze in einer schulischen Analyse die tatsächlichen Textstellen deiner Ausgabe. Zeilenangaben dürfen nur aus dem vorliegenden Text stammen.
Grammatik und richtige Schreibweise
Wortart: Nomen (Substantiv). Grammatisches Geschlecht: feminin. Die Tabelle zeigt die Tierbezeichnung Henne im Singular und Plural.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ (wer/was?) | die Henne | die Hennen |
| Genitiv (wessen?) | der Henne | der Hennen |
| Dativ (wem?) | der Henne | den Hennen |
| Akkusativ (wen/was?) | die Henne | die Hennen |
Henne wird mit doppeltem n geschrieben. Die Mehrzahl heißt Hennen. Huhn ist die allgemeinere Tierbezeichnung; Hahn bezeichnet das männliche Tier. Verwechsle die grammatische Form „der Henne“ im Genitiv oder Dativ nicht mit einem maskulinen Grundartikel: Im Nominativ heißt es die Henne.
Eigene Satzbeispiele: Die Behauptung der Henne überzeugt nicht. Die Biene antwortet der Henne. Die Küken folgen den Hennen.
Übung: Beobachten, deuten, begrenzen
Selbst erfundene Übungsszene · keine historische Fabel
Eigene erfundene Szene: Eine Henne nennt den still lesenden Maulwurf untätig. Später liest er die Wegbeschreibung vor, mit der die Gruppe den Ausgang findet. Welcher Denkfehler der Henne wird sichtbar?
Lösung und Begründung anzeigen
Sie setzt sichtbare Bewegung oder Lärm mit nützlicher Tätigkeit gleich. Das spätere Vorlesen zeigt, welchen Zweck das stille Lesen hatte. Ein passender Erklärungssatz wäre: Die Henne beurteilt die Leistung nach ihrem äußeren Eindruck, statt nach Aufgabe und Ergebnis. Das macht sie voreilig, nicht zwingend böswillig.
