Kontingenz
Form & Grammatik
- Stichwort
- Kontingenz
- Worttrennung
- Kon·tin·genz
- Artikel
- die
- Geschlecht
- Femininum
- Genitiv
- der Kontingenz
- Plural
- die Kontingenzen (für unterscheidbare Beziehungen oder Fälle)
Die statistische beziehungsweise psychologische Bedeutung vom philosophischen Grundbegriff unterscheiden.
Gebrauch: Als abstrakte philosophische oder logische Eigenschaft gewöhnlich im Singular. Der Plural kann unterscheidbare Beziehungen oder Fälle bezeichnen, auch im soziologischen Fachgebrauch.
Definition · kurz erklärt
Kontingenz bezeichnet in Philosophie und Logik, dass etwas möglich, aber nicht notwendig ist. Es könnte auch anders sein. In Statistik und Psychologie hat das Wort einen anderen Schwerpunkt: Es betrifft das gemeinsame Auftreten beziehungsweise den Zusammenhang von Ereignissen oder Merkmalen.
Bedeutungen
Etwas könnte auch anders sein
Philosophisch und soziologisch beschreibt Kontingenz die Möglichkeit des Andersseins. Ein Zustand oder eine Entwicklung ist nicht schon unabänderlich festgelegt. Das bedeutet nicht, dass es dafür keine Gründe gibt oder dass jede beliebige Alternative unter allen Umständen offensteht.
„Der Aufsatz untersucht die Kontingenz einer gesellschaftlichen Ordnung.“
Die Ordnung wird als historisch entstanden und grundsätzlich auch anders möglich betrachtet. Damit ist noch nicht behauptet, sie lasse sich jederzeit nach Belieben verändern. Das zugehörige Adjektiv lautet kontingent.
Möglichkeit ohne logische Notwendigkeit
In der Logik wird Kontingenz von notwendiger Wahrheit und Unmöglichkeit unterschieden. In der klassischen Aussagenlogik kann eine kontingente Formel bei bestimmten Bewertungen wahr und bei anderen falsch sein. Ob sie kontingent ist, hängt damit nicht bloß davon ab, ob jemand ihren Wahrheitswert gerade kennt.
„Die einzelne Aussagevariable A ist eine kontingente Formel.“
A kann als wahr oder als falsch bewertet werden. Das unterscheidet sie von einer Formel, die bei jeder Bewertung wahr ist, und von einer, die bei jeder Bewertung falsch ist. Das Beispiel betrifft diesen formalen Rahmen.
Zusammenhang von Ereignissen oder Merkmalen
In Statistik und Psychologie betrifft Kontingenz das gemeinsame Auftreten beziehungsweise den Zusammenhang von Sachverhalten oder Merkmalen. Eine Kontingenztafel kann beispielsweise darstellen, wie häufig bestimmte Merkmalskombinationen vorkommen. In der Lernpsychologie geht es unter anderem darum, wie regelmäßig ein Verhalten und eine bestimmte Folge zusammentreffen.
„Die Auswertung untersucht die Kontingenz zwischen zwei erfassten Merkmalen.“
Anders als beim philosophischen Grundbegriff steht hier die Beziehung zwischen den Merkmalen im Mittelpunkt. Die bloße gemeinsame Beobachtung beantwortet für sich genommen noch keine Frage nach einer Ursache.
Kontingenz: Synonyme und andere Wörter
Anderssein und Zufälligkeit
Möglichkeit des Andersseins oder Nichtnotwendigkeit erklärt den philosophischen Gedanken genauer. Zufälligkeit kann passen, lässt im Alltag aber leicht an etwas Grundloses oder Ungeplantes denken. Das ist durch Kontingenz allein nicht behauptet.
„Die Darstellung betont die Kontingenz der Entwicklung. – Die Darstellung zeigt, dass auch andere Entwicklungen möglich waren.“
Die zweite Fassung erläutert den Kern. Sie behauptet weder fehlende Ursachen noch, dass jede vorstellbare Entwicklung gleich wahrscheinlich gewesen wäre.
Bei Daten und Verhalten
Zusammenhang oder Beziehung ist eine allgemein verständliche Umschreibung, muss aber genauer erklärt werden. Die gemeinsame Häufigkeitsverteilung benennt bei einer Kontingenztafel die Verteilung der erfassten Merkmalskombinationen.
„Die Studie vergleicht mehrere Kontingenzen. – Die Studie vergleicht mehrere Beziehungen zwischen Ereignissen.“
Die zweite Fassung ist allgemeiner. Welche Art von Beziehung untersucht wird und wie sie erfasst wurde, sollte der Text ausdrücklich benennen.
Beispiele und Verwendung
Nicht mit Kontingent verwechseln
„Das Kontingent ist ausgeschöpft; die Kontingenz einer Entscheidung ist eine andere Frage.“
Ein Kontingent bezeichnet unter anderem eine zugeteilte Menge. Kontingenz bezeichnet keine solche Menge. Die ähnlichen Wortanfänge machen die Nomen nicht austauschbar.
Zusammenhang und zeitliche Nähe unterscheiden
„Die Erklärung unterscheidet die Kontingenz einer Folge von ihrer zeitlichen Nähe zum Verhalten.“
Im beschriebenen lernpsychologischen Gebrauch geht es bei Kontingenz um die Regelmäßigkeit des Zusammentreffens. Die zeitliche Nähe wird als Kontiguität bezeichnet. Beide Ausdrücke beantworten unterschiedliche Fragen.
Den Plural im Fachzusammenhang lesen
„Die Untersuchung unterscheidet verschiedene gesellschaftliche Kontingenzen.“
Der Plural hebt hier unterscheidbare Fälle des Andersseins hervor. Beim abstrakten philosophischen Grundgedanken steht dagegen gewöhnlich der Singular. Der Plural ist deshalb weder für jeden Satz passend noch ausschließlich auf Statistik beschränkt.
Grammatik und Beugung
Das Nomen ist feminin: die Kontingenz, im Genitiv der Kontingenz. Der belegte Plural lautet die Kontingenzen, im Dativ den Kontingenzen. Die Worttrennung lautet Kon·tin·genz.
Die abstrakte philosophische oder logische Eigenschaft wird gewöhnlich ohne Plural bezeichnet. Die Mehrzahl kann unterscheidbare Beziehungen oder Fälle meinen; sie begegnet auch in soziologischen Darstellungen. Die Pluralspalte zeigt diesen eingeschränkten Gebrauch und ersetzt keine Prüfung des jeweiligen Zusammenhangs.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | die Kontingenz | die Kontingenzen |
| Genitiv | der Kontingenz | der Kontingenzen |
| Dativ | der Kontingenz | den Kontingenzen |
| Akkusativ | die Kontingenz | die Kontingenzen |
Herkunft
Kontingenz geht auf spätlateinisch contingentia zurück. Das Wort ist mit dem Adjektiv kontingent verbunden. Seine heutigen philosophischen, logischen und empirisch untersuchenden Verwendungen müssen nach dem jeweiligen Fachzusammenhang unterschieden werden.
