Fabeltiere und ihre Eigenschaften

Fabeltiere sind Tiere, die in einer Fabel menschliche Verhaltensweisen darstellen. Sie sprechen, urteilen, streiten oder helfen einander. Bekannte Rollen – etwa der listige Fuchs oder der mächtige Löwe – erleichtern den Einstieg. Die konkrete Geschichte kann diese Erwartung aber verändern oder ausdrücklich infrage stellen.

In der Übersicht findest du 23 Tiere mit vertiefenden Artikeln. Klicke auf den Tiernamen, um die Rolle an einem literarischen Beispiel zu verstehen. Jeder Artikel enthält eine kommentierte Charakterisierung, Grammatik und eine eigene Übung mit Lösung.

Liste der Fabeltiere und ihrer Eigenschaften

So nutzt du die Liste: Wähle zuerst das Tier und dann den passenden Text. Die genannten Namen gehören teilweise zu bestimmten Werken. Sie sind keine verbindlichen Namen für jede Fabel derselben Tierart.
Die Eigenschaften beziehen sich auf die jeweils genannten Beispiele.
FabeltiereName und WerkbezugMögliche Eigenschaften und Rollen
AffeMartin bei Goethe; Gellerts Affe bleibt namenlos.Scheinbar sachkundig, überheblich: Bei Gellert hält sein Auftreten einer konkreten Nachfrage nicht stand.
BärMeister Petz; bei Goethe Braun.Stark, verführbar oder geschickt: Braun scheitert an einer Honiglist, Gellerts Tanzbär am Neid der anderen.
BiberBokert bei Goethe.Gebildeter Amtsträger: Bokert liest wichtige Briefe und deckt den Inhalt einer falschen Sendung auf.
DachsGrimbart, auch Meister Grimbart.Loyal und parteilich: Grimbart verteidigt seinen Verwandten Reineke.
EnteTybbke bei Goethe; bei Gellert namenlos.Spöttisch bei Gellerts Ente; beherzt und sicher im Wasser bei der Jungen Ente.
EselBoldewyn bei Goethe; bei Lessing namenlos.Belastet und begründet klagend bei Lessing. Langsamkeit ist dort ausdrücklich keine Faulheit.
FuchsReineke bei Goethe; auch Reinecke in anderen Namensformen.Listig und manipulierend; die Mittel und der Erfolg der List unterscheiden sich je nach Fabel.
HäherMarkart bei Goethe; geai (Häher) bei La Fontaine.Auf Ansehen bedacht: La Fontaines Häher schmückt sich mit fremden Federn.
HahnHenning bei Goethe.Trauernder Vater und entschlossener Ankläger: Henning fordert eine Reaktion auf Reinekes Taten.
HaseLampe, Meister Lampe.Übermütig im Wettlauf mit der Schildkröte; in anderen Texten verletzlich oder vorsichtig.
HenneKratzefuß bei Goethe.Vorschnell urteilend im Streit mit der Biene; fürsorglich gegenüber der jungen Ente.
HundHylax und Lykodes bei Lessing; Wackerlos und Ryn bei Goethe.Schutz beanspruchend, aber fehlgeleitet: Lessings Hunde gefährden das Lamm durch ihren Streit.
IgelIm besprochenen Lessing-Text ohne Eigennamen.Skeptisch und auf Bestätigung bedacht in Lessings Rangstreit der Tiere.
KaterHinze bei Goethe.Als klug eingeschätzt, dennoch verführbar: Hinze gerät durch das Mäuseangebot in die Falle.
KranichLütke bei Goethe; in der besprochenen Äsop-Fassung namenlos.Geschickter, vertrauender Helfer; der Wolf verweigert ihm den vereinbarten Lohn.
KräheMerkenau und Scharfenebbe bei Goethe.Mitfühlend und verletzt: Merkenau berichtet bei Goethe vom Tod Scharfenebbes.
LammIn den besprochenen Fabeln ohne Eigennamen.Unschuldig, sachlich argumentierend und körperlich unterlegen im Konflikt mit dem Wolf.
LöweNobel bei Goethe; Leu als dichterische Tierbezeichnung.Mächtig; je nach Geschichte gnädig, abhängig von Hilfe oder selbstherrlich.
LuchsBei Pfeffel als Luchs bezeichnet; kein allgemeingültiger Eigenname.Scharfsichtig und ehrgeizig bei Pfeffel; ein Tausch schwächt seine besondere Begabung.
RabeIn den besprochenen Fabeln Luthers und Lessings ohne Eigennamen.Für Anerkennung empfänglich; Käse und Gesang bei Luther von Fleisch und Adlerrolle bei Lessing unterscheiden.
StorchAdebar, Meister Adebar; bei Goethe Bartolt.Planvoll und vergeltend bei La Fontaine: Er kehrt eine ungastliche Einladung um.
WolfIsegrim bei Goethe.Machtvoll und rücksichtslos in vielen Beispielen; andere Texte setzen andere Schwerpunkte.
ZiegeMetke bei Goethe; Hermen ist der Bock.Wunschgeleitet und beharrlich bei Lessing; die unbedachte Begleitfolge führt zur Enttäuschung.

Wie belegt man eine Eigenschaft?

Eine Tierbezeichnung ist noch kein Beleg. Notiere zuerst, was die Figur tut oder sagt. Wähle anschließend ein passendes Eigenschaftswort und erkläre den Zusammenhang. Prüfe dabei auch, ob der Erzähler die Handlung schildert oder eine andere Figur sie nur behauptet.

1 · Beobachtung

Der Fuchs lobt in Luthers Rabenfabel die Stimme des Raben.

2 · Wirkung

Der Rabe will singen und lässt den Käse fallen.

3 · Deutung

Das Lob dient einer List: Der Fuchs bringt den Raben dazu, ihm die Nahrung zu überlassen.

Eine ausführlich erklärte Formulierung findest du bei der Charakterisierung des Fuchses. Für genaue Eigenschaftswörter hilft das Verzeichnis der Charaktereigenschaften. Wenn ein Tier gezielt verdeckte Absichten verfolgt, ist außerdem der Begriff Intrige zu unterscheiden.

Fabel, Tierepos und Märchen unterscheiden

Nicht jede Geschichte mit sprechenden Tieren ist dieselbe Textsorte. Die kurze Fabel stellt meist einen überschaubaren Konflikt mit übertragbarer Bedeutung dar. Goethes Reineke Fuchs ist ein umfangreiches Tierepos mit Hofgesellschaft und wiederkehrenden Figuren. Auch in Märchen und Sagen begegnen Tiere, doch daraus folgt nicht automatisch dieselbe Form oder Aussage.

Merke: Typische Tierrollen sind ein Ausgangspunkt. Eine gute Charakterisierung erklärt die konkrete Figur im konkreten Werk – einschließlich der Unterschiede zu vertrauten Erwartungen.