Kontiguität
Form & Grammatik
- Stichwort
- Kontiguität
- Worttrennung
- Kon·ti·gu·i·tät
- Artikel
- die
- Geschlecht
- feminin
- Genitiv
- der Kontiguität
- Plural
- die Kontiguitäten
Gebrauch: Psychologischer und sprachwissenschaftlicher Fachgebrauch. Allgemein für Angrenzung oder Berührung bildungssprachlich veraltet; diese Einschränkung gilt nicht für sämtliche Fachverwendungen.
Definition · kurz erklärt
Kontiguität bezeichnet Nähe oder Nachbarschaft. In der Psychologie geht es besonders um das zeitlich nahe Auftreten von Ereignissen; in der Sprachwissenschaft um Beziehungen zwischen zusammengehörigen Begriffen. Der ältere allgemeine Gebrauch für Angrenzung oder Berührung ist heute veraltet.
Bedeutungen
Zeitliche Nähe von Ereignissen
In der Psychologie bezeichnet Kontiguität das zeitliche Zusammentreffen oder nahe Aufeinanderfolgen von Ereignissen beziehungsweise Erlebnisinhalten. In der Lernpsychologie wird auch von räumlich-zeitlicher Nähe gesprochen. Der Ausdruck beschreibt zunächst diese Nähe; er beweist für sich allein weder einen ursächlichen Zusammenhang noch einen Lernerfolg.
„In der beschriebenen Versuchsanordnung erscheinen Licht und Ton kurz nacheinander; die Erklärung spricht von zeitlicher Kontiguität.“
Der Satz beschreibt einen kurzen Abstand zwischen den beiden Ereignissen. Er behauptet noch nicht, dass die Versuchsperson beide tatsächlich miteinander verknüpft oder dass das Licht den Ton zuverlässig vorhersagt.
Nachbarschaft von Begriffen
Sprachwissenschaftlich meint Kontiguität eine Beziehung zwischen Begriffen, die innerhalb eines Sach- oder Erfahrungszusammenhangs miteinander verbunden sind. Ein Ort und die dort tätige Institution können etwa so aufeinander bezogen sein. Solche Beziehungen sind für die Erklärung einer Metonymie wichtig: Eine Bezeichnung steht im passenden Zusammenhang für etwas anderes, das mit dem eigentlich Bezeichneten verbunden ist.
„Das Rathaus bestätigt die neue Regelung.“
Wenn Rathaus hier die zuständige Verwaltung bezeichnet, besteht die Beziehung zwischen dem Gebäude und der darin ansässigen Institution. Ein Gebäude kann selbst nichts bestätigen. Die Übertragung beruht auf dem Sachzusammenhang; eine äußere Ähnlichkeit von Gebäude und Verwaltung ist dafür nicht erforderlich. Nicht jede beliebige Nachbarschaft zweier Dinge macht jedoch schon eine verständliche sprachliche Übertragung aus.
Angrenzung oder Berührung im älteren Gebrauch
In älterer Bildungssprache kann Kontiguität allgemein das Angrenzen oder Berühren bezeichnen. Diese Verwendung ist veraltet. In einer heutigen alltäglichen Beschreibung sind Angrenzung, Nachbarschaft oder Berührung meist verständlicher, sofern sie den konkreten Sachverhalt treffen.
„In einer bewusst altertümlichen Beschreibung wird das Angrenzen zweier Flächen als ihre Kontiguität bezeichnet.“
Hier geht es um den räumlichen Bezug der Flächen. Die altertümliche Wortwahl ist Teil des Beispiels und kein notwendiger heutiger Fachausdruck für jede gemeinsame Grenze.
Kontiguität: Synonyme und andere Wörter
Zeitliche Nähe oder zeitliches Zusammentreffen
Zeitliche Nähe erklärt den psychologischen Gebrauch oft am einfachsten. Zusammentreffen passt besonders bei gleichzeitig auftretenden Ereignissen; Nähe lässt auch ein kurzes Nacheinander zu.
„Die Darstellung untersucht die Kontiguität der Ereignisse.“ → „Die Darstellung untersucht, wie nahe die Ereignisse zeitlich beieinanderliegen.“
Die zweite Fassung benennt die untersuchte Frage ausdrücklich. Sie legt weder eine bestimmte Zeitspanne noch einen kausalen Zusammenhang fest.
Sachzusammenhang oder begriffliche Nachbarschaft
Für den sprachwissenschaftlichen Zusammenhang passen begriffliche Nachbarschaft oder ein genauer benannter Sachzusammenhang. Zusammenhang allein ist weiter gefasst und kann auch andere Arten von Beziehungen einschließen.
„Die Übertragung beruht auf Kontiguität.“ → „Die Übertragung beruht darauf, dass die Begriffe im betreffenden Sachzusammenhang verbunden sind.“
Eine Assoziation ist eine gedankliche Verknüpfung. Sie kann auf einer solchen Nähe beruhen, ist aber kein genauer Ersatz für jede fachliche Verwendung von Kontiguität.
Beispiele und Verwendung
Kontiguität und Kontingenz unterscheiden
„Die beiden Ereignisse folgen kurz aufeinander; ob das erste das zweite zuverlässig vorhersagt, ist eine weitere Frage.“
Im lernpsychologischen Vergleich betrifft Kontiguität die Nähe der Ereignisse, Kontingenz dagegen ihren Vorhersagezusammenhang. Ein kurzer Abstand allein reicht nicht aus, um das eine mit dem anderen gleichzusetzen. Die Begriffe beantworten unterschiedliche Fragen und sind keine Schreibvarianten.
Die Art der Nähe benennen
„Die Analyse unterscheidet zeitliche Kontiguität von der begrifflichen Nachbarschaft in einer sprachlichen Übertragung.“
Die Ergänzungen zeitlich und begrifflich machen deutlich, welche Lesart gemeint ist. Ohne einen solchen Fachzusammenhang bleibt die bloße Aussage, zwei Dinge stünden in Kontiguität, oft zu ungenau.
Grammatik und Beugung
Das Nomen ist feminin: die Kontiguität. Im Genitiv und Dativ Singular heißt es der Kontiguität. Die tatsächlich belegte Mehrzahl lautet die Kontiguitäten, im Dativ den Kontiguitäten. Sie kann mehrere als solche bezeichnete Beziehungen unterscheiden; beim allgemeinen Begriff steht der Singular.
Die Worttrennung lautet Kon·ti·gu·i·tät, im Plural Kon·ti·gu·i·tä·ten. Die Kennzeichnung veraltet betrifft die allgemeine Bedeutung Angrenzung oder Berührung und nicht pauschal die heutigen psychologischen und sprachwissenschaftlichen Verwendungen.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | die Kontiguität | die Kontiguitäten |
| Genitiv | der Kontiguität | der Kontiguitäten |
| Dativ | der Kontiguität | den Kontiguitäten |
| Akkusativ | die Kontiguität | die Kontiguitäten |
Herkunft
Kontiguität ist über französisch contiguïté mit lateinisch contiguus verbunden, das angrenzend oder benachbart bedeutet. Der Gedanke der Nachbarschaft hilft beim Verständnis der verschiedenen Verwendungen; welche Art von Nähe gemeint ist, ergibt sich aus dem Fachzusammenhang.
Weitere Wörter erklärt das Fremdwörterbuch.
