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Aktiv und Passiv: Übungen mit Lösungen

Beim Umformen von Aktiv und Passiv prüfst du die Verbform, die Satzglieder und den Zusammenhang. Wer oder was im Satz Subjekt ist, kann sich ändern; das beschriebene Geschehen soll erhalten bleiben. Hier übst du das schrittweise an eigenen Beispielen und vergleichst deine Antworten mit begründeten Lösungen.

Im Mittelpunkt steht das Vorgangspassiv mit werden. Dazu kommen die Abgrenzung zum Zustandspassiv und Fälle, in denen eine mechanische Umformung scheitert. Schreibe deine Lösungen zunächst auf. Die Erklärungen stehen gesammelt nach den Aufgaben.

Wie forme ich einen Aktivsatz ins Passiv um?

Vergleiche diese beiden Sätze:

Die Hausmeisterin öffnet den Saal.
Der Saal wird von der Hausmeisterin geöffnet.

Im Aktivsatz ist die Hausmeisterin das Subjekt und den Saal das Akkusativobjekt. Im Passivsatz wird daraus das Subjekt der Saal im Nominativ. Die Hausmeisterin öffnet weiterhin den Saal; sie erscheint jetzt in einer von-Gruppe mit Dativ.

  1. Bestimme Verb und Tempus. Hier steht öffnet im Präsens.
  2. Suche Subjekt und Akkusativobjekt. Frage nicht nur nach einer handelnden Person: Ein Subjekt kann auch etwas anderes bezeichnen.
  3. Prüfe die Passivbildung. Beim passenden Verb wird das Akkusativobjekt zum Subjekt des werden-Passivs. Ohne Akkusativobjekt kann unter bestimmten Bedingungen ein subjektloses Passiv entstehen.
  4. Bilde die Verbform. Verwende das Partizip II und die passende Form von werden; beachte dabei auch Singular oder Plural des neuen Subjekts.
  5. Vergleiche die Aussage. Erhalte Zeitangaben, Verneinungen und andere wichtige Informationen. Soll nichts entfallen, übernimm auch die genannte ausführende Person.

Aktiv bedeutet grammatisch nicht, dass jemand besonders tätig ist. Lena schläft ist ein Aktivsatz. Ebenso bezeichnet das Subjekt im Passiv nicht automatisch eine untätige Person: Der Saal ist überhaupt keine Person. Entscheidend sind die Konstruktion und die Verbform.

Die Zeitform beim Umformen erhalten

Aus Lea prüft den Entwurf wird Der Entwurf wird von Lea geprüft. Die folgende Übersicht zeigt die Passivformen dieses Beispiels. Die Angabe von Lea ist für die kompakte Darstellung weggelassen.

Vorgangspassiv in sechs Zeitformen
ZeitformPassivsatz
PräsensDer Entwurf wird geprüft.
PräteritumDer Entwurf wurde geprüft.
PerfektDer Entwurf ist geprüft worden.
PlusquamperfektDer Entwurf war geprüft worden.
Futur IDer Entwurf wird geprüft werden.
Futur IIDer Entwurf wird geprüft worden sein.

Im Perfekt des Vorgangspassivs heißt es worden, nicht geworden. Vergleiche Der Saal ist geöffnet worden mit Der Saal ist größer geworden: Im zweiten Satz bezeichnet werden eine Veränderung. Weitere Formen findest du unter werden: Grammatik und Beugung.

Übungen zum Aktiv und Passiv

1. Verbformen erkennen

Bestimme Aktiv oder Vorgangspassiv und die Zeitform. Begründe deine Entscheidung anhand der Verbform.

  1. Lena schläft.
  2. Lena wird den Entwurf prüfen.
  3. Der Entwurf wird geprüft.
  4. Man prüft den Entwurf.

2. Singular und Plural beachten

Forme ins Vorgangspassiv um. Erhalte die Zeitform und die Information über die Gärtnerin.

  1. Die Gärtnerin pflanzt einen Baum.
  2. Die Gärtnerin pflanzt zwei Bäume.

3. Die Zeitform beibehalten

Forme ins Vorgangspassiv um und nenne das Team weiterhin.

  1. Das Team hat das Plakat aufgehängt.
  2. Das Team hatte das Plakat aufgehängt.
  3. Das Team wird das Plakat aufhängen.

4. Was geschieht mit dem Dativ?

Forme beide Sätze ins werden-Passiv um. Bestimme anschließend das Subjekt, falls eines vorhanden ist. In a soll die Betreuerin genannt bleiben; in b darf die unbestimmte Personenangabe entfallen.

  1. Die Betreuerin zeigt dem Kind den Weg.
  2. Man hilft den Gästen.

5. Vom Passiv zurück ins Aktiv

Forme ins Aktiv um, ohne eine unbekannte ausführende Person zu erfinden. Erhalte die Zeitform.

  1. Die Fenster wurden von Ben geputzt.
  2. Das Fahrrad wurde repariert.

Erkläre, warum du in b keine bestimmte Person benennen kannst.

6. Grenzen der Umformung prüfen

Welche Sätze lassen sich in ihrer hier gemeinten Bedeutung in ein übliches werden-Passiv umformen? Forme um, wo es passt, und begründe die anderen Fälle.

  1. Nora besitzt ein Fahrrad.
  2. Der Koffer wiegt zehn Kilogramm.
  3. Der Mitarbeiter wiegt den Koffer.

7. Vorgang und Zustand unterscheiden

Jan schließt die Tür um neun Uhr. Sie bleibt bis zehn Uhr zu. Welche Fassung beschreibt den Zustand um halb zehn? Erkläre auch, was die anderen Fassungen ausdrücken.

  1. Die Tür ist geschlossen.
  2. Die Tür wird geschlossen.
  3. Die Tür ist geschlossen worden.

Lösungen mit Erklärungen

1. Auf die ganze Verbform achten

a: Aktiv, Präsens. Schlafen ist keine Passivform. b: Aktiv, Futur I: wird verbindet sich mit dem Infinitiv prüfen. c: Vorgangspassiv, Präsens: wird verbindet sich mit dem Partizip II geprüft. Das Wort wird allein beweist also kein Passiv. d: Aktiv, Präsens. Man ist das Subjekt; eine unbestimmte Personenangabe macht den Satz nicht zum Passiv.

2. Das neue Subjekt entscheidet mit

a: Ein Baum wird von der Gärtnerin gepflanzt. Aus dem Akkusativ einen Baum wird der Nominativ ein Baum. b: Zwei Bäume werden von der Gärtnerin gepflanzt. Das neue Subjekt steht im Plural, deshalb heißt es werden. In beiden Sätzen bleibt das Präsens erhalten.

3. Hilfsverben richtig verbinden

a: Das Plakat ist vom Team aufgehängt worden. Das ist Perfekt des Vorgangspassivs. b: Das Plakat war vom Team aufgehängt worden. Das Plusquamperfekt bleibt erhalten. c: Das Plakat wird vom Team aufgehängt werden. Das ist Futur I; das abschließende werden gehört dazu. Von dem Team ist jeweils ebenfalls möglich. Eine Umformung zu wurde aufgehängt wäre grammatisch, würde aber die verlangte Zeitform ändern.

4. Nicht jedes Objekt wird zum Subjekt

a: Der Weg wird dem Kind von der Betreuerin gezeigt. Der Weg ist das neue Subjekt. Dem Kind bleibt Dativobjekt. Auch die Reihenfolge Der Weg wird von der Betreuerin dem Kind gezeigt ist möglich.

b: Den Gästen wird geholfen. Hier gibt es kein Subjekt. Helfen hat im Ausgangssatz ein Dativobjekt, kein Akkusativobjekt. Der Dativ bleibt erhalten; die Verbform steht in der dritten Person Singular. Möglich ist auch Es wird den Gästen geholfen. Dieses es besetzt nur die erste Satzposition und ist kein Subjekt. Sobald dort den Gästen steht, entfällt es.

5. Keine Person hinzuerfinden

a: Ben putzte die Fenster. Ben wird zum Subjekt; die Fenster ist nun Akkusativobjekt. b: Man reparierte das Fahrrad. Beide Lösungen stehen im Präteritum. In b bleibt offen, wer die Reparatur ausgeführt hat. Ben reparierte das Fahrrad wäre ohne weitere Information eine unbegründete Ergänzung.

6. Bedeutung und Satzbau gemeinsam prüfen

a: In der gewöhnlichen Besitzbedeutung bildet besitzen kein übliches bedeutungsgleiches werden-Passiv. Ein Akkusativobjekt allein reicht als Erlaubnis zur Umformung nicht aus. b: Zehn Kilogramm bezeichnet das Gewicht; es ist eine Maßangabe und kein Akkusativobjekt, das zum Passivsubjekt werden könnte.

c: Der Koffer wird von dem Mitarbeiter gewogen. Hier bedeutet wiegen, das Gewicht festzustellen; den Koffer ist das Akkusativobjekt. Die beiden Verwendungen desselben Verbs sind zu unterscheiden. Entscheide deshalb nicht allein nach dem Verb ohne seinen Satz. Sonderkontexte können andere Konstruktionen erlauben; die Lösungen beziehen sich auf die vorgegebenen gewöhnlichen Lesarten.

7. Einen Zustand passend ausdrücken

a passt zur Frage: Die Tür ist geschlossen beschreibt den Zustand. Diese Konstruktion heißt in der Schulgrammatik Zustandspassiv. b stellt einen Schließvorgang dar; ein erneuter Vorgang um halb zehn ist im Text nicht angegeben. c berichtet im Perfekt des Vorgangspassivs über das Schließen. Daraus allein folgt nicht, dass die Tür später noch geschlossen ist.

Das Zustandspassiv ist also nicht einfach die Vergangenheitsform des Vorgangspassivs. Außerdem ist nicht jede Verbindung mit sein ein Passiv: Jan ist angekommen ist Aktiv im Perfekt. Die unterschiedlichen Funktionen erläutert auch der Artikel sein.

Die eigene Lösung prüfen

Kontrolliere zuerst die Aussage, dann Kasus, Numerus und Verbform. Eine grammatisch mögliche Fassung kann Informationen weglassen oder den Blick auf einen anderen Teil des Geschehens lenken. Das Passiv ist deshalb weder grundsätzlich besser noch grundsätzlich schlechter: Die Treppe wurde gereinigt passt, wenn die Reinigung im Mittelpunkt steht und die ausführende Person unbekannt bleibt. Soll gerade deutlich werden, wer verantwortlich war, ist eine namentliche Nennung hilfreich – im Aktiv oder in einer passenden Passivfassung.